11.09.2011

Die Löwen verschenkten auf St. Pauli leichtfertig einen sicher geglaubten Sieg. Benjamin Lauth per Elfmeter (44.) und ein Eigentor von Kevin Schindler (47.) hatte sie mit 2:0 in Führung gebracht. Innerhalb von acht Minuten zwischen der 55. und 64. Minute drehten die Hanseaten durch Treffer von Marius Ebbers, Sebastian Schachten und Max Kruse das Spiel. Kruse war es auch, der in der 74. Minute zum 4:2-Endstand für die Hamburger traf.
Personal: Löwen-Chefcoach Reiner Maurer musste auf Sandro Kaiser (Prellung) und Benjamin Schwarz (Aufbautraining nach Knieverletzung) verzichten. Djordje Rakic stand nicht im 18er-Kader, und Bobby Wood, Jonathan Kotzke, Daniel Hofstetter sowie Philipp Steinhart spielten tags zuvor in der U23 gegen Pfullendorf (1:1). Taktisch gab es einen Wechsel im Vergleich zu den Spielen zuvor. Für Dominik Stahl rückte Kai Bülow ins Mittelfeld, Stefan Buck spielte wieder in der Innenverteidigung. Außerdem kehrten Necat Aygün und Collin Benjamin nach ihren Verletzungen zurück in den Kader.
Spielverlauf: Die erste Chance des Spiels besaßen die Hamburger nach 75 Sekunden. Einen Freistoß an der linken Strafraumseite hatte Florian Bruns in die Mitte geflankt, Sebastian Schachten kam frei aus neun Metern zum Kopfball, konnte das Leder aber nicht mehr aufs Tor drücken (2.). Auch danach hielt St. Pauli den Druck hoch, so dauerte es bis zur 7. Minute, ehe die Löwen den ersten Entlastungsangriff starten konnten. Doch mit dem Distanzschuss von Antonio Rukavina aus halbrechter Position hatte Torhüter Philipp Tschauner keine Mühe. In der 12. Minute konterten die Löwen über die rechte Seite, Benjamin Lauth flankte in die Mitte, wo Kevin Volland im Luftkampf mit Markus Thorandt den Kürzeren zog. Der Ex-Löwe konnte den Ball gerade noch vor dem dahinter lauernden Daniel Halfar wegköpfen. Zwei Minuten später lag der Ball im Netz. Volland hatte von links geflankt, Lauth am Torraum nickte ein, doch das Leder hatte zuvor schon die Tor-Auslinie überschritten (14.). Eine tolle Kombination aus der eigenen Hälfte zeigten die Löwen in der 21. Minute. Lauth lupfte mit viel Gefühl von halbrechts in die Mitte, Volland verlängerte sofort mit dem Kopf auf die rechte Seite, wo Stefan Aigner aus spitzem Winkel direkt mit viel Risiko abzog, aus zwölf Metern aber das Leder über den Querbalken setzte. Vier Minuten später herrschte Chaos im Strafraum des FC St. Pauli. Erst konnte Volland einen Kopfball nach Rukavina-Flanke nicht aufs Tor platzieren, dann wurde der Nachschuss von Kai Bülow zur Ecke geblockt (25.). Genau in die Drangphase der Sechziger kamen die Hanseaten zu ihrer besten Chance. Ein Freistoß fast von der linken Eckfahne flog in die Mitte, der großgewachsene Lasse Sobiech stieg am höchsten, köpfte aus sechs Metern aufs Tor, doch Gabor Kiraly war zur Stelle, parierte den Ball (29.). Drei Minuten später die nächste Großchance der Gastgeber. Fin Bartels hatte von der rechten Seite an den ersten Pfosten geflankt, Christopher Schindler konnte im Luftduell aus drei Metern gegen Mahir Saglik gerade noch zur Ecke klären (32.). Im Anschluss an den abgewehrten Eckball hatte Florian Bruns im Mittelfeld viel Platz, sein Pass nach rechts erreichte Kevin Schindler, der mit dem Außenrist aus 16 Metern abzog, aber nur den rechten Pfosten traf (33.). In der 39. Minute ein Konter der Sechziger. Volland spielte steil auf Lauth, der halblinks am Strafraum mit links aufs lange Eck zielte, Tschauner machte sich lang, drehte mit den Fingerspitzen den Flachschuss um den rechten Pfosten. Vier Minuten später setzte sich Volland gegen Thorandt auf der linken Strafraumseite durch, der Ex-Löwe setzte nach, trat an der Grundlinie dem 1860-Stürmer von hinten in die Hacken, der sofort fiel. Schiedsrichter Babak Rafati zögerte keinen Moment, zeigte auf den Elfmeterpunkt. Lauth lief an, wartete lange bis Tschauner fiel und versenkte den Strafstoß genau in die Mitte zur Führung (44.). Doch beinahe hätten die Hamburger vom Anstoß weg den Ausgleich erzielt. Nach einem Angriff über die linke Seite lupfte Bartels mit viel Gefühl den Ball an den zweiten Pfosten, Saglik war vor Feick am Leder, hob den Ball aber aus fünf Metern mit dem Innenrist übers Tor (45.). Somit nahmen die Sechziger das 1:0 mit in die Pause.
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Einen Auftakt nach Maß hatten die Löwen nach Wiederanpfiff. Nach etwa 60 Sekunden starteten sie einen Gegenangriff über die linke Seite, Halfar steckte auf Volland durch, der halblinks alleine vor Tschauner auftauchte. Sein Schuss aus zehn Meter wehrte der herausstürzende Tschauner mit dem Fuß ab, der Ball prallte Kevin Schindler an den Oberschenkel und findet von dort den Weg zum 2:0 ins St.-Pauli-Tor (47.). Aber bereits acht Minuten später stellten die Hanseaten den alten Abstand wieder her. Eine Flanke verlängerte Kevin Schindler mit dem Kopf auf den eingewechselten Marius Ebbers, der den Ball am Torraum mit dem Rücken zum Tor in Ruhe annehmen konnte, sich drehte und aus sechs Metern zum 1:2 ins linke untere Eck traf (56.). Eine Minute später spielte Feick in der Hälfte der Paulianer im Anschluss an eine Löwen-Ecke den Ball in die Füße eines Gegners, sofort lief der Gegenangriff in Überzahl auf die aufgerückte Löwen-Defensive. Bartels im Zentrum wartete lange, legte dann auf links raus auf den mitgelaufenen Verteidiger Sebastian Schachten, der aus elf Metern aus halblinker Position ins lange Eck traf (57.). Aber es kam noch schlimmer für die Sechziger. In der 64. Minute segelte eine Linksflanke auf die rechte Strafraumseite, Kevin Schindler legte zurück in die Mitte auf Ebbers, der säbelte am Ball vorbei, dadurch landete das Leder aber genau vor den Füßen von Max Kruse, der vom Elfmeterpunkt zum 3:2 für St. Pauli traf. Damit hatten die Hanseaten innerhalb von acht Minuten einen 0:2-Rückstand gedreht. Aber bereits zwei Minuten später hätten die Löwen zumindest wieder ausgleichen können. Nach einer Linksflanke von Halfar stieg Volland am Torraum am höchsten, sein Kopfball ging aber knapp über die Querlatte. Für die endgültige Entscheidung sorgte Kruse in der 74. Minute. Im Zentrum fand der Hamburger Mittelfeldspieler keine Anspielstation, zog von fünf Löwen-Spielern umringt nach links, kam aus 14 Metern zum Schuss und erwischte Kiraly auf dem falschen Fuß. Das Leder schlug flach zum 4:2 im linken unteren Eck ein. Zu allem Überfluss vergab der kurz zuvor eingewechselte Manuel Schäffler die Riesenchance zum Anschlusstreffer, als der abgeblockte Schuss von Collin Benjamin genau vor seine Füße fiel, er aus zwölf Metern aber freistehend an dem glänzend reagierenden Tschauner scheiterte (80.). Auch in der Folge hatten die Sechziger noch Chancen. In der 85. Minute flankte Aigner von rechts, Daniel Bierofka kam am zweiten Pfosten freistehend zum Kopfball, zielte aus sechs Metern aber um Zentimeter am langen Eck vorbei. In der Schlussminute passte Rukavina von rechts quer durch den Strafraum, Volland war einen Schritt schneller als sein Bewacher Thorandt, grätschte aber im Torraum haarscharf am Ball vorbei (90.). Kurz danach war Schluss in einem verrückten Spiel, in dem die Löwen leichtfertig einen Sieg und viele Chancen vergaben.