25.07.2012

Eine 2:0-Führung reichte den Löwen nicht zum Sieg über Champions-League-Qualifikant Borussia Mönchengladbach. Kai Bülow hatte die Löwen in Führung gebracht (23.), die Ismael Blanco kurz nach seiner Einwechslung auf 2:0 ausbaute (49.). Dann drehten die Fohlen aber den Spieß um. Amin Younes (52.) und ein Doppelschlag von Igor de Camargo (66./82.) brachte die Borussen in Front. Den Schlusspunkt zum 4:2 setzte kurz vor Abpfiff Alexander Bieler (88.).
Beim vorletzten Test der Löwen vor dem Puntkspielstart am 4. August gegen Jahn Regensburg fehlten Trainer Reiner Maurer Daniel Bierofka (pausierte nach Gehirnerschütterung), Sebastian Maier (Aufbautraining nach Knieverletzung) und Phillipp Steinhart (muskuläre Probleme). Nicht zum Einsatz gegen die Fohlen kamen Necat Aygün und Markus Ziereis.
Die Löwen taten sich zu Beginn des Spiels schwer, ihren Rhythmus zu finden. So konnten die Gladbacher die ersten Chancen verbuchen. Oscar Wendt spielte in der 12. Minute 14-Millionen-Einkauf Luuk de Jong im Strafraum den Ball in den Lauf. Der Niederländer legte quer auf Lukas Rupp, doch bevor dieser zum Abschluss kam sprintete Guillermo Vallori dazwischen, klärte zur Ecke. Eine Minute später spielte Havard Nordtveit Branimir Hrgota an der Strafraumgrenze an, der legte das Leder zurück auf Julian Korb, dessen Schuss wurde aber sichere Beute von Gabor Kiraly (13.). In der 16. Minute blieb Kiraly bei einem 14-Meter-Schuss von Hrgota erneut Sieger. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde kamen die Sechzger langsam auf Touren. Daniel Halfar spielte auf der linken Seite die Linie entlang auf Benjamin Lauth. Der Kapitän sah den gestarteten Moritz Stoppelkamp, passte in die Mitte auf seinen Sturmkollegen, doch dessen Schussversuch wurde von Torhüter Christofer Heimrot abgewehrt (17.). Zwei Minuten später eine Schrecksekunde für die Löwen. Stoppelkamp blieb nach einem Zweikampf verletzt liegen, musste am linken Knie behandelt werden, konnte aber weiterspielen (19.). Ein 17-Meter-Schuß von Lauth nach Halfar-Zuspiel senkte sich aufs Gladbacher Tornetz (20.). In der 23. Minute lag dann der Ball im Tor der Fohlen. Maximilian Nicu leitete den Angriff über die rechte Seite ein, passte zu Lauth. Dessen Schuss wehrte Heimrot zunächst ab, Kai Bülow kam ans Leder, versenkte es aus 14 Metern im linken unteren Eck zum 1:0. Zwei Minuten später sogar die Riesenchance zum 2:0. Nach einem Eckball von Halfar von der linken Seite landete der abgefälschte Ball genau vor den Füßen von Vallori, der zog vom Torraum ab, aber Keeper Heimrot parierte den Schuss mit einer Glanzparade (25.). Ähnlich gut die Möglichkeit in der 34. Minute. Lauth hatte von links in die Mitte geflankt, Stoppelkamp kam aus sechs Metern zum Kopfball, setzte das Leder aber rechts neben das Tor. Ein Distanzschuss von Grigoris Makos, der ebenfalls knapp das Ziel verfehlte, war die letzte Löwen-Chance vor der Pause (36.).
Im zweiten Durchgang knüpften die Sechzger zunächst dort an, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Stoppelkamp hatte auf den eingewechselten Marin Tomasov gepasst, der kam aus 18 Metern zum Abschluss, zielte aber rechts neben den Pfosten (48.). Eine Minute später flankte Nicu von links genau auf den eingewechselten Ismael Blanco, der im Stil eines Torjägers in den Ball rutschte und das Spielgerät zum 2:0 über die Linie bugsierte (49.). Lange dauerte die Freude über den Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Vier Minuten später verkürzte Amin Younes, indem er einen verunglückten Schuss des eingewechselten Thorben Marx im Strafraum aufnahm, einen Gegenspieler aussteigen ließ und den Ball in den rechten oberen Winkel schlenzte (53.). Der nach einer Stunde eingewechselte Igor de Camargo erzielte in der 66. Minute sogar den Ausgleich. Der belgische Nationalspieler wurde von Tony Jantschke auf der rechten Seite in Szene gesetzt, setzte sich im Strafraum durch und schloss überlegt ins lange Eck zum 2:2 ab. Zwei Minuten später setzte Tomasov einen Schuss nach Blanco-Hereingabe neben das Tor (68.). In der 70. Minute blieb Timo Ochs, der zur Pause Kiraly im Löwen-Tor abgelöst hatte, Sieger gegen Lukas Rupp, der alleine auf ihn zugelaufen war. Ex-Löwe Peniel Mlapa bediente fünf Minuten später Matthias Zimmermann, der den Ball quer auf Tolga Cigerci legte. Dessen Schuss konnte Ochs abklatschen, Tomasov wehrte das Leder endgültig ab (75.). Im Gegenzug kam Blanco nach Nicu-Flanke zum Kopfball, setzte das Leder aber hauchdünn neben den Pfosten (76.). Wiederum 60 Sekunden später kam Stoppelkamp nach Blanco-Zuspiel aus spitzem Winkel zum Abschluss. Sein Sechs-Meter-Schuss ging jedoch knapp am langen Eck vorbei (77.). Das Tor machten auf der anderen Seite die Gladbacher. Eine Ecke von Wendt köpfte de Camargo zum 3:2 ins Netz. Die Löwen wollten sich aber mit der Niederlage nicht abfinden. Tomasov setzte sich in der 85. Minute auf der rechten Seite durch, zog in den Strafraum, wo ihm aber Torhüter Janis Blaswich entgegen kam, kurz vor dem Kroaten das Leder erreichte. Die endgültige Entscheidung besorgte Alexander Bieler zwei Minuten vor dem Ende. Vom Strafraumrand traf er mit einem Distanzschuss ins Kreuzeck.
Für Löwen-Chefcoach Reiner Maurer war es ein „gutes Testspiel, auch wenn wir lange gebraucht haben, bis wir in Schwung kamen. Gerade vor der Pause haben wir uns sehr gute Chancen erarbeitet, waren in dieser Phase eindeutig die bessere Mannschaft. In der 2. Halbzeit haben sich dann die Umstellungen bemerkbar gemacht." Dazu kam, dass „jeder Gladbacher Schuss ein Treffer war, während wir reihenweise Chance liegen ließen". Besonders Mitleid hatte er mit Torhüter Timo Ochs. „Er war bei allen vier Gegentoren chancenlos", sprach ihn der 52-Jährige von Schuld frei. „Ich denke, der Verlauf des Spieles war heute wichtiger als das Ergebnis", fasste Maurer die Erkenntnisse aus der Partie zusammen.
Maximilian Nicu, der an beiden Löwen-Treffern beteiligt war, bemängelte wie Maurer den Kaltstart des Teams. „Danach ist es aber gut gelaufen. Im Großen und Ganzen können wir mit dem Test zufrieden sein. Man hat heute gesehen, dass sich die Neuen gut eingefunden haben." Ein Extralob zollte er den Fans. „Das war sensationell , wie sie uns bei dem Regenwetter hier in Rottach-Egern unterstützt haben."
Trainer Lucien Favre konnte sich über den Sieg nicht richtig freuen. „Nur weil wir das Spiel gewonnen haben, heißt es noch lange nicht, dass ich zufrieden bin." Der Borussen-Coach strich zwar positiv heraus, dass seine Mannschaft versucht habe, „immer weiter nach vorne zu spielen", doch zugleich ärgerte sich der 54-Jährige über die zahlreichen Abwehrpatzer: „Wir haben zu viele Fehler in der Defensive gemacht und den Münchenern zu viele Chancen ermöglicht. So können wir nicht spielen."
Gladbachs 14-Millionen-Einkauf Luuk de Jong, der weitgehend abgemeldet war, zeigte sich trotzdem mit der Premiere im Trikot des Bundesligisten zufrieden: „Es war wichtig für mich, ein Gefühl für das Spiel zu bekommen. Ein Tor habe ich nicht gemacht, aber das wird noch kommen."
Borussia: 33 Heimrot (46., 21 Blaswich); - 24 Jantzschke, 4 Brouwers (46., 14 Marx), 25 Younes, 27 Korb - 31 Hrgota (46., 22 Mlapa), 17 Wendt, 16 Nordtveit, 8 Rupp - 34 Xhaka, 9 de Jong (62., 10 de Camargo).
1860: 1 Kiraly (46., 22 Ochs) - 3 Wojtkowiak (64., 27 Feick), 26 Schindler, 5 Vallori (46., 6 Stahl), 2 Volz (87., 32 Bühler) - 21 Makos (87., 17 Vocaj), 4 Bülow - 8 Nicu (87., 33 Vollmann), 28 Halfar (46., 14 Tomasov) - 10 Stoppelkamp, 11 Lauth (46., 18 Blanco).
Tore: 0:1 Bülow (23.), 0:2 Blanco (49.), 1:2 Younes (52.), 2:2 Camargo (66.), 3:2 Camargo (82.), 4:2 Bieler (88.).
Zuschauer: 3.500 in Rottach-Egern (ausverkauft).
Schiedsrichter: Peter Sippel (München); Assistenten: Hans Unterberger (Rottach), Eduard Beitinger (Regensburg).