04.09.2012
August 2012 - Moritz Stoppelkamp wechselte von Hannover 96 an die Grünwalder Straße. Bei den Löwen trägt der 25-Jährige die Nummer 10 - er will Verantwortung übernehmen.

Rund zweieinhalb Monate ist Moritz Stoppelkamp inzwischen bei den Löwen. Neben den beiden Trainingslagern standen zahlreiche Testspiele auf dem Programm. Anfang August startete der offensive Mittelfeldspieler mit seinem neuen Klub in die Spielzeit 2012/2013. Viel Zeit, um die Stadt kennenzulernen, hatte er deshalb noch nicht. „Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir sehr gut", erzählt der „Zuagroaste". Dass er bisher nicht öfter auf dem Marienplatz oder in den Biergärten der bayerischen Landeshauptstadt war, stört den gebürtigen Duisburger allerdings nicht.
Ich bin hierhergekommen, um Fußball zu spielen", und um Stammspieler zu werden. Deshalb fiel seine Wahl auf die Nummer 10. „Das war wichtig für mich. Früher hatte ich die 7. Die ist ja vergeben, also hatte ich die Wahl zwischen der 9 und 10. Und ein Neuner, ein klassischer Stürmer, bin ich nicht." Die Bedeutung der Nummer ist ihm durchaus bewusst, aber „dieser Verantwortung will ich mich stellen".
Seinen Anspruch, in der Startelf von Reiner Maurer zu stehen, untermauert er mit seinen Trainingsleistungen: „Ich gebe immer Vollgas." Das zahlte sich bisher für „Stoppel" aus. So absolvierte er nicht nur alle 14 Testspiele in der Vorbereitung, sondern stand auch in den vier Pflichtspielen immer von Beginn auf dem Platz.
Mit sieben Toren belegte er in der Rangliste der Testspiel-Torjäger Platz 2. Im DFB-Pokalspiel erzielte die Nummer 10 zudem sein erstes Pflichtspieltor, bereitete beim 6:0 gegen den FC Hennef zwei weitere Treffer vor. „Das war wichtig und ist natürlich gut für das Selbstbewusstsein", sagt er, gibt sich damit allerdings noch nicht zufrieden: „Man sollte das nicht überbewerten, denn es war ein relativ niederklassiger Gegner. Ich habe Luft nach oben", so seine realistische Selbsteinschätzung. Auch die Mannschaft hat ihr komplettes Leistungsvermögen noch nicht erreicht. „Man hat gemerkt, dass ein neu formiertes Team auf dem Platz steht", analysierte Chefcoach Maurer: „Der unbedingte Wille war da. Aber gegen den Jahn waren wir noch auf der Suche nach dem Rhythmus. Die Verbindung zwischen Abwehr und Angriff fehlte uns."
Moritz Stoppelkamp, der auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kam, sah das ähnlich: „Das war noch ungewohnt." In den drei folgenden Spielen durfte er auf „seiner" Position hinter den Spitzen ran. Im schweren Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden gelang es ihm dennoch kaum, Akzente in der Offensive zu setzen. Trainer Maurer lobte ihn trotzdem: „Moritz hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und sehr viel defensiv gearbeitet." Der 52-Jährige schätzt diese Qualität und weiß: „Er ist läuferisch sehr stark und offensiv flexibel einsetzbar."
Selbstverständlich ist ihm als Offensivkraft bewusst, dass er an Toren und Vorlagen gemessen wird: „Wenn man rechts spielt, kann man eher als Vorbereiter glänzen. Natürlich will ich auch selbst treffen. Ich habe mir keine bestimmte Anzahl von Toren vorgenommen." Das heißt nicht, dass es ihm an sportlichem Ehrgeiz mangelt - vielmehr ist es ehrlich.
Genau dieser Charakterzug war für seinen Abschied aus Hannover verantwortlich. "Bei 96 habe ich nicht die Rolle gespielt, die ich gerne gehabt hätte", begründet er seine Entscheidung. Nachdem der offensive Mittelfeldakteur nicht mehr regelmäßig von Beginn an zum Einsatz kam, entschloss er sich nach 43 Partien in der Ersten Liga, fünf Auftritten in der Europa League und drei Spielen im DFB-Pokal(2 Tore), zu gehen: „Sie hätten mich gerne behalten. Deshalb bin ich froh, dass mir 96 keine Steine in den Weg gelegt hat."
Der Wechsel von der Ersten in die Zweite Liga sieht er positiv. „So ist das im Fußball. Manchmal ist ein Schritt zurück der bessere Weg." Dieser führte nach Stationen beim MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Essen, Rot-Weiß Erfurt und Rot-Weiß Oberhausen über Hannover zu den Weiß Blauen. Erstmals die Fußballschuhe schnürte der Junge aus dem Ruhrpott bei Viktoria Buchholz in seiner Heimat Duisburg. Die Stadt an der Wedau ist für ihn die Schönste, „schließlich bin ich da geboren", fügt er mit einem Grinsen hinzu.
Ebendort lernte er auch Necat Aygün kennen, der in der Saison 2006/2007 für die Zebras kickte. Der Innenverteidiger der Löwen zog im ersten Trainingslager in Oberstaufen direkt mit ihm aufs Zimmer und wird es sich auch in Zukunft mit ihm teilen. Aber nicht nur der 32-Jährige, sondern „alle haben mir den Einstieg hier leicht gemacht". Umgekehrt bestätigte Daniel Halfar erst kürzlich: „Das Team passt einfach". Die Neuzugänge sind beim TSV 1860 also bestens integriert.
Auch privat ist Stoppel in München angekommen. Ganz in der Nähe des Trainingsgeländes hat er eine Wohnung gefunden. „Das ist super praktisch, denn ich kann zum Training laufen." Einziger Wermutstropfen: Freundin Ina kommt zunächst nicht mit. Sie studiert derzeit Medienwissenschaften in Hannover und wird hin- und herpendeln. „Aber mit dem Flieger ist es ja nur knapp eine Stunde", gibt er sich gewohnt optimistisch.
Alles in allem also beste Voraussetzungen. „Ich bin hierhergekommen, um anzugreifen. Mit meinen Leistungen möchte ich voran gehen und somit meinen Beitrag leisten, um die Ziele des Vereins zu erreichen." Heute geht es gegen seinen Heimatverein, den MSV Duisburg - auch dann! Er ist eben schon ein echter Löwe.