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Grzegorz Wojtkowiak: In die Herzen der Fans katapultiert

Grzegorz Wojtkowiak
Der polnische Nationalspieler Grzegorz Wojtkowiak hat mit den Löwen noch große Ziele.

Die weiten Einwürfe von Grzegorz Wojtkowiak haben bereits Kultstatus. Doch der Verteidiger kann mehr. Seine Ziele sind der Aufstieg mit den Löwen und die WM-Qualifikation mit Polen.

Als ersten Neuzugang präsentierten die Löwen bereits Ende April Grzegorz Wojtkowiak. Kontakte gab es allerdings schon in der Winterpause. Nach den ersten Gesprächen mit Sportchef Florian Hinterberger und Cheftrainer Reiner Maurer stand für den 28-Jährigen der Wechsel fest. „Das habe ich schon damals entschieden. Ich fühlte mich reif fürs Ausland und wollte nicht pokern", erzählt der dunkelhaarige Verteidiger.

WojtkowiakDass er dennoch ein „Pokerface" besitzt, zeigt Wojtkowiak auf dem Spielfeld. Der sonst so freundliche und strahlende Gesichtsausdruck des Familienvaters, der auch mal einen lockeren Spruch auf Lager hat, weicht aus seiner Miene. Auf dem Platz ist er hochkonzentriert. So lässt die Nummer 3 der Löwen seine Gegenspieler spüren, was sein einziges Ziel ist: „An mir kommst Du nicht vorbei." Diese Eigenschaft gefällt auch Hinterberger: „Er ist zu hundert Prozent Profi, tritt schnörkellos auf und arbeitet defensiv sehr gut."

Neben seinen soliden Leistungen als Verteidiger schaltet sich der polnische Nationalspieler zudem in die Offensive ein. Beim Saisonauftakt gegen Jahn Regensburg ging der 1,84 Meter große und kopfballstarke Abwehrspieler mit nach vorne und erzielte nach einem Standard das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg - selbstverständlich per Kopf. Aber auch als Vorlagengeber machte er auf sich aufmerksam. Im zweiten Heimspiel, beim 3:0-Erfolg über den MSV Duisburg, legte Wojtkowiak das 1:0 von Kapitän Benny Lauth auf.

Für Gefahr im Strafraum sorgt der Neu-Löwe auch mit seinen „Kanonen-Einwürfen", die wie Flanken mit den Händen seien, wie es die Bild-Zeitung nach dem ersten Spiel beschrieb. Das blieb auch dem weiß-blauen Anhang auf den Rängen nicht verborgen. Während sich andere Spieler mit sehenswerten Dribblings in die Herzen der Fans spielen, schaffte es Wojtkowiak mit ein paar Würfen, die Nordkurve für sich zu gewinnen. Seither begleiten die Fans die Einwürfe des Spezialisten lautstark von dem Zeitpunkt an, wo er sich bereit macht, jeden Muskel seines Körpers anspannt, um den Ball anschließend wie aus einer Schleuder auf das Spielfeld zu katapultieren. Parallel dazu startet eine Laola von den Rängen. „So etwas ist neu für mich", erzählt Wojtkowiak überwältigt. „Es pusht mich aber noch mehr. Nicht nur bei den Einwürfen, sondern insgesamt. Die Stimmung der Fans motiviert unglaublich."

Doch auch die andere Seite der Medaille lernte der von Lech Posen gekommene Verteidiger bereits kennen. Beim 2:2 in Dresden landete ein Klärungsversuch nicht im Tor-Aus, sondern im eigenen Netz. Diese Unaufmerksamkeit, die ungewöhnlich für den stets hoch engagierten und konzentrierten Polen war, brachte ihm einige Kritik ein. Trainer Maurer hatte den Grund dafür schnell ausgemacht: „Grzegorz war da nicht hundertprozentig bei der Sache. Er hatte im Hinterkopf, dass er sich nur kurze Zeit später bei einem Länderspiel und beim neuen Nationaltrainer beweisen muss."

Die Partie in Dresden fand nur zwei Tage vor dem ersten Spiel Polens unter dem neuen Trainer Waldemar Fornalik statt, der nach dem frühen Ausscheiden bei der EM im eigenen Land die Nachfolge von Franciszek Smuda antrat. Und Wojtkowiak erhoffte sich unter Fornalik die Einsatzchance, die er bei der Euro 2012 nicht bekommen hatte. Doch auch unter dem Neuen blieb im Freundschaftsspiel und den zwei Qualifikationsspielen für die WM 2014 nur der Platz auf der Bank. „Vor mir steht mit Lucasz Piszczek ein sehr guter Spieler", weiß er seine Situation realistisch einzuschätzen. Dennoch blickt er positiv in die Zukunft beim Nationalteam: „Der Trainer hat mir gesagt, dass ich meine Chance bekommen werde, und die Qualifikation ist lang. In Brasilien dabei zu sein, wäre nach dem frühen Ausscheiden bei der EM im eigenen Land sehr wichtig. Dafür haben wir uns eine gute Ausgangslage geschaffen."

Motivation mit deutschen Songs

Momentan gilt Wojtkowiaks volle Konzentration jedoch den Löwen: „Der Start war okay. Aber man merkt, dass wir viele Neuzugänge haben. Wir müssen unseren Spielrhythmus finden. Aber es wird von Spiel zu Spiel besser." Als Beispiel führt er das Zusammenspiel mit Marin Tomasov auf der rechten Seite an. Mit dem Kroaten versteht er sich auch abseits des Platzes bestens. Sie teilen sich ein Zimmer im Mannschaftshotel: „Dort üben wir dann Deutsch", verrät er, „schauen deutsches Fernsehen und übersetzen uns gegenseitig."

Dass er die Sprache schon richtig gut versteht, freut auch den Trainer. „Das erleichtert die Integration und das Einleben in München", lobt Maurer. Das kann der Spieler nur bestätigen. „Meine Familie und ich fühlen uns immer wohler. Wir haben eine Wohnung gefunden und erkunden nach und nach die Stadt, den Englischen Garten, die Isar, den Zoo. Ich mag es, dass es hier so viele grüne Plätze gibt", so der Familienvater. Wenn er nicht mit Ehefrau Magda und Tochter Lena unterwegs ist, trifft man den HipHop-Fan ab und zu beim Basketball spielen oder mit einem Kopfhörer auf den Ohren. „Musik ist mein Ding. Ich habe auch schon ein paar deutsche Sachen gehört. Damit motiviere ich mich vor den Spielen."

Was er wohl heute vor dem wichtigen Spielen hört? Vielleicht wäre „Stark wie noch nie" der passende Titel zur Einstimmung...

Statistische Daten zu Grzegorz Wojtkowiak

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