07.06.2011
Hasan Ismaik beendete die über 60 Minuten andauernde Pressekonferenz mit einem Vergleich aus dem Tierreich: „Löwen schlafen ja bekannter weise sehr lange, aber wenn sie wach sind, dann sind sie unbesiegbar. Die Löwen von 1860 haben jetzt lange genug geschlafen ..."
Der 34-jährige Ismaik präsentierte sich eloquent und unterhaltsam den Medienvertreter in der Eventbox 3 der Allianz Arena, begleitet von Hamada Iraki, der das Invest bei den Löwen eingefädelt hatte. Schnell räumte er mit den Ängsten der Fans auf, der TSV 1860 sei für ihn nur ein Mittel zur Gewinnmaximierung. „Jeder weiß, dass man im Fußball kein Geld verdienen kann. Sollte das Investment bei 1860 wirklich mal Geld abwerfen, dann werde ich es in die Mannschaft und in die Infrastruktur des Klubs reinvestieren."
Ismaik sieht in dem Investment bei den Löwen eher ein Mittel, seine Geschäfte in Europa und speziell in Deutschland zu forcieren. Ums Tagesgeschäft des Klubs möchte sich der studierte Betriebswirt keinesfalls kümmern, wenngleich er viele Ideen hat und sein Know-how mit einbringen möchte. So sei er mit zwei Hauptsponsoren in aussichtsreichen Verhandlungen. „Wir sind kurz davor, einen Abschluss zu erzielen", erklärt er.
Der in Kuwait geborene Ismaik ging in Saudi Arabien zur Schule, studierte in Jordanien und erzielte sein Vermögen in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Immobiliengeschäften. Dort in Abu Dhabi hat er seinen Hauptwohnsitz. Doch auch in München möchte er sich demnächst eine Penthouse-Wohnung oder ein Haus suchen. Seit 2001, als er erstmals Deutschland besuchte, schwärmt er für dieses Land. „Die Infrastruktur, die medizinische Versorgung und die Landschaft haben mich sofort fasziniert. Deutschland ist ein großartiges Land, es spielt eine wichtige Rolle in der Welt. Als Investor kommt man an Deutschland nicht vorbei."
1860-Präsident Dieter Schneider hatte sich zu Beginn der Pressekonferenz bei allen bedankt, die es überhaupt erst ermöglichten, „eine neue Perspektive für den TSV 1860 aufzubauen". In diesem Zusammenhang wollte er von Hasan Ismaik auch nicht mehr als Investor sprechen. „Seit seiner Unterschrift sind wir Partner in der KGaA." Besonders bedankte sich der 64-jährige Präsident für das Entgegenkommen in den Verhandlungen, besonders, als eine Finanzierungslücke von 5 Millionen Euro auftauchte. „Zu keinem Zeitpunkt ist der Eindruck entstanden, dass einer den anderen übervorteilen wollte." Im Gegenteil: Ismaik und sein Vertreter Iraki hätten mit „Fairness und Verständnis" reagiert.
Diese Lücke führte dazu, dass Isamik neben den 49 Prozent stimmberechtigten Anteilen rein rechnerisch weitere 20 Prozent ohne Stimmrecht zugestanden hätten. „Wir haben uns dann auf 11 Prozent nicht stimmberechtigte Anteile für die zusätzlichen 5 Millionen Euro geeinigt." In diesem Zusammenhang lobte Schneider auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). „Im Rahmen der 50+1-Regelung war sie sehr kooperativ, sonst wäre der Vertrag in der Kürze der Zeit nicht zustande gekommen."
Die erste Kontaktaufnahme zwischen Ismaiks Vertreter Iraki und dem TSV 1860 fand am 21. März 2011 statt. „Zwei Monate später war der fertige Vertrag unterschrieben", erklärte Schneider. Trotzdem werde man den begonnen Kurs der finanziellen Konsolidierung fortsetzen, was auch im Interesse von Partner Ismaik ist. „Wir haben ein gemeinsames Ziel: In Zukunft sollen keine finanzielle Löcher mehr entstehen und irgendwann wollen wir in der Ersten Liga spielen." Als Zeitraum nannte er drei Jahre.
Auf die Frage, wo er den TSV 1860 München in zehn Jahren sähe, antwortete der Araber mit sehr viel Humor. „Am liebsten dort, wo Barcelona im Moment steht. Davon zu träumen ist legitim", sagte er mit einem breiten Grinsen. Sein Investment im deutschen Fußball sei nur der Anfang. „Weitere werden folgen", sagte er, „mich haben schon einige deswegen angerufen." Für ihn soll es aber das einzige im Fußball bleiben. „Ich schaue mich jedoch in anderen Bereichen um."
Auch bei den Personalplanungen möchte sich Ismaik nicht in das Tagesgeschäft einmischen. Er und Schneider sind sich aber grundsätzlich einig, noch einen Finanzfachmann in die Geschäftsführung zu holen. Iraki, wie es in den Medien bereits kolportiert wurde, wird es nicht sein. „Ich bin für eine Bank tätig", sagte der 38-Jährige, „da werde ich auch bleiben. Vorstellen könnte ich mir einen Sitz im Aufsichtsrat, mehr aber nicht. Gerne stehe ich aber Hasan und Herrn Schneider beratend zu Seite."
Die Partnerschaft ist unter Dach und Fach, nun soll sie mit Leben gefüllt werden. Dazu gehört auch, dass Ismaik die Spieler kennenlernt. Auf die Frage eines Reporters, wen er aus der Mannschaft namentlich benennen kann, antwortete er schlagfertig. „Entschuldigung, aber ich habe ein Problem, mir Namen zu merken." Mit einem Lachen und dem Daumen nach oben unterstrich er diese Aussage. „Fußball ist einfach eine Leidenschaft von mir. Ich schaue mir gerne Spiele an."