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Löwen-Zeugwart Wolfi Fendt feiert 60. Geburtstag

Volland, Aigner, Fendt
Kevin Volland und Stefan Aigner begraben Wolfgang Fendt beim Torjubel unter sich.

Nun ist er auch vom Alter her ein richtiger Sechzger: Zeugwart Wolfgang Fendt feiert am 30. Juni 2012 in seinem Heimatort Altenmünster bei Zusmarshausen seinen 60. Geburtstag. Den Freudentag hat „Wolfi" gleich mit der Einweihungsfeier seines neuen Hauses gekoppelt, zu der er auch die Mannschaft eingeladen hat.


Begonnen hat Wolfgang Fendt bei den Löwen nicht als Zeugwart, sondern als Fahrer des Mannschaftsbusses. Erst seit 2000 lässt er sich vorwiegend fahren, kümmert sich um die Belange rund ums Profiteam. 20 Jahre lang arbeitete Wolfgang Fendt für die Reisekutsche Gruber. Zuvor war er zwölf Jahre lang Soldat bei der Bundeswehr.

FendtEine Karriere als Zeugwart eines Bundesligavereins schien zunächst undenkbar, obwohl die Nähe zum Fußball schon früh gegeben war. Acht Jahre lang war Fendt Fußballabteilungsleiter beim SC Altenmünster. Unter seiner Leitung stieg der Verein aus der B-Klasse bis in die Bezirksoberliga auf. Leo Bunk, in den 80er-Jahren Spieler bei den Löwen, trainierte zwei Jahre Fendts SCA. „Fußball war immer schon mein Hobby gewesen. Jetzt habe ich es zu meinem Beruf gemacht", erzählt er voller stolz.

Unter Trainer Werner Lorant kam Berufsfahrer Fendt zu seiner neuen Aufgabe. „Hugo Hackl, der damalige Zeugwart, war schwer erkrankt. Also haben sie im Verein Verstärkung gesucht. Bei einem Trainingslager kam Lorant schließlich auf mich zu, fragte, ob ich das machen will. Ich habe sofort zugesagt."

Zunächst musste er sich unterordnen, denn Hackl hatte Kultstatus bei den Löwen. Als der rührige Zeugwart 2004 nach schwerer Krankheit verstarb, übernahm Fendt die alleinige Verantwortung. Dabei achtet er besonders auf die Disziplin der Spieler: „Ordnung muss sein. Wenn etwas einmal nicht passt, kann ich auch richtig sauer werden." Verständlich, schließlich muss mehrmals am Tag die richtige Trainingsbekleidung parat liegen. Doch die Mannschaft zieht mit.

Schließlich wissen die Spieler, was sie an ihrem Zeugwart haben. Selbst in ausweglosen Situationen ist auf Fendt Verlass: 2001 hatte Trainer Peter Pacult Tomas Votava kurzfristig für das Auswärtsspiel in Freiburg nachnominiert. „Ich wusste nicht Bescheid, am Morgen des Spieltags stellten wir fest, dass sein Trikot fehlte. Wir mussten also kurzfristig handeln!" In Offenburg gab es das einzige Geschäft in der Gegend, das Trikots des TSV 1860 verkaufte.

Ein Bekannter des Zeugwarts des SC Freiburg besorgte dort zwei Stück. Mit dem Polizeimotorrad wurden die Hemden ins Dreisamstadion gebracht. Dort war alles vorbereitet. „Aus Beflockungsmaterialien habe ich den Namen und die Nummer für Tomas mit der Hand ausgeschnitten, eine Viertelstunde vor Spielbeginn war das Trikot fertig." Von der Mannschaft war niemand eingeweiht gewesen. Tomas wunderte sich nur, weshalb das Hemd so warm war. „Erst nach dem Spiel klärte ich ihn auf. Das Trikot ist immer noch in meinem Besitz", erzählt Fendt lachend.

Aber auch sonst gab es in seiner Laufbahn als Zeugwart viele, zum Teil „umwerfende" Szenen. Beim 2:1-Sieg am 26. November 2011 über Eintracht Frankfurt steuerten Kevin Volland und Stefan Aigner nach dem 2:0 so ungestüm auf Fendt zu, dass dieser sich nicht mehr halten konnte, plötzlich am Spielfeldrand unter den beiden Spielern lag.

berki und Wolfi
Zeig her, was du auf deienem T-Shirt stehen hast! Wolfgang Fendt (li.) und Torschütze Berkant Göktan.

Wolfi

Doch die bekannteste Szene ist die vom 12. August 2007. In der 16. Minute brachte Berkant Göktan die Löwen beim FC Augsburg per Freistoß mit 1:0 in Führung, nachdem in der Saison zuvor beide Partien gegen die Fuggerstädter mit 0:3 verloren worden waren. Göktan lief nach seinem Treffer sofort auf Wolfi zu, der sein Sweatshirt lupfte. Darauf stand: „I like Berki". Fendt hatte vor dem Spiel zu dem Stürmer gesagt: „Wenn du ein Tor schießt, zeige ich dir, was auf meinem T-Shirt steht." Gesagt, getan!

Martin Bernhard, der Fendt als Zeugwart unterstützt, kennt ihn seit über 30 Jahren. Beide sind früherzusammen Bus gefahren. Bei den Löwen arbeiten seit acht Jahren „eng und sehr vertrauensvoll" zusammen, wie Bernhard erklärt. „Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist schon etwas ganz Besonders", betont sein Wegbegleiter. So soll's natürlich auch weitergehen, speziell zum Geburtstag wünscht er ihm deshalb „das Wichtigste: Gesundheit".

Necat Aygün, der auch schon zum Löwen-Inventar gehört, kennt Wolfi Fendt „bereits seit zwölf oder 13 Jahren. Er hat uns schon in der A-Jugend zu den Spielen gefahren". Der Münchner und seine Kollegen wünschen ihm zu seinem Jubeltag „alles erdenklich Gute, Gesundheit und eine glückliche und zufriedene Zukunft in seinem neuen Heim". Natürlich werden einige Spieler am Samstag ihm in Altenmünster ihre Aufwartung machen.

Einer ist mit Sicherheit bei der Geburtstagsfeier dabei: Reiner Maurer. Der Trainer kennt den Zeugwart schon „eine gefühlte Ewigkeit. Er wird froh sein, dass er 60 ist, damit er endlich als echter Sechzger gilt. Ich hoffe, er bleibt uns möglichst lange erhalten", sagt der Allgäuer mit einem Augenzwinkern.

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