07.09.2011

Die Löwen-U23 wurde ihrem Ruf als Angstgegner von Hessen Kassel einmal mehr gerecht. Gegen die Nordhessen gelang beim 1:1 sowohl der erste Heimpunkt als auch das erste Tor im Grünwalder Stadion. Dennis Wehrendt hatte die Gäste nach der Pause in Führung gebracht (52.), Dennis Malura gelang in der 67. Minute der vielumjubelte Ausgleich.
Personal: Cheftrainer Klaus Koschlick musste im Spiel auf das rotgesperrte Trio Marius Willsch, Markus Ziereis und Christoph Dinkelbach verzichten. Dazu fehlte Andreas Geipl, der nach Magen-/Darmprobleme noch Trainingsrückstand hatte sowie Daniel Hofstetter, der nach seiner Verletzung tags zuvor erstmals eine Halbzeit beim Test der Profis gegen Aichach spielte. Aus dem Profikader kamen Dennis Malura und Jonatan Kotzke zum Einsatz.
Spielverlauf: Die Löwen-Reserve begann verhalten, versuchte die Räume eng zu machen, wobei die Verunsicherung in einigen Szenen zu spüren war. Der erste Schuss aufs Tor gab Christopher Nguyen in der 9. Minute aus 22 Meter ab, doch Vitus Eicher hatte damit keine Probleme. Eine Riesenchance besaßen drei Minuten später die Sechzger. Benjamin Penzkofer hatte nach rechts rausgelegt auf Dennis Malura, der ging fast bis zur Grundlinie, flankte dann flach nach hinten auf Gökhan Gümüssu, der aber den aufspringenden Ball zehn Meter vorm Tor nicht unter Kontrolle brachte, so dass die Defensive der Hessen klären konnte (12.). Dann passierten zwei Szenen, die derzeit typisch für die Löwen-U23 sind. Erst foulte Malura unnötigerweise sieben Meter vorm Strafraum Rene Ochs. Den Freistoß setzte der Gefoulte in die Mauer, den Nachschuss wehrte Eicher völlig unmotiviert mit den Fäusten gegen den nachsetzenden Ochs auf die Seite ab. Der war als erster am Leder, Eicher hechtete nach dem Spielgerät, zog ihm dabei die Beine weg. Elfmeter! Andreas Mayer lief an, zielte halbhoch ins rechte Eck, doch der Löwen-Keeper war zur Stelle, hielt den Strafstoß (16.). In der 26. Minute tanzte Kodjovi Koussou auf der rechten Strafraumseite zwei Gegenspieler aus, konnte aber vom dritten Kasseler am Torraum auf Kosten einer Ecke gerade noch gebremst werden. Auch die nächste Chance gehörte den Weiß-Blauen. Maximilian Knuth attackierte am gegnerischen Strafraum, konnte dabei einen Passversuch der Hessen blocken, der Ball kam halbrechts zu Daniel Jais, der sofort aus 20 Metern abzog, aber links neben den Pfosten zielte (34.). Zwei Minuten später noch eine bessere Chance für den A-Junior. Gümüssu hatte ihm rechts das Leder in den Lauf gespielt, mit einem Lupfer von der Strafraumgrenze wollte er Torhüter Sven Hoffmeister überwinden, doch er traf den Ball zu tief, der so weit über den Querbalken ging (36.). Auf der Gegenseite setzte Mayer einen Freistoß aus 22 Metern nur knapp neben den linken Pfosten (38.). In der 40. Minute hätte Schiedsrichter Robert Kempter eigentlich Sebastian Gundelach die Rote Karte zeigen müssen, als er den durchgebrochenen Gümüssu als letzter Mann von hinten am Trikot festhielt. Doch der Unparteiische zückte lediglich Gelb. Den fälligen Freistoß setzte dann Benjamin Penzkofer aus 20 Metern an den rechten Pfosten (41.). Unterm Strich wäre eine Führung zur Pause aufgrund des Chancenplus für die Sechziger verdient gewesen, die nach anfänglichen Problemen immer besser in die Partie fanden
Mayer besaß nach Wiederanpfiff die Großchance für Kassel zur Führung. Ein Eckball durch Gundelach von der rechten Seite ging an Freund und Feind vorbei quer durch den Torraum, landete anschließend bei dem Kasseler Stürmer. Dessen Zehn-Meter-Schuss landete aber neben dem linken Pfosten im Tor-Aus (50.). Eine Minute später kam Dennis Wehrendt aus neun Metern zum Kopfball, das Leder klatschte jedoch an den rechten Außenpfosten. Wiederum eine Minute später war der Kasseler Mittelfeldspieler dann erfolgreich. Nach einem Pass von Enrico Gaede in die Tiefe tauchte er halbrechts alleine vor Eicher im Strafraum auf, versenkte den Ball aus zwölf Metern zum 1:0 für die Hessen (52.). Aber auch die Sechziger kamen zu Möglichkeiten. In der 54. Minute hatte Malura von der rechten Seite an den zweiten Pfosten geflankt, Knuth setzte aus sieben Metern zum Kopfball an, aber das Leder landete genau in den Armen des KSV- Keepers. Auf der Gegenseite war es Gaede, der halblinks im Strafraum ungehindert zum Schuss kam, aber den Ball nicht richtig traf, so dass Eicher parieren konnte (60.). In der 67. Minute gelang den Löwen das erste Heimtor in dieser Saison. Koussou blieb im Mittelfeld mit einem Dribbling hängen, das Leder kam zu Gümüssu, der sofort einen Diagonalpass in die Tiefe auf den gestarteten Malura spielte. Dieser tauchte halbrechts alleine vor Hoffmeister auf, traf aus 13 Metern flach zum 1:1 ins lange Eck. Beinahe wäre Malura in der 79. Minute sogar das 2:1 gelungen. Nach einem schönen Pass von Penzkofer tauchte er halbrechts am Strafraum auf, bei seinem Schussversuch konnte ihn ein Kasseler noch entscheidend hindern, so dass der Ball knapp über den Querbalken rauschte. Ein Drehschuss des eingewechselten Nico Karger aus neun Metern landete fünf Minuten später genau in den Armen von Hoffmeister (84.). Kurz vor Schluss konterten die Gäste nochmals über die rechte Seite. Die Flanke von Nguyen streifte der eingewechselte Nazif Hajdarovic aus sechs Metern nur mit dem Kopf, so dass der Ball neben dem Tor landete (89.). Kurz danach war Schluss und der erste Heimpunkt nach zuletzt deftigen Niederlagen unter Dach und Fach.
„Kassel ist mein Lieblingsgegner", sagte Trainer Klaus Koschlick mit einem süffisanten Lächeln. „Ich freue mich besonders für die Mannschaft, dieser Punkt ist gut für die Moral und fürs Selbstvertrauen. Wir haben enorm viel investiert und uns dafür mit dem Unentschieden belohnt." Besonders die ersten 45 Minuten hatten dem 61-jährigen Fußball-Lehrer gefallen. „Da haben wir wenig zugelassen, hatten die Mehrzahl an Torchancen. In der 2. Halbzeit hat sich das etwas gedreht. Insgesamt war es ein ordentliches Regionalliga-Spiel. Mit dem Punkt bin ich zufrieden."
Das klang bei Christian Hock, dem Coach des KSV Hessen Kassel, etwa anders. „Wir haben Sechzig beobachtet und wussten, dass sie die Punkte nicht her schenken werden. Uns war klar, dass es keine einfache Aufgabe wird." Sein Team sei gut ins Spiel gekommen, hätte dann aber die Chance zur Führung durch den Elfmeter leichtfertig vergeben. „Das 1:0 nach dem schönen Pass von Enrico Gaede durch Dennis Wehrendt war zu diesem Zeitpunkt verdient. Gaede hatte danach noch eine hundertprozentige Chance, wo er das 2:0 machen muss", weshalb Hock auch von zwei verlorenen Punkten sprach. „Wenn Sechzig so wie gegen uns spielt - wobei ich gehört habe, dass sie das immer machen - werden sie auch wieder Spiele gewinnen. Es war eine Partie mit hohem Tempo auf beiden Seiten."