24.09.2012

Das „Duell der Löwen" ist für 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer ein ganz besonders Spiel. Es geht gegen seinen Heimatverein Eintracht Braunschweig.
Die Vorfreude ist ihm anzusehen. Bereits Anfang der Woche sitzt Robert Schäfer in seinem Büro und beginnt zu strahlen, wenn man ihn auf das Spiel gegen die Eintracht anspricht. Zum Gastspiel der Löwen aus Braunschweig erwartet der gebürtige Niedersachse nicht nur den Klub aus seiner Heimat, sondern eine ganze Menge Freunde in der Allianz Arena. „Einer meiner besten Kumpels aus der Schulzeit kommt mit seiner Frau und seinen Kindern. Und Femi wird im Stadion sein." Femi Smith, ist nicht nur ein ehemaliger Kollege aus der Zeit beim ehemaligen 1860-Vermarkter IMG, sondern auch „Schlag den Raab-Gewinner" und einer der besten Freunde von Schäfer. Da das Spiel auf den ersten Wiesn-Sonntag fällt, bietet sich ein Besuch in München natürlich doppelt an.
Für Robert Schäfer steht natürlich das Spiel gegen den Traditionsklub im Fokus. Als „Münchner Löwe" hat er natürlich nur einen Wunsch: Weiterhin ungeschlagen bleiben - ein Heimsieg gegen den bisher punktverlustlosen Tabellenersten wäre für den 36-Jährigen, der nicht gerne verliert, schon gar nicht gegen seinen Heimatverein, eine Bestätigung für die „harte Arbeit", die er Tag für Tag gemeinsam mit seinem Team - dazu gehört natürlich auch die sportliche Führung mit Florian Hinterberger, Reiner Maurer - leistet.
„Braunschweig hat eine tolle Entwicklung genommen. Die kann auch gerne so weitergehen, nur nicht heute, wenn sie bei uns zu Gast sind", sagt Schäfer. Schließlich entdeckte er bei diesem Klub seine Liebe zum Fußball: „Mitte der Achtziger-Jahre war ich das erste Mal mit meinem Vater im Eintracht Stadion." Besonders in Erinnerung ist ihm das Nordderby gegen den HSV mit Horst Hrubesch. Der Klub durchlebte dann allerdings auch andere Zeiten. Die „fußballverrückte Stadt", wie Schäfer seine Heimat bezeichnet, musste nicht nur den Abstieg aus dem Oberhaus verkraften, sondern wurde gar in die Oberliga bzw. Regionalliga Nord durchgereicht.
Robert Schäfer, der in Braunschweigs Umgebung aufwuchs und beim VfR Weddel erstmals selbst die Stollenschuhe schnürte, verfolgte das Schicksal der Blau-Gelben natürlich weiterhin. Nach dem Abitur im Alter von 19 Jahren folgte er allerdings erstmals dem Ratschlag seiner Eltern, „möglichst weit weg" seinen eigenen Weg zu gehen. Via ZVS, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, kam er zum Jurastudium nach Trier. Das erste Jahr an der Universität war „nicht einfach", erinnert sich der 36-Jährige. „Ich hatte bis dahin keinen Schein in der Hand. Und mein Vater zeigte mir die beiden Möglichkeiten auf: Durchsetzen oder scheitern." Diese Zeit prägte ihn als Kämpfertyp.
Schäfer gab nicht auf, sondern biss sich durch: Nach nur acht Semestern machte er den „Freischuss", hatte das erste Staatsexamen in der Tasche. Im Anschluss daran sammelte der Jura-Student Praxiserfahrung. Dabei war ihm wichtig, seine Leidenschaft Fußball und den Beruf zu verbinden. So heuerte er in der Meistersaison 2001/2002 für ein Praktikum beim BVB an und bekam einen Eindruck für die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen in einem Fußballklub.
Im Anschluss daran absolvierte Schäfer in Köln erst einmal sein zweites Staatsexamen. Dennoch zog es den Volljurist nicht in einen rechtswissenschaftlichen Beruf, vielmehr wollte er zurück in den Sport. Als Trainee einer PR-Agentur gelang erneut der Einstieg: „Meine Aufgabe war es, Sponsorenrechte ins rechte Licht zu rücken", erzählt der Löwen-Geschäftsführer. „Unvergessen ist ein Interview mit Ronaldo, das die Agentur für ein großes Telekommunikationsunternehmen geführt hat." Direkt danach verschlug es Schäfer erstmals an die Grünwalder Straße.
Im Sales-Team von IMG lernte er den Münchner Traditionsklub kennen und lieben. Über eine Zwischenstation im Vermarktungsteam von IMG für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz kehrte er als Projektleiter zurück zu den Löwen. „Was ich in den ersten Monaten nach der Rückkehr hier erlebte, beeinflusst mich bis heute", erklärt Schäfer. „Mein Job war es, diesen Verein bestens nach außen zu verkaufen. Oft war es nicht einfach, die ganzen Ereignisse gegenüber Partnern und Fans zu erklären. Mir wurde klar, welchen Schaden es anrichten kann, wenn Auseinandersetzungen öffentlich ausgetragen werden."
Was bis zu seinem Amtsantritt im November 2010 alles passierte, ist bekannt: Führungswechsel und Misswirtschaft, die letztlich im Punktabzug gipfelten. „Dieter Schneider fragte mich damals, ob ich mir vorstellen kann, den Job als Geschäftsführer zu übernehmen. Er war einer meiner ersten Kunden im Jahr 2005, und ich hatte großes Vertrauen, dass wir das zusammen schaffen können", erzählt er rückblickend. Trotz der katastrophalen Ausgangslage nahm der damals 34-Jährige an. Die Situation erinnerte ein bisschen an sein erstes Semester - durchsetzen oder scheitern...
Robert Schäfer trat an und wollte beweisen, dass auf Sechzig kein böses Schicksal liegt und der Verein nicht zum Scheitern verdammt ist. „Ich war immer davon überzeugt, dass es möglich sein muss, den schlafenden Riesen TSV 1860 München zu wecken", sagt Schäfer. Gemeinsam mit Präsident Schneider nahm er sich vor, die Löwen zurück in die Erfolgsspur zu bringen: „Wir werden nie perfekt sein, aber wir werden wieder ein Verein sein, auf den man stolz sein kann."
Seitdem haben Schäfer und sein Team - alle Gremien, die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle und natürlich die Profi-Mannschaft - einiges auf den Weg gebracht. Sein Motto dabei: „Mit Beharrlichkeit und harter Arbeit zum Erfolg." Dabei musste der Geschäftsführer auch unangenehme Entscheidungen treffen. „Das macht man nie gerne und ich hoffe, dass ich solche Entscheidungen auch nie wieder treffen muss. Wenn man aber die positive sportliche Entwicklung in der letzten Zeit, den gestiegenen Zuschauerschnitt und die tolle Stimmung beim Fanfest sieht, kann man festhalten: Man muss etwas vorantreiben, damit man ein Ziel auch erreicht."
An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Denn während Eintracht Braunschweig nach jahrelanger Abstinenz 2011 die Rückkehr in die Bundesliga gelang, befindet sich auch der TSV 1860 wieder auf einem Weg, der nach oben gehen kann. „Es ist kein Zufall, dass Braunschweig jetzt so da steht, sondern das Ergebnis guter Arbeit", meint Schäfer. Für seine Löwen, die Münchner Löwen, hat er die gleichen Maßstäbe angesetzt. „Wir alle haben noch weitere Ziele, an denen wir hart arbeiten. Wenn man mit unseren Fans spricht, spürt man inzwischen wieder das Vertrauen und die Zuversicht." Diese Chance will der Braunschweiger in München nutzen. Damit ihm das Strahlen nicht vergeht, fehlt nur noch ein Sieg im Duell der Löwen.
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