19.06.2012
Die zweite Mannschaft der Löwen befindet sich seit 18. Juni 2012 in der Vorbereitung auf die Saison 2012/2013. Als U21 wird sie in der neuen Regionalliga Bayern spielen. Im Interview mit tsv1860.de erläutert der 40-jährige Wolfgang Schellenberg, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, die Ziele der "kleinen" Löwen und das Konzept, das dahinter steckt.
tsv1860.de Die Reserve der Löwen startet als U21 in die neuformierte Regionalliga Bayern. Sollen in dieser Mannschaft wirklich nur Spieler unter 21 Jahren zum Einsatz kommen?
Wolfgang Schellenberg: Ein Dogma ist es mit Sicherheit nicht! Auch in Zukunft darf ein Spieler älter sein. Für uns ist es eine Richtlinie, an die wir uns weitestgehend halten wollen.
tsv1860.de Im Kader tauchen auch Spieler auf, die noch für die U19 spielberechtigt sind. Welche Philosophie verfolgen Sie genau?
Schellenberg: Es wird so sein, dass wir immer 15 Feldspieler plus zwei Torhüter im Training haben. Der Kader wird sich aus fünf A-Jugendlichen, fünf Spielern im ersten und fünf aus dem zweiten Herrenjahr zusammensetzen. Diese Saison betrachten wir aber noch als Übergangsjahr, weil einige Spieler laufende Verträge besitzen. Wir wollen uns Schritt für Schritt zu dieser internen Vorgabe bewegen.
tsv1860.de Wie muss man sich das in der täglichen Trainingsarbeit vorstellen?
Schellenberg: Dieser Kader - inklusive der A-Jugendlichen - wird zusammen trainieren. Lediglich bei den Spielen kann es Veränderungen geben, je nachdem, wie viele Spieler von den Profis runter kommen. Sind es viele, dann kann der ein oder andere A-Jugendliche aus dem Kader für die U19 auflaufen.
tsv1860.de Kann das die A-Jugend verkraften, Spieler an die U21 abzugeben?
Schellenberg: Das wird man im Laufe der Saison sehen. Aber die A-Jugend geht mit einem relativ großen Kader in die Spielzeit, so dass sie die Möglichkeit hat, den einen oder anderen Spieler hochzuschieben.
tsv1860.de Mit wem aus dem Profikader kann die U21 bei den Spielen als Verstärkung rechnen?
Schellenberg: In erster Linie denke ich an Korbinian Vollmann, Philipp Steinhart und Liridon Vocaj. Möglicherweise auch Vitus Eicher, je nachdem, wie er sich bei den Profis durchsetzen kann, vielleicht auch noch Basti Maier.
tsv1860.de Mit Daniel Jais und Markus Ziereis gehören zwei Spieler fest zum U21-Aufgebot, die bereits letzte Saison regelmäßig mit den Profis trainiert haben. Ist das eine Zurückstufung?
Schellenberg: Keineswegs! Wir wollten mit ihnen bewusst den Schritt über die U21 gehen, haben deshalb mit beiden gesprochen. Nun sollen sie konstant im Herrenbereich Spielpraxis sammeln, regelmäßig mit der Mannschaft trainieren, für die sie auch die Punktspiele bestreiten. In der Vergangenheit mussten die beiden oft zwischen den Mannschaften hin- und herwechseln. Das war sicherlich nicht förderlich für ihre Entwicklung, weil die Trainingssteuerung nicht auf die jeweiligen Spiele ausgerichtet war.

tsv1860.de Die Regionalliga Bayern ist ein neues Konstrukt. Kritiker sehen sie wesentlich schwächer als die bisherige Regionalliga. Wie ist Ihre Einschätzung?
Schellenberg: Ich glaube, dass es keinen großen Unterschied zu der bisherigen Regionalliga gibt. Letztendlich spielen ja weiterhin die Reservemannschaften der Bundesligisten. Dazu kommt Memmingen, die letztes Jahr auch in der Regionalliga gespielt haben. Damit ist die Hälfte der Liga identisch zum Vorjahr. Im Laufe der Saison wird man sehen, wie sich Vereine wie 1860 Rosenheim präsentieren, die eine Top-Mannschaft haben und souverän aufgestiegen sind.
tsv1860.de Sehen Sie ein Problem in der quantitativen Stärke der Regionalliga Bayern?
Schellenberg: Klar ist die Liga mit 20 Vereinen recht groß. Gerade das ist eine besondere Herausforderung für unseren relativ kleinen und jungen Kader. Die Mannschaft muss sich beweisen, konstant spielen und Woche für Woche an ihre Leistungsgrenze gehen. Das wird nicht einfach gegen Mannschaften wie Rosenheim, die gestandene Herrenspieler in ihren Reihen hat. Das werden richtig schwere Spiele für unsere Jungs.
tsv1860.de Dazu kommt wohl, dass der ein oder andere Klub gegen die "kleinen" Löwen besonders motiviert auftreten wird.
Schellenberg: Für Mannschaften wie Heimstetten, Ismaning oder Rosenheim sind die Spiele gegen uns natürlich Highlights. Sie werden nicht nur gegen uns, sondern gegen alle Reserve-Mannschaften der Bundesligisten besonders Gas geben.
tsv1860.de Im neuen U21-Kader finden sich mit Dennis Vatany (FC Memmingen) und den beiden Torhütern Michael Netolitzky (1. FC Nürnberg U19) und Felix Rummel (FT Starnberg 09) nur drei externe Zugänge. Ist das die neue Philosophie, primär auf Eigengewächse zu vertrauen?
Schellenberg: Mit Sicherheit wird es zukünftig die absolute Ausnahme sein, auswärtige Spieler für die U21 zu holen. Wie bei der Kaderzusammensetzung soll dies jedoch kein Dogma sein. Mittelfristig haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass sich der Kader der A-Jugend aus den Spielern rekrutiert, die aus der B-Jugend nachkommen. Entsprechend soll die U21 ausschließlich mit Spielern aus der eigenen A-Jugend verstärkt werden - natürlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Qualität des Jahrgangs. Dabei sehe ich die Saison 2012/2013 als ein "Hinführungsjahr" in diesem Konzept. Man kann nicht auf einen Schlag alles verändern, sondern wir wollen Schritt für Schritt unsere Vorstellungen realisieren.
tsv1860.de Trotzdem haben Sie die Latte mit einem Platz im ersten Tabellendrittel sehr hoch gelegt.
Schellenberg: Das übergeordnete Ziel ist natürlich, Spieler für den Lizenzbereich zu entwickeln. Das steht über dem Tabellenrang. Aber ich glaube auch, dass es zu einer Ausbildung gehört, gewinnen zu wollen und erfolgreich zu spielen. Deswegen habe ich einen Platz im vorderen Mittelfeld, so um Rang acht, als Ziel ausgegeben. Man darf dabei eins nicht vergessen: Wir trainieren mit unserem Kader unter Profibedingungen. Das ist ja bei vielen Vereinen, gerade bei jenen, die aus der Bayernliga hochkommen, nicht gegeben.
tsv1860.de Der Meister der Regionalliga Bayern ermittelt mit den Ersten der Regionalligen Nord, Nordost, West und Südwest sowie dem Zweiten der Südwest-Staffel in ausgelosten Play-Off-Begegnungen anschließend drei Aufsteiger. Wer ist Ihr Favorit in Bayern auf Platz eins?
Schellenberg: Ich denke, dass der FC Bayern der Topfavorit ist. Sie sagen ja selbst, dass sie aufsteigen wollen. Zum weiteren Favoritenkreis gehören sicherlich die Amateurmannschaften der Profiklubs. Nürnberg schätze ich sehr stark ein, dazu muss man sehen, wie sich Ingolstadt aufstellt. Und natürlich die SpVgg Greuther Fürth. Die jeweilige Stärke ist natürlich davon abhängig, wie viel die einzelnen Klubs in ihre Reserveteams investieren.
tsv1860.de Mit Alexander Schmidt als Cheftrainer und Denis Bushuev als Assistenzcoach gibt es für die Löwen-Reserve ein neues Trainergespann. Was sind die Vorzüge der beiden?
Schellenberg: Alex und Denis sind schon sehr lange im Verein, haben bereits im Jugendbereich sowie im Lizenzspielerbereich als Co-Trainer gearbeitet. Zudem besitzen beide die Fußballlehrer-Lizenz. Das sind natürlich beste Voraussetzungen, um erstmals verantwortlich im Herrenbereich zu arbeiten. Sie können hier die Dinge umsetzen, die sie aus dem Jugend- und Profibereich sowie von der Fußballlehrer-Ausbildung mitgenommen haben.