23.09.2012

In einem waren sich die beiden Trainer Reiner Maurer und Torsten Lieberknecht einig. „Das Spiel war beste Werbung für den Fußball in der Zweiten Liga", erklärten sie unisono. Maurer setzte sogar noch einen drauf und sprach davon, dass die Leistung der beiden Teams besser gewesen sei, „als so manches Erstligaspiel am gestrigen Tag".
„Wir sind gut ins Spiel gekommen", analysierte Löwen-Coach Reiner Maurer, „und hatten gute Chancen durch Daniel Halfar und Marin Tomasov. Bitter dann, dass wir durch die erste gefährliche Situation gegen uns in Rückstand geraten."
Mit dem zweiten Durchgang seiner Mannschaft zeigte sich der 52-Jährige zufrieden. „Da haben wir gegen einen Gegner, der vor Selbstvertrauen strotzt und 1:0 in Front liegt, Druck gemacht und mit unserer Lauf- und Kampfbereitschaft den Punkt erzwungen." Trotzdem haderte er mit der Punkteteilung. „Es sind einfach zu viele Unentschieden, um ganz vorne mitzuspielen", sagte er, „auch wenn ich mit der gezeigten Leistung zufrieden bin." Ein Extralob hatte er für Moritz Stoppelkamp parat. „Er hat von der Bank frischen Wind gebracht. Heute hat man gesehen, dass sich keiner dafür zu Schade ist."
Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht konnte mit der Punkteteilung gut leben, wenngleich die weiße Weste seines Teams die ersten Flecke bekam. „Alle, die heute hier im Stadion waren, haben ihr Kommen nicht bereuen müssen. Es war ein temporeiches Spiel mit vielen Torchancen." Lieberknecht monierte, dass seine Mannschaft relativ lange gebraucht habe, um ins Spiel zu finden. „Nach der Führung hätte Ermin Bicakcic dann eigentlich das 2:0 machen müssen", sprach er die Großchance in der 23. Minute an. „Natürlich ist das Unentschieden besser als letztes Jahr, wo wir 0:3 verloren haben. Wir sind weiterhin ungeschlagen. Deshalb bin ich mit der Punkteteilung zufrieden", befand Lieberknecht, „auch wenn ich bei uns ein kleines Chancenplus gesehen habe."
Löwen-Stürmer Benjamin Lauth sprach von einem verpassten Sieg „aufgrund der 2. Halbzeit. Wir hatten genügend Chancen zum 2:1, auch wenn Braunschweig durch Konter immer gefährlich war. Ich bin über das Unentschieden schon etwas enttäuscht, weil wir unbedingt gewinnen wollten, um den Rückstand auf Braunschweig zu verkürzen." Er selbst zeigte sich über seine Auswechslung in der 80. Minute nicht erfreut, zumal „ich kurz vorher die Chance auf den Siegtreffer knapp verpasst habe", wie er offen zugab. „Als einzige Spitze habe ich versucht, mich in die Zweikämpfe reinzuhauen. Aber ich spiele schon lieber mit einem weiteren Stürmer neben mir", gab der Torjäger, der sich ungewohnt kämpferisch präsentierte, Einblick in sein Seelenleben. Lauth fordert in den nächsten Spielen Siege von sich und seiner Mannschaft, um den Abstand zur Spitze zu verringern. „Wir haben gegen starke Teams gespielt, sind immer noch ungeschlagen, aber ganz vorne sind wir momentan nicht dabei", so seine Analyse. Vor allem mahnt der 31-Jährige ein forscheres Auftreten im ersten Durchgang an. „Da waren wir viel zu passiv. Wir müssen von Beginn an so aggressiv und lauffreudig spielen, wie nach der Pause."
„In der 2. Halbzeit haben wir das Spiel dominiert", fand auch Daniel Halfar. „Wir hatten mehr Ballbesitz als Braunschweig und uns gute Torchancen herausgespielt. Im Endeffekt war es ein gerechtes Unentschieden. Braunschweig hat nicht umsonst die ersten fünf Spiele gewonnen und steht in der Tabelle ganz oben. Trotzdem wollten wir unbedingt den Abstand verringern. Jetzt kommt in den nächsten sechs Tagen Ingolstadt und das Heimspiel gegen Sandhausen. Danach werden wir sehen, wohin unser Weg geht." Ob er mit der defensiveren taktischen Ausrichtung leben konnte, wurde Halfar gefragt. „Wenn wir das Spiel gewinnen, fragt keiner danach", wollte sich der 24-Jährige erst gar nicht auf solche Diskussionen einlassen. „Wir müssen am Ende der Saison vorne dabei sein und nicht nach sechs Spieltagen. Die Favoriten wie Lautern oder Hertha BSC sind in der Tabelle nicht weit von uns weg", findet er keinen Grund zur Panikmache. „In der 1. Halbzeit haben wir uns schwer getan, dafür haben wir nach der Pause ansehnlichen Fußball nach vorne gespielt." Das Wiesn-Trikot, so Halfar, sei eine lustige Sache. „Es war schon ungewöhnlich, darin zu spielen, aber die Konzentration auf das Spiel wurde dadurch nicht gestört. Wenn ich das Trikot behalten darf, werde ich es natürlich aufheben."
Verteidiger und Torschütze Necat Aygün zeigte sich mit dem Remis zufrieden. „Wir haben immerhin gegen den Tabellenführer gespielt, der seine bisherigen Spiele klar bestimmt hat. Ich denke, dass die Zuschauer heute auf ihre Kosten gekommen sind. Aus meiner Sicht war die Punkteteilung in Ordnung." Dem Gegner bescheinigte Aygün spielerische Klasse. „Da kann man Chancen einfach nicht verhindern." Die Situation, die zu seinem ersten Treffer führte, beschrieb der 32-jährige dagegen pragmatisch. „Ich gehe immer bei Standards mit nach vorne in der Hoffnung, dass ich einen reindrücken kann. Diesmal habe ich einfach mein Knie hochgenommen." Aber auch Aygün fordert in den nächsten Spielen Siege. „Jetzt müssen wir unbedingt einen Dreier nachlegen."