Dass es Sechzig gelungen war, den in Baltimore geborenen Stürmer zu verpflichten, lag in allerletzter Konsequenz wohl an der menschlichen Seite im eigentlich doch so harten Fußballbusiness. In vielen nächtlichen Telefonaten sei es Trainer Ewald Lienen gelungen, den Nationalspieler zu überzeugen und zum TSV 1860 zu locken, so berichtet es Sportdirektor Miki Stevic. Der erste Kontakt ist über einen „sehr guten Berater" zustande gekommen, die Referenz einer außerordentlich hohen Trefferquote sprach ohnehin für sich: In insgesamt 90 Spielen in der Major League Soccer (MLS) erzielte der Texaner immerhin 40 Tore. Und genau diese Erfahrungen aus der MLS, die „eine phantastische Liga mit vielen tollen Spielern ist", und der Nationalmannschaft will Kenny an seine neue Wirkungsstätte weitergeben: „Ich hoffe, dass ich all dies jetzt bei 1860 einbringen kann." Auch wenn er seine „Zeit in Amerika wirklich genossen" hat, bei den Löwen hat er sich sofort heimisch gefühlt. Dies liegt zum einen daran, dass fast jeder im und um das Team Englisch spricht. „Es hilft natürlich enorm, wenn man sich unterhalten und mitteilen kann." Zum anderen sei er absolut herzlich und freundlich aufgenommen worden, besonders natürlich von Ewald Lienen und den Mitspielern, aber auch von den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle und von den Fans sowieso. „Amazing" seien die Löwenanhänger, und noch einmal blickt er voller Begeisterung auf sein Premierenerlebnis in der Allianz Arena zurück: „Mein erstes Spiel in diesem Stadion war schon etwas ganz besonderes." Seine erste Zeit in München? „I love it!"
Eigentlich tauchte Kenny in der ersten Zeit in München als „doppeltes Lottchen" bei den Löwen auf. Und das lag daran, dass auch sein Vater, Kenny senior, in der bayerischen Landeshauptstadt mit dabei war. Vater Cooper hat seinen Sohn bei der Reise zu dessen neuen Arbeitsplatz begleitet, und stand ihm in der ersten Zeit der Eingewöhnung beiseite. „Mein Vater half mir sehr. Er organisierte viele Dinge außerhalb des Fußballplatzes für mich. So konnte ich mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren." Kenny senior war täglich auf dem Trainingsgelände oder in der Geschäftsstelle anzutreffen und gehörte dank seiner fröhlich-freundlichen und offenen Art schnell zur „Löwenfamilie".
Überhaupt ist die Familie Cooper von großer Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Unterstützung und Nähe geprägt. Trotzdem vermisst Kenny seine Familie. Neben den beiden Schwestern Molly („Sie liebt Pferde") und Amanda hat Kenny noch einen jüngeren Bruder: Joe ist 19 Jahre alt und ebenfalls auf dem besten Weg, Fußballprofi zu werden. „Er ist ein sehr guter Spieler, stark und mit einer guten Technik nach vorne", lobt der ältere Cooper-Sohn. Im Augenblick studiert er noch und spielt „soccer" im College-Team. Ob er später auch in die Fußstapfen seines großen Bruders tritt, wird sich zeigen, ist aber angesichts der fußballbegeisterten Coopers durchaus denkbar. „Meine Familie ist immer schon eine Fußballfamilie gewesen, mit einer großen Leidenschaft für dieses Spiel."
Und das ist vor allem Kenny senior zu verdanken, der von 1970 bis 1978 selbst Profi gewesen war und für die Blackburn Rovers und Dallas Tornado fast 200 Spiele als Torhüter absolvierte. Später arbeitete er dann als Trainer und gab die Liebe zu diesem Sport an Kenny weiter: „Ich bin mit Fußball aufgewachsen und hatte immer die Möglichkeit, bei meinem Vater dabei zu sein."
Zu seinem Glück in München fehlte dem Neuzugang in der ersten Zeit nur seine Freundin Molly, die in Dallas für einen Baseball Club Tickets verkaufte, und erst im September nachkommen konnte, pünktlich zum Wiesn-Start. Während Kenny das Oktoberfest nur von Erzählungen kannte, hatte Molly das „größte Volksfest der Welt" schon hautnah erlebt.Zusammen wird das Paar dann nach einer passenden Wohnung suchen. Denn zunächst wohnte der Stürmer im Mannschaftshotel „Marriot" im Stadtteil Schwabing. „Ich wollte lieber warten, bis meine Freundin hier ist, das ist dann ihr Projekt", meint er augenzwinkernd.
Auch der Rest der Familie Cooper hat nicht vor, allzu lange vom Filius getrennt zu sein. Kenny senior, der Ende August zunächst einmal wieder den Rückflug nach Dallas antrat, hatte zuvor schon Zukunftspläne geschmiedet. „Meine Frau Irene und ich werden uns hier ebenfalls eine Wohnung nehmen und zwischen Amerika und Deutschland pendeln", verriet der ehemalige Profi. So wird die Distanz zwischen Texas und Bayern spürbar geringer und die Familienzusammenführung einfacher - die Familie bleibt eben die Basis. Und man spürt deutlich, die Coopers haben noch eine Menge vor mit den Münchner Löwen. Wahrscheinlich ist es einfach doch Liebe auf den ersten Bl(K)ick: Kenny Cooper und der TSV 1860 München.
Steckbrief von Kenny Cooper