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Aktuelles Saison 2009/2010
Profis
 
24.09.2009 | 13:30 Uhr

Kenny Cooper: Liebe auf den ersten Kick

Die Hände zum Himmel: Bereits nach 17 Minuten im Löwen-Trikot traf Kenny Cooper das erste Mal.
Er kam, traf in seinem ersten Spiel und die Löwen siegten - so kann man den traumhaften Einstand von Kenny Cooper beim Ligaauftakt gegen die TuS Koblenz beschreiben. Der 24-jährige US-Amerikaner, der vom FC Dallas kam, entpuppte sich auf anhieb als echte Verstärkung.

Gerade einmal sieben Tage lagen zwischen der Ankunft des Stürmers aus Dallas am Franz-Josef-Strauß Airport in München und dem Spiel gegen Koblenz. Das Debüt des 24-Jährigen im weiß-blauen Trikot gipfelte am Ende zu einer wahren Cooper-Show. Als die neue Nummer 33 des TSV 1860 in der 72. Minute ausgewechselt wurde, gab es minutenlang standing ovations von den Rängen. „Cooper, Cooper, Cooper", tönte es lautstark durch die Allianz Arena. Der 1,92 Meter große Angreifer hatte sich bei seiner Premiere auf Anhieb in die Herzen der Fans geschossen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es war ausgerechnet Kenny, der die Löwen in der 17. Minute mit einem wuchtigen Kopfballhammer unter die Latte mit 1:0 in Führung brachte. Am Ende stand es nach einem weiteren Treffer von Benny Lauth 2:0. Man hätte das Drehbuch für diesen ersten Spieltag in der 2. Bundesliga, für dieses erste Heimspiel in der neuen Saison nicht besser schreiben können: „A dream comes true."

Es war in der Tat der krönende Abschluss einer wahren Cooper-Woche gewesen, eine Woche, in der alles Schlag auf Schlag ging. Am Montag, um 12 Uhr mittags, landete der langersehnte Stürmer auf dem Flughafen in der bayerischen Landeshauptstadt. Ab diesem Zeitpunkt verging eigentlich fast keine Minute mehr, in der Kenny in seinem Tun nicht mindestens von einem Fotografen oder Journalisten begleitet wurde. Nach dem obligatorischen Medizincheck stand er dann am Dienstagvormittag - unter Beobachtung von vielen Zaungästen - das erste Mal mit seinen neuen Kollegen auf dem Platz. Im Anschluss folgte, zusammen mit Cheftrainer Ewald Lienen und Sportdirektor Miki Stevic, die offizielle Vorstellung für die Medien. Ewald Lienen betonte zwar, nicht sofort zu viel zu erwarten und versuchte, eine zu übertriebene Euphorie um den neuen Stürmer zu bremsen: „Er muss sieben Stunden Zeitunterschied wegstecken und er muss hier erst mal reinfinden. Das wird sicher ein paar Tage dauern." Aber spätestens seit seinem Galaauftritt gegen Koblenz ist die Cooper-Mania rund um die Grünwalder Straße nicht mehr zu stoppen. Trikots mit der Nummer 33 hier, Autogrammwünsche und Erinnerungsfotos da: Kenny ist einer der neuen Lieblinge der Fans.
Kenny Cooper spielte sich gleich bei seinem ersten Auftritt in die Herzen der Löwen-Fans.
Dass es Sechzig gelungen war, den in Baltimore geborenen Stürmer zu verpflichten, lag in allerletzter Konsequenz wohl an der menschlichen Seite im eigentlich doch so harten Fußballbusiness. In vielen nächtlichen Telefonaten sei es Trainer Ewald Lienen gelungen, den Nationalspieler zu überzeugen und zum TSV 1860 zu locken, so berichtet es Sportdirektor Miki Stevic. Der erste Kontakt ist über einen „sehr guten Berater" zustande gekommen, die Referenz einer außerordentlich hohen Trefferquote sprach ohnehin für sich: In insgesamt 90 Spielen in der Major League Soccer (MLS) erzielte der Texaner immerhin 40 Tore. Und genau diese Erfahrungen aus der MLS, die „eine phantastische Liga mit vielen tollen Spielern ist", und der Nationalmannschaft will Kenny an seine neue Wirkungsstätte weitergeben: „Ich hoffe, dass ich all dies jetzt bei 1860 einbringen kann." Auch wenn er seine „Zeit in Amerika wirklich genossen" hat, bei den Löwen hat er sich sofort heimisch gefühlt. Dies liegt zum einen daran, dass fast jeder im und um das Team Englisch spricht. „Es hilft natürlich enorm, wenn man sich unterhalten und mitteilen kann." Zum anderen sei er absolut herzlich und freundlich aufgenommen worden, besonders natürlich von Ewald Lienen und den Mitspielern, aber auch von den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle und von den Fans sowieso. „Amazing" seien die Löwenanhänger, und noch einmal blickt er voller Begeisterung auf sein Premierenerlebnis in der Allianz Arena zurück: „Mein erstes Spiel in diesem Stadion war schon etwas ganz besonderes." Seine erste Zeit in München? „I love it!"

Eigentlich tauchte Kenny in der ersten Zeit in München als „doppeltes Lottchen" bei den Löwen auf. Und das lag daran, dass auch sein Vater, Kenny senior, in der bayerischen Landeshauptstadt mit dabei war. Vater Cooper hat seinen Sohn bei der Reise zu dessen neuen Arbeitsplatz begleitet, und stand ihm in der ersten Zeit der Eingewöhnung beiseite. „Mein Vater half mir sehr. Er organisierte viele Dinge außerhalb des Fußballplatzes für mich. So konnte ich mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren." Kenny senior war täglich auf dem Trainingsgelände oder in der Geschäftsstelle anzutreffen und gehörte dank seiner fröhlich-freundlichen und offenen Art schnell zur „Löwenfamilie".

Überhaupt ist die Familie Cooper von großer Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Unterstützung und Nähe geprägt. Trotzdem vermisst Kenny seine Familie. Neben den beiden Schwestern Molly („Sie liebt Pferde") und Amanda hat Kenny noch einen jüngeren Bruder: Joe ist 19 Jahre alt und ebenfalls auf dem besten Weg, Fußballprofi zu werden. „Er ist ein sehr guter Spieler, stark und mit einer guten Technik nach vorne", lobt der ältere Cooper-Sohn. Im Augenblick studiert er noch und spielt „soccer" im College-Team. Ob er später auch in die Fußstapfen seines großen Bruders tritt, wird sich zeigen, ist aber angesichts der fußballbegeisterten Coopers durchaus denkbar. „Meine Familie ist immer schon eine Fußballfamilie gewesen, mit einer großen Leidenschaft für dieses Spiel."

Und das ist vor allem Kenny senior zu verdanken, der von 1970 bis 1978 selbst Profi gewesen war und für die Blackburn Rovers und Dallas Tornado fast 200 Spiele als Torhüter absolvierte. Später arbeitete er dann als Trainer und gab die Liebe zu diesem Sport an Kenny weiter: „Ich bin mit Fußball aufgewachsen und hatte immer die Möglichkeit, bei meinem Vater dabei zu sein."

Zu seinem Glück in München fehlte dem Neuzugang in der ersten Zeit nur seine Freundin Molly, die in Dallas für einen Baseball Club Tickets verkaufte, und erst im September nachkommen konnte, pünktlich zum Wiesn-Start. Während Kenny das Oktoberfest nur von Erzählungen kannte, hatte Molly das „größte Volksfest der Welt" schon hautnah erlebt.Zusammen wird das Paar dann nach einer passenden Wohnung suchen. Denn zunächst wohnte der Stürmer im Mannschaftshotel „Marriot" im Stadtteil Schwabing. „Ich wollte lieber warten, bis meine Freundin hier ist, das ist dann ihr Projekt", meint er augenzwinkernd.

Auch der Rest der Familie Cooper hat nicht vor, allzu lange vom Filius getrennt zu sein. Kenny senior, der Ende August zunächst einmal wieder den Rückflug nach Dallas antrat, hatte zuvor schon Zukunftspläne geschmiedet. „Meine Frau Irene und ich werden uns hier ebenfalls eine Wohnung nehmen und zwischen Amerika und Deutschland pendeln", verriet der ehemalige Profi. So wird die Distanz zwischen Texas und Bayern spürbar geringer und die Familienzusammenführung einfacher - die Familie bleibt eben die Basis. Und man spürt deutlich, die Coopers haben noch eine Menge vor mit den Münchner Löwen. Wahrscheinlich ist es einfach doch Liebe auf den ersten Bl(K)ick: Kenny Cooper und der TSV 1860 München.
 
Steckbrief von Kenny Cooper
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