Die "Projektgruppe Stadionzukunft" hat am Dienstag, 3. November 2009, einen Zwischenbericht über die Machbarkeit eines Auszuges aus der Allianz Arena vorgelegt und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen.
Arbeitsauftrag: Ergebnisoffene Prüfung von mittel- bis langfristigen Spielstätten für die Profimannschaft des TSV 1860.
Feste Mitglieder (Funktion/vorgeschlagen von): Franz Maget (Präsidium)
Christian Waggershauser (Aufsichtsrat, Projektleiter)
Roman Beer (Architekt/ Freunde des Sechz'ger Stadions e.V.)
Peter Helfer (Geschäftsführer DHP Bau GmbH/ARGE)
Thomas Stößel (Bauzeichner/Westkurve60.de)
Horst Strelow (Architekt, Vereinsrat/ARGE)
Josef Wensauer (Architekt/PRO1860 e.V.)
Die Gruppe wurde vom Präsidium eingesetzt.
Die Gruppe hat zwischen April und Oktober mehrfach getagt, des Weiteren haben Franz Maget und Christian Waggershauser und darüber hinaus auf der Fachebene weitere Gruppenmitglieder diverse informelle Hintergrundgespräche geführt.
Beratend tätig waren
Markus Kern (Geschäftsführung, bis zu seinem Ausscheiden) und Manfred Stoffers (Geschäftsführer).
1) Anforderungen an ein eigenes Stadion:Nach Rücksprache mit Geschäftsführung, IMG und Fangruppierungen wird ein Fassungsvermögen von rund 30.000 bis 35.000 Plätzen als passend für den TSV 1860 angesehen. Das Stadion sollte ca. 1.500 Business-Seats und ca. 20 Logen (á 10 Plätzen) umfassen. Außerdem sollte Platz für Eventräume sein, die bei entsprechender Nachfrage in Business Seats oder Logen umgebaut werden können. Aufgrund dieses Anforderungsprofiles favorisiert die Gruppe ein kostengünstiges Einrangstadion.
2) Wirtschaftliche Betrachtung:Ausgangslage: keine Verschlechterung gegenüber den Kosten in der Allianz Arena. Derzeit bezahlt 1860 rund 4,5 Mio. €/Jahr an Arenamiete (in der 1. Liga rund 6,5 Mio. €/Jahr). Laut IMG wäre die Vermarktung im eigenen Stadion einfacher und bis zu 3 Mio.€ /Jahr höher durch Einnahmen aus dem Stadionnamen, Logen, Eventräume etc. In diesem Rahmen von ca. 7,5 Mio.€ /Jahr (2. Liga) bzw. 9,5 Mio.€ /Jahr (1.Liga) müsste sich ein Neubau/Umbau samt Unterhalt und Cateringkosten der Business-Seats realisieren!Etwaige Kosten für einen vorzeitigen Auszug aus der Arena sind momentan nicht eingerechnet! Eine Unterarbeitsgruppe Finanzen berechnet gerade die Kosten bzw. Finanzierungsmodelle.
3) Mögliche Standorte für ein neues StadionWas nicht gehen wird:
- a.) Olympiastadion: kein Fußball bis 2090 möglich, da im Gegenzug Open-Air-Konzert-Verbot in der Allianz Arena - auch nicht übergangsweise.
- b.) Modell „Grüne Wiese" innerhalb Münchens: politisch und rechtlich nicht durchsetzbar, geeignete Grundstücke mit öffentlichem Nahverkehrsanschluss fehlen*.
- c.) Vom Flächennutzungsplan kämen „theoretisch" das Dantestadion, die Rudi-Sedlmayer-Halle und das ZHS-Gelände im Olympiapark in Frage. Alle drei scheiden für ein Profifußballstadion (Kapazität mind. 30.000 Besucher) aus.
Dantestadion: Aufgrund der Dichte der nachbarschaftlichen Bebauung ist maximal ein Drittliga-Stadion (Kapazität 10.000 Besucher) denkbar.
Rudi-Sedlmayer-Halle: Es fehlen nahe liegende Anschlüsse an öffentliche Massenverkehrsmittel, daher ist maximal ein Drittligastadion (Kapazität 10.000 Besucher) denkbar.
ZHS-Gelände/ Radstadion: Das Areal ist Vorratsfläche für die Olympiabewerbung 2018 und steht unter Ensembleschutz (ZHS-Gelände).Schon in der Planungsphase als Alternativstandort zu Fröttmaning gab es massiven juristisch fundierten Widerstand der Nachbarn gegen ein Profistadion im ZHS-Gelände. - d.) Unterhaching
Der Sportpark mit einer Kapazität von 15.000 Plätzen ist zu klein. Weitere geeignete Grundstücke auf Gemeindegebiet stehen nicht zur Verfügung.
*Anmerkung Modell „Grüne Wiese": Wir gehen davon aus, dass die Untersuchungen des Büros Albert Speer innerhalb und außerhalb Münchens, die letztendlich zum Standort der Allianz Arena geführt haben, nicht nochmals durchgeführt werden müssen, da nicht mit neuen Ergebnissen zu rechnen ist. Aber selbst wenn „neue" Grundstücke in München aufgetan würden, wäre dafür keine politische Mehrheit erzielbar.
Was gehen könnte:
Stadion an der Grünwalder StraßeHierzu gab es u.a. ein Gespräch bei Bürgermeisterin Strobl mit Vertretern von Lokalbaukommission, Sportamt und Branddirektion. Für ein profitaugliches Stadion gibt es Sicherheitsbedenken, eine Kapazität von 30.000 - 35.000 Besuchern wird von der Stadt ad hoc nicht gesehen. Da Bestandsschutz besteht, müsste ein „Umbau im Bestand" stattfinden. Allerdings wäre die Auslegung dieses Begriffes anhand konkreter Planungen zu prüfen bzw. wie sich ein Komplettumbau/Neubau nach aktuellem Baurecht gestalten ließe. Kubatur und Höhenentwicklung dürften nicht (außer geringfügig zugunsten Lärmschutz) überschritten werden. Bei für die Stadt untersuchungswürdigen Themen wie Höhenentwicklung, Flächenbedarf, Brandschutz, Fantrennung und Parkplätzen sieht die Projektgruppe Lösungsmöglichkeiten.
Da der Stadtrat voraussichtlich im Dezember 2009 über den Umfang und den Etat (3 Varianten) für eine dauerhafte drittligataugliche Ertüchtigung des Stadions abstimmen wird, wäre eine baldige Willensbildung des Vereines zum Ausbau als Profistadion wichtig.
Aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung (Identifikationsobjekt für viele Anhänger), seiner innenstadtnahen Lage und seines hohen Vermarktungspotenzials für 1860 München wäre der traditionsreiche Standort an der Grünwalder Straße aus Sicht der Projektgruppe ideal.
4) Weiteres Vorgehen:Die Projektgruppe empfiehlt dem Präsidium einstimmig,
- a.) die finanzielle Machbarkeit eines Stadionneubaus zu klären.
- b.) ein erstes Gespräch mit dem FC Bayern zu führen.
- c.) mit Priorität die planungsvorbereitenden Untersuchungen zum Umbau des Stadions an der Grünwalder Straße voranzutreiben und hierzu stufenweise weitere Fachgutachten zu beauftragen.
(Herr Stoffers hat an der Abstimmung nicht teilgenommen).
Nach Vorlage der Fachgutachten für das Stadion an der Grünwalder Straße sowie Kostenschätzungen samt Finanzierungskonzepten soll das Ergebnis den Mitgliedern zu einer Befragung vorgelegt werden.
Dabei darf keinesfalls der Eindruck entstehen, dass das Votum für eine Alternative auch automatisch deren Realisierung bedeutet. Es geht um ein Meinungsbild, nicht um eine Abstimmung mit sofortigem Vollzug!
5) Schlussbemerkung:Erfreulicherweise sind nach Installation der Arbeitsgruppe bis zum Abschlussbericht zu keiner Zeit Interna in die Öffentlichkeit gelangt. Alle Mitglieder haben ehrenamtlich, höchst motiviert und konstruktiv mitgearbeitet. Die Basis ihrer Überlegungen und Empfehlungen war nicht Gruppeninteressen geschuldet, sondern rein fachlicher Natur. Dafür danke ich allen Mitgliedern ausdrücklich! Weitere Personen aus dem Löwenanhang haben ihre Mitarbeit angeboten, z.B. ein Verkehrsplaner, Bauzeichner etc.
Für die Fachgutachten bietet die Projektgruppe an, gerne beratend tätig zu werden, da zum Thema Sicherheit, Fantrennung, Brandschutz, Parken (Busse/PKW), Funktionalität etc. bereits weitergehende Szenarien entwickelt wurden.
München, den 29.10.2009
Christian Waggershauser
- Projektleiter -