Erneut legten die Löwen einen Fehlstart in die Rückrunde hin. Nach ordentlichem Beginn riss nach einer Viertelstunde der Faden. Freiburg kam im Anschluss an eine Standardsituation durch U19-Europameister Ömer Toprak zur Führung (27.). Die Partie war nach Julian Schusters 2:0 nach etwas mehr als einer Stunde endgültig entschieden. „Die Ernüchterung ist groß", so das Fazit von Löwen-Trainer Marco Kurz.
Personal: 1860-Chefcoach Marco Kurz musste im ersten Punktspiel der Rückrunde auf Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Mate Ghvinianidze (Muskelprobleme), Markus Schroth (Aufbautraining), Benjamin Schwarz (Aufbautraining), Nikolas Ledgerwood (Trainingsrückstand nach Verletzung), Christoph Burkhard, Julian Baumgartlinger und Markus Krauss - alle tags zuvor in der U23 beim Test gegen Heimstetten (0:1) aktiv - verzichten.
Spielverlauf: Die Löwen versuchten von Beginn an, die Freiburger unter Druck zu setzen und besaßen in der 4. Minute die erste gute Chance. Daniel Bierofka hatte einen Freistoß von der linken Strafraumseite mit rechts auf den zweiten Pfosten geflankt, Markus Thorandt stieg am höchsten, köpfte aber aus sechs Metern das Leder knapp neben den rechten Pfosten. Die Breisgauer zeigten sich in der Anfangsphase lediglich nach Standards gefährlich. Nach einem zu kurz abgewehrten Freistoß von Julian Schuster kam Tommy Bechmann an den Ball, der lief über links auf Philipp Tschauner zu. Der Löwen-Keeper verkürzte geschickt den Winkel, konnte den Acht-Meter-Schuss des SCF-Stürmers abwehren (10.). Dies gelang ihm zunächst auch in der 27. Minute. Ein Eckball von der rechten Seite flankte Schuster auf den ersten Pfosten, Mohamadou Idrissou setzte sich gegen Gregg Berhalter durch, köpfte aus fünf Metern aufs Tor. Tschauner konnte den Ball per Reflex abwehren. Doch das Leder kam zu Ömer Toprak, der aus acht Metern unbedrängt Maß nehmen konnte und hoch zum 1:0 für Freiburg einnetzte (27.). Zwei Minuten später wäre den Löwen fast der Ausgleich gelungen. Stefan Aigner dribbelte über rechts in den SCF-Strafraum, ließ dabei zwei Freiburger stehen, doch in seinen Schuss aus neun Metern warf sich Heiko Butscher, konnte somit Schlimmeres verhindern (29.). Ebenso Pech in der 35. Minute. Bierofka drehte einen Freistoß aus dem Halbfeld mit rechts hoch vors Tor, Sascha Rösler kam aus neun Metern vor Torhüter Simon Pouplin zum Kopfball, gab dem Ball die entscheidende Richtungsänderung, aber das Leder strich links am leeren Tor vorbei (35.). In der 37. Minute kam das Spielgerät nach einem Einwurf auf der linken Seite zu Bierofka, der Kapitän schoss vom linken Strafraumeck, aber erneut strich das Leder knapp am rechten Pfosten vorbei.
Wer nach der Pause einen Sturmlauf der Löwen erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Freiburg stand sicher, ließ den Ball vorm eigenen Strafraum laufen und versuchte geschickt, die Gastgeber zu locken. Doch die wirkten aufgrund des Rückstandes verunsichert. Bestes Beispiel die Szene in der 54. Minute. Eine viel zu kurze Rückgabe von Berhalter auf Tschauner erlief sich Bechmann, der umkurvte auf der rechten Strafraumseite den Löwen-Keeper, bekam den Ball aber erst kurz vor der Grundlinie unter Kontrolle, sein Pass an den Elfmeterpunkt ging- zum Glück für die Löwen - an Freund und Feind vorbei. Aber keine zehn Minuten später war es dann doch passiert. Linksverteidiger Butscher flankte fast von der linken Eckfahne flach durch den Münchner Strafraum. Kein Verteidiger war zur Stelle, Schuster am rechten Torraumeck kam so an den Ball, traf ungehindert ins lange Eck zum 2:0 (62.). Nach diesem Treffer hatten die Löwen noch eine halbe Stunde Zeit, wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen. Trainer Kurz brachte mit Manuel Schäffler und José Holebas sogar noch zwei Offensivkräfte, aber mehr als eine „halbe" Chance sprang für die Hausherren nicht mehr heraus. In der 75. Minute legte Schäffler zehn Meter vor dem Strafraum mit der Brust auf Rösler ab, der in zentraler Position das Leder volley nahm, Torwart Pouplin mit seinem 25-Meter-Schuss auf dem falschen Fuß erwischte, doch der Keeper konnte den unplatzierten Schuss mit einer Hand gerade noch abwehren (75.). In der Schlussphase verhinderte Tschauner gegen Jonathan Jäger (80. und 89.) mit zwei Paraden noch eine höhere Niederlage.
Stimmen zum Spiel
Folgen Löwen-Chefcoach Marco Kurz zeigte sich enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft. „Dabei hatten wir gut begonnen, sind die ersten zehn bis 15 Minuten engagiert gegen eine spielstarke Freiburger Mannschaft aufgetreten. Unverständlich, dass wir nach dem Gegentor die Courage verloren haben. Damit spielten wir Freiburg in die Karten, waren nicht mehr bereit, die nötigen Wege zu gehen." Das 0:2 nach der Pause sei der endgültige K.O. für sein Team gewesen. „Wir haben es nicht geschafft, uns Chancen zu erspielen. Die Ernüchterung ist groß, weil uns die Überzeugung in die eigene Kraft gefehlt hat. Gegen eine Mannschaft wie Freiburg muss man einfach kompakter stehen, lebendiger sein."
Sportclub-Trainer Robin Dutt war froh, zu Spielbeginn nicht in Rückstand geraten zu sein. „In der Anfangsphase sind wir auf eine bissige Sechziger-Mannschaft getroffen. Wir haben uns hinten rein drücken lassen. Wie wichtig in diesem Spiel eine Führung war, hat man nach unserem 1:0 gesehen. Danach waren wir wesentlich sicherer, haben den Ball laufen lassen und so den Druck von uns genommen. Das 2:0 war dann Gold wert." Das einzige, was der 43-Jährige an der 2. Halbzeit zu bemängeln hatte, war die Chancenverwertung seines Teams. „Da muss ich Kritik üben, dass wir das ein oder andere Tor nicht gemacht haben." Die Leistung seines Torschützen zum 1:0, Ömer Toprak, wollte Dutt nicht überbewerten. „Er hat gut gespielt. Ich habe ihn bewusst gegen Benny Lauth gebracht, weil er schnell ist. Aber er muss an seiner Fitness arbeiten. Er war nach einer Stunde platt, und ich nehme ungern einen Innenverteidiger bei einer 2:0-Führung heraus."
Torhüter Philipp Tschauner sprach von einer beschämenden Vorstellung. „Wir müssen uns nach so einer Leistung vor den Fans rechtfertigen, gerade was die 2. Halbzeit betrifft. Wir liegen in Rückstand und haben keine einzige Chance! Jeder einzelne konnte nicht das abrufen, was er kann." Es genüge einfach nicht gegen ein Team wie Freiburg, nur 30 Minuten zu Hause ordentlich Fußball zu spielen. „Wir haben schon in der letzten Rückrunde katastrophal gespielt. Jetzt sind wir wieder schlecht gestartet. Es geht nur über Kampf und Leidenschaft. Jeder muss - gerade zu Hause - noch eine Schippe drauflegen."
Stürmer Benny Lauth sah das ähnlich wie Tschauner. „Wir waren immer einen Schritt zu spät. Freiburg war einfach besser, hat verdient gewonnen." Dabei sei die Vorbereitung gut gelaufen. „Und dann haben wir es zu Hause wieder nicht geschafft, unsere Stärken zum Tragen zu bringen. Den Start in die Rückrunde haben wir uns sicherlich anders vorgestellt. In der 2. Halbzeit hat Freiburg uns laufen lassen. Wir sind einfach nicht mehr hingekommen. Nach dem zweiten Tor ging gar nichts mehr."
Stenogramm zum Spiel
Das Spiel im Löwen TV (kostenpflichtig)