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1860 München 1 : 1 Alem. Aachen
 
17.05.2009 | 16:30 Uhr

1860 bleibt drin durch das Remis gegen Aachen

Benjamin Lauth (Mitte) traf mit seinem 14. Saisontreffer zum 1:0 gegen Alemannia Aachen.
Durch das 1:1 gegen Alemannia Aachen - Benjamin Lauth hatte die Löwen in Führung gebracht (33.), Benjamin Auer glich kurz vor Schluss aus (83.) - spielen die Löwen auch in der kommenden Saison in der Zweiten Liga, da Osnabrück nur noch nach Punkten aufschließen kann, aber eine um 15 Treffer schlechtere Tordifferenz besitzt.

Personal: Verletzungsbedingt musste Trainer Ewald Lienen bei seiner Premiere gegen Aachen auf die langzeitverletzten Daniel Bierofka (Muskelprobleme), Antonio Di Salvo (Sehnenentzündung am Knie), Markus Schroth (Aufbautraining) und Benjamin Schwarz (Knieprobleme) verzichten. Dazu gesellten sich kurzfristig Lars und Sven Bender (beide Muskelprellung), Michael Schick (Magen-/Darmprobleme), Stefan Aigner (Außenbandriss) und Mate Ghvinianidze (Wadenverhärtung). Aufgrund der Personalknappheit wurde der 18-jährige Stürmer Peniel Mlapa für die Profis lizenziert, kam auch in der Nachspielzeit zum Einsatz.

Spielverlauf: Beide Teams begannen hoch konzentriert. Die Gäste mussten unbedingt gewinnen, um ihre theoretische Chance auf Rang drei wahren zu können. Und sie hatten auch die erste Möglichkeit. Eine Ecke, die der Ex-Löwe Mathias Lehmann von der linken Seite in den Rückraum zu Timo Achenbach passte, flankte dieser an den zweiten Pfosten. Der Ball drehte sich etwas vom Tor weg, Benjamin Auer verpasste am rechten Torraumeck nur um Zentimeter (5.). Die erste richtig gefährliche Offensivaktion hatten die Löwen in der 24. Minute zu verzeichnen. Nach einem gelungenen Spielzug legte Manuel Schäffler auf Benjamin Lauth ab, der passte steil nach rechts auf Antonio Rukavina, dessen Flanke konnte ein Aachener Abwehrspieler gerade noch zur Ecke klären. Diese flankt José Holebas von rechts mit dem linken Fuß an den zweiten Pfosten, wo Thorandt zum Kopfball kam, das Leder aber neben den Pfosten setzte. Vier Minuten später versuchte es Schäffler nach einem Konter mit einem Distanzschuss aus 32 Metern. Torwart Thorsten Stuckmann ließ das Leder zur Seite abprallen, aber kein Sechziger-Spieler war zur Stelle (28.). In der 33. Minute das erlösende 1:0 für die Löwen. Fabian Johnson hatte kurz vorher mit Holebas die Seite getauscht. Johnson flankte von rechts quer ins linke hintere Strafraumeck, Holebas nahm dort den Ball kurz an, spielte sofort Lauth in der Mitte an, Mirko Casper rutschte beim Klärungsversuch weg, wodurch der Löwen-Torjäger freie Schussbahn hatte und aus sieben Metern die Nerven behielt und zur Führung traf. Bis zur Pause mussten die Weiß-Blauen aber noch zwei brenzlige Szenen überstehen. In der 38. Minute flankte Jerome Polenz von rechts halbhoch vors Tor, Torben Hoffmann köpft im Flug bei seinem Klärungsversuch den Ball an den eigenen Außenpfosten. Die anschließende Ecke flankte Timo Achenbach von rechts mit links hoch an den Torraum, Auer kam zum Kopfball, aber Rukavina konnte auf der Linie für seinen geschlagenen Keeper Philipp Tschauner klären (39.). In der 44. Minute war es erneut eine Standardsituation, die die Löwen in Schwierigkeiten brachte. Lehmann hatte eine Ecke von links hoch an den zweiten Pfosten geflankt, Lukasz Szukala verlängerte per Kopf auf Holtby in zentraler Position, der verfehlt mit seinem Kopfball aus fünf Metern freistehend nur um Millimeter den rechten Pfosten.

In der 2. Halbzeit musste Aachen alles auf eine Karte setzen. Dabei profitierten sie davon, dass die Löwen zu ängstlich und zu wenig zielstrebig bei Kontern agierten. Doch lange konnte das Team von Ewald Lienen die Führung verteidigen. In der 52. Minute spielte Lehmann aus zentraler Position den rechts gestarteten Manuel Junglas im Strafraum an, der fackelte nicht lange, zog aus spitzem Winkel volley ab, traf aus elf Metern aber nur krachend den Außenpfosten. Beide Teams kamen danach nicht zu klaren Chancen, wenngleich sich die Aachener einen optischen Vorteil erarbeiteten. In der 83. Minute wurden sie dann belohnt. Einen von der rechten Mittelfeldseite hoch in den Strafraum geschlagenen Ball blockte der eingewechselte Hervé Oussalé gegen Hoffmann frei, Markus Daun kam von hinten angerannt, schnappte sich das Leder, lief alleine auf Keeper Tschauner zu, der warf sich ihm entgegen, holte ihn dabei von den Beinen. Doch Schiedsrichter Robert Kempter ließ Vorteil gelten, da das Leder Auer vor die Füße fiel. Der Alemannen-Torjäger hatte dadurch keine Probleme, aus acht Metern zum 1:1 einzuschieben. In der Nachspielzeit - insgesamt ließ der Unparteiische fünf Minuten nachspielen - hatten die Löwen noch die Riesenchance zur erneuten Führung gegen die komplett aufgerückte Aachener Abwehr. Jedoch übersah Schäffler bei einer 2:1-Situation den rechts mitgelaufenen Rukavina, schloss deshalb aus über 30 Metern überhastet ab (90.). Damit blieb es beim 1:1, das letztlich trotzdem zum vorzeitigen Klassenerhalt reichte.


Stimmen zum Spiel

„Das war ein hartes Stück Arbeit", atmete Ewald Lienen nach seiner Premiere als Löwen-Coach tief durch. Seinem Team attestierte er die richtige Einstellung. „Die Mannschaft hat bis zur Erschöpfung alles gegeben." In der 1. Halbzeit habe man noch geordnet gestanden, das Spielfeld verengt, „ohne Aachen permanent in Schwierigkeiten zu bringen". In der 2. Halbzeit hätten die Gäste dann die Schlagzahl erhöht. „In den letzten 25 Minuten sind wir stark unter Druck geraten, auch weil wir die Konter nicht ruhig zu Ende gespielt haben." Selbst nach dem 1:1 hätte sein Team noch die Chance zum Siegtreffer gehabt. „Aber Manuel Schäffler hat nicht gesehen, dass er in einer 2:1-Situation war und Toni Rukavina mitnehmen konnte", zeigte sich Lienen verständnisvoll. Direkt nach dem Schlusspfiff habe er von Miki Stevic erfahren, dass es trotz des Remis zum Klassenerhalt gereicht habe. „Mir wäre aber lieber gewesen, wir hätten auch punktemäßig den Klassenerhalt erreicht - nicht nur über Tordifferenz. Auch bei den Spielern fehlte die letzte Begeisterung", stellte der 55-Jährige fest. „Vielleicht waren sie auch zu erschöpft. Rukavina wollte mir nach dem Schlusspfiff etwas sagen, hat 17 Mal Luft geholt und trotzdem habe ich nicht verstanden, was er wollte", erzählte Lienen. Von seinem ersten Auftritt als Löwen-Coach zeigte sich der 55-Jährige begeistert: „Ich hatte überhaupt keine Zeit mir auf der Bank Notizen zu machen, weil soviel Theater auf dem Platz war. Es war überragend zu sehen, was hier im Stadion möglich ist. Es war ein Traumtag, eine wunderschöne Atmosphäre. Ich nehme bis auf den halben Herzinfarkt, den ich erlebt habe, nur schöne Eindrücke mit." Nach dem Klassenerhalt blickte der Trainer in die Zukunft. „Logisch, dass ein Klub wie 1860 immer das Ziel hat, in die Beletage aufsteigen zu wollen. Wir müssen jetzt eine starke Mannschaft für die kommende Saison aufbauen.

Alemannen-Coach Jürgen Seeberger zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Ich wäre nicht über das 1:1 enttäuscht, wenn wir dieses Spiel nicht hätten gewinnen müssen. Dem Team kann ich nichts vorwerfen", so sein Fazit. Das 0:1 sei vermeidbar gewesen, danach hätten Hoffmann bei seinem Klärungsversuch und Holtby nur den Pfosten getroffen, der Kopfball von Auer sei auf der Linie geklärt worden. „Wir haben den Gegner in der eigenen Hälfte gebunden. Aber leider können wir in dieser Saison keinen Rückstand in einen Sieg umwandeln. Das begleitet uns schon das gesamte Jahr." Das Ziel für den letzten Spieltag sei es nun, „den 4. Platz zu verteidigen und den ‚Tivoli‘ würdig zu verabschieden".

Kapitän Benjamin Lauth, der entkräftet eine Viertelstunde vor dem Ende den Platz verlassen musste, zeigte sich erleichtert, „als kurz vor Schluss die Info aus Osnabrück kam, dass Ahlen den 2:2-Ausgleich gemacht hat. Besser wäre es natürlich gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Wir haben es uns selbst schwer gemacht, aber das Auftreten der Mannschaft hat gestimmt", zeigte sich der 27-Jährige zufrieden, „ein zweites Tor hätte die Situation auflockern können". Jeder könne aus dieser Saison für die kommende Spielzeit lernen, meinte der Stürmer. „Natürlich ist es schöner, wenn man oben mitspielt. Wir haben in dieser Saison nicht den schönsten Fußball gespielt. Da ist noch viel Luft nach oben." Über den neuen Coach meinte der Kapitän. „Wenn ein neuer Trainer kommt, ist die Konzentration immer sehr hoch. Er hat versucht, den Druck wegzunehmen und eine gewisse Lockerheit reinzubringen." Das sei ihm auch gelungen. Nun wolle man am letzten Spieltag Nürnberg ärgern. „Ich würde mich über einen Aufstieg des Clubs freuen, hätte aber auch nichts gegen ein Derby in der kommenden Saison vor ausverkauftem Haus", so Lauth mit einem Augenzwinkern.

„Die Erleichterung ist groß. Ich ärgere mich nur, dass wir nicht 1:0 gewonnen haben", sagte Innenverteidiger Torben Hofmann. „Wir haben in der 2. Halbzeit den Fehler gemacht, dass wir uns zu weit hinten reindrücken haben lassen. Am Schluss stellten sie mit Auer, Daun, Szukala und Oussalé gleich vier Mann vorne rein", so Hoffmann. „Wir konnten gerade noch den Worst Case abwenden." Die Planungen für die kommende Spielzeit könnten jetzt beginnen. „Die wichtigste Personalie war sicher der neue Trainer."

Ähnlich sieht dies auch Torhüter Philipp Tschauner. „Miki Stevic und Ewald Lienen müssen jetzt eine gute Mannschaft zusammenstellen. Wir haben über eine gesamte Saison keine konstante Leistung bringen können", bemängelte der 23-Jährige. Sein Fazit der abgelaufenen Spielzeit fiel deshalb negativ aus. „Wir haben unser Ziel klar verfehlt."
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