Mit zehn Mann fügten die Löwen Tabellenführer Arminia Bielefeld nach zuletzt 25 Punkten aus neun Spielen die erste Niederlage zu. Charilaos Pappas schloss in der 82. Minute mit seinem ersten Treffer für Sechzig einen Konter erfolgreich ab, sicherte so seinem Team den ersten Auswärtserfolg der Saison.Personal: Nicht mitwirken auf der Bielefelder Alm konnten Daniel Bierofka (Reha nach Bandscheiben-OP), Sandro Kaiser (Erkältung), Florin Lovin (Kreuzbandriss), Peniel Mlapa (Grippe), Ardijan Djokaj (Trainingsrückstand) und Kenny Cooper (Innenbandanriss). Die anderen Spieler fanden keine Berücksichtigung im Kader. Dagegen stand erneut ein Debütant in der Startelf der Löwen: Der Brasilianer Marcos Antonio.
Spielverlauf: Die Löwen waren von Trainer Ewald Lienen gut eingestellt, unterbanden von Beginn an das Flügelspiel der Arminen und standen auch im Zentrum kompakt. Der Tabellenführer hatte während der gesamten 90 Minuten nur zwei Torchancen, ebenso wie die Löwen, die aber ihre zweite Möglichkeit eiskalt ausnutzten. In der 34. Minute hatten die Ostwestfalen zunächst Glück. Marcos Antonios Eckball von der rechten Seite kam mit viel Schnitt hoch an den ersten Pfosten, Bielefelds Keeper Dennis Eilhoff konnte mit den Fäusten gerade noch vor José Holebas klären, doch nicht weit genug, so dass sein Verteidiger Radim Kucera im Luftkampf gegen Mate Ghvinianidze den Ball übers eigene Tor köpfen musste, um Schlimmeres zu verhindern. Wenig später passte Christopher Katongo an der linken Außenlinie auf Zlatko Janjic, der aus halblinker Position abzog, doch sein Flatterball aus 22 Metern senkte sich über Löwen-Torhüter Gabor Kiraly und über das Tor (40.). Glück hatten die Weiß-Blauen drei Minuten später. Einen Freistoß aus dem linken Halbfeld flankte Daniel Halfar an den zweiten Pfosten, wo gleich zwei Bielefelder vollkommen frei standen, Michael Lamey kam aus sechs Metern zum Kopfball, aber Kiraly lenkt das Leder mit einem Weltklasse-Reflex über die Querlatte (43.). Ansonsten bekämpften sich beide Teams vor allem in einer Zone 30 Meter vor und hinter der Mittellinie.
Im zweiten Durchgang änderte sich wenig. Etwa nach einer Stunde erhöhte Bielefeld die Schlagzahl. Aber weiterhin blieben klare Chancen Mangelware. In der 69. wurde Giovanni Federicos Schussversuch von Radhouène Felhi im Strafraum geblockt. Eine Minute später waren nur noch zehn Löwen auf dem Platz. Stefan Aigner, der schon Gelb gesehen hatte, kam bei einem Tackling gegen Arne Feick an der Mittellinie etwas zu spät, Schiedsrichter Robert Kempter zeigte sofort Gelb-Rot (70). Kurz zuvor hatte er noch bei dem ebenfalls gelbvorbelasteten Bielefelder Lamey in einer identischen Situation Gnade vor Recht ergehen lassen. Aufregung gab es auch in der 76. Minute. Eine Freistoßflanke von Halfar fing Kiraly sicher ab, ein am Boden liegender Bielefelder brachte ihn aber zu Fall, worauf dem Torwart der Ball entglitt. Lamey war zur Stelle, schoss das Leder ins Löwen-Tor. Doch lange zuvor hatte der Unparteiische die Szene bereits abgepfiffen. Danach flogen Feuerzeuge aus dem Bielefelder Fanblock in Kiralys Strafraum, der Keeper hob eins auf, wollte es dem Schiedsrichter geben, der ihm darauf die Gelbe Karte zeigte. Trotzdem behielten die Löwen in der hitzigen Schlussviertelstunde die Nerven, setzten in der 82. Minute den entscheidenden Konter. Benjamin Lauth hatte zehn Meter hinter der Mittellinie aus der Drehung auf den startenden Charilaos Pappas gepasst, der lief Feick davon, kam über rechts in den Strafraum, zog außen an Keeper Eilhoff vorbei und schob den Ball cool zum 1:0 ins leere Tor. Dies war übrigens der erste Gegentreffer für Bielefelds Keeper nach 843 Minuten!. Nur noch einmal mussten die Löwen um den Sieg zittern. In der 85. Minute setzte sich Franck Guela an der rechten Außenlinie gegen Ghvinianidze durch, enteilte dem Verteidiger, Sascha Rösler wollte angreifen, rutschte jedoch weg, mit links zielte der Franzose anschließend aus zehn Metern aufs lange Eck, doch erneut brachte Kiraly die Finger dazwischen, lenkte den Ball über den Querbalken. Damit feierten die Löwen im 7. Auswärtsspiel der Saison ihren ersten Sieg.
Stimmen zum Spiel:
Löwen-Trainer Ewald Lienen machte einen entspannten Eindruck nach dem Sieg an alter Wirkungsstätte unweit seines Geburtsortes Liemke in Ostwestfalen. „Ich hoffe, dass das heute ein Wendepunkt war. In den vergangenen Wochen haben wir keine positiven Ergebnisse erzielt, auch wenn wir läuferisch und kämpferisch Fortschritte zeigten", analysierte der 55-Jährige. „Es war sicher nicht unverdient, dass wir hier gewonnen haben."
Lienen lobte vor allem, dass sein Team die taktischen Vorgaben auf dem Spielfeld umgesetzt hatte. „Wir haben uns gut auf die Spielweise des Gegners eingestellt, es geschafft, im Mittelfeld eine ähnliche Grundordnung wie die Arminia herzustellen, wodurch wir sie in Schach halten konnten." Das gefährliche Flügelspiel des Tabellenführers fand dadurch überhaupt nicht statt. Auch nach dem Platzverweis von Stefan Aigner hielt sein Team die Ordnung. Auf den 22-Jährigen, der bereits zum zweiten Mal in dieser Saison vorzeitig zum duschen musste, war er diesmal nicht sauer, sondern auf Schiedsrichter Robert Kempter. „Wenn ein Spieler zwei Fouls im gesamten Spiel macht, dann kann ich ihn nicht vom Platz stellen", echauffierte sich der Löwen-Coach, der die Aktion als „normales Foulspiel" bewertete.
Dass ausgerechnet Lienens Joker Charilaos Pappas stach, erfüllte den Trainer, der den Stürmer aus seiner Zeit in Griechenland kannte und ihn nach München lotste, mit Stolz. „Das Tor hätte ich mir schon früher erhofft", sagte er. „Aber wir haben ihm bisher nicht viele Chancen dazu gegeben, weil er sich erst auf die Härte der Zweiten Liga einstellen musste. Das Tor hat er aber superklasse gemacht."
Bielefelds Coach Thomas Gerstner war nach der ersten Niederlage nach neun ungeschlagenen Spielen verständlicherweise unzufrieden mit seinem Team. „Der einzige, der überzeugt hat, war Arne Feick. Alle anderen haben mich enttäuscht", sagte er ohne die Leistung der Löwen zu schmälern. „Natürlich lag es auch an Sechzig, die uns außen gepackt hatten." Für die Pfiffe des Bielefelder Anhangs zeigte er Verständnis. „Ich als Fan hätte nach der 1. Halbzeit auch gepfiffen. Aber nach der Pause haben sie uns toll unterstützt." Die Länderspielpause wollte der Arminen-Trainer nicht für die Heimniederlage verantwortlich machen. Die Mannschaft hätte im Training sehr spritzig gewirkt. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir nicht konsequent durch die Mitte in die Tiefe gespielt haben, nachdem außen alles zu war." Auch Gerstner konnte der Leistung des Schiedsrichter-Gespanns nichts Positives abgewinnen. „Die waren schon vor dem Spiel bei der Auswahl der Trikots überfordert", so sein Kommentar zum Umstand, dass der Zeugwart die Auswärtstrikot vom Trainingsgelände holen musste, weil sich die Heimtrikots nach Aussage der Unparteiischen nicht genug von den Trikots der Löwen abhoben. „Außerdem war der Treffer in der 76. Minute aus meiner Sicht ein reguläres Tor."
Löwen-Sportdirektor Miki Stevic imponierte die „Art und Weise, wie wir mit zehn Mann gespielt haben. Die Mannschaft hat sich den Sieg verdient, auch wenn es am Ende eng und hektisch war. Wir haben zu Zehnt die Führung verteidigt." Einen Kommentar zum Platzverweis und der Schiedsrichterleistung wollte er nicht abgeben. „Grundsätzlich kommentiere ich das nicht. Das gleicht sich während einer Saison aus. Außerdem machen die Spieler mehr Fehler als die Schiedsrichter." Natürlich freute sich Stevic über den ersten Treffer von Charilaos Pappas. „Für solche Situationen haben wir ihn geholt. Der Trainer kannte ihn ja aus Griechenland. Er ist ein enorm schneller Spieler. Das hat er bei seinem Tor gezeigt" Das Fazit aus dem Spiel in Bielefeld fällt für Stevic rundum positiv aus. „Die Mannschaft hat endlich gesehen, dass Engagement sich lohnt, nachdem wir zuletzt viele Spiele unglücklich verloren haben. Ich hoffe, dass der Sieg das nötige Selbstvertrauen für die Zukunft bringt."
Für Löwen-Torhüter Gabor Kiraly, der mit seinen Paraden den Sieg rettete, waren es „sehr wichtige drei Punkte. Wir müssen aber am Boden bleiben. Es ist nichts passiert. Wir müssen weiter hart arbeiten." Für den 33-Jährigen war die Szene in der 76. Minute, als er den Ball fallen ließ, ein klares Foulspiel gegen ihn. „Ich hatte bereits den Pfiff gehört, deshalb bin ich auch nicht mehr auf den zweiten Ball gegangen. Aber wieso ich eine Gelbe Karte bekomme, nur weil ich dem Schiedsrichter das Feuerzeug geben will, verstehe ich nicht."
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