lebenslauf

Geburtsdatum: 07.02.1979
Nationalität: Deutsch
Größe: 178
Gewicht: 75
Vereine:

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Position: Mittelfeld

  • im Verein seit Juli 2007
  • Bisherige Vereine *
    | 1985 - 1993 SpVgg Feldmoching
    | 07/1993 - 06/1994 SpVgg Unterhaching
    | 07/1994 - 06/2000 FC Bayern
    | 07/2000 - 06/2002 TSV 1860 München
    | 07/2002 - 06/2005 Bayer Leverkusen
    | 07/2005 - 06/2007 VfB Stuttgart

Neue Position, gleicher Ehrgeiz

Oktober 2011 - Jahrelang auf der Außenbahn, „wirbelt" Daniel Bierofka (32) jetzt als neuer Sechser. Im Mittelfeld soll er für Stabilität und kreative Impulse sorgen. Der Routinier fühlt sich immer wohler in dieser Rolle.

Mit dem nötigen Abstand kann sich Daniel Bierofka sogar richtig freuen. Freuen über seinen Doppelpack, der ihm im letzten Heimspiel gegen Dynamo Dresden geglückt war. Am Ende stand es in der Allianz Arena 2:4 - für den Aufsteiger aus Sachsen. Große Freude über sein persönliches Erfolgserlebnis konnte die Nummer 7 der Löwen an diesem Tag ganz und gar nicht entwickeln. Im Gegenteil. Zu groß war der Frust über die Niederlage. Inzwischen sieht die Welt schon wieder etwas anders aus, die Enttäuschung über die deftige Niederlage im eigenen Stadion ist einigermaßen verdaut.

Nach solchen Spielen ist der 32-Jährige eigentlich überhaupt nicht ansprechbar, der Ärger ist ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. „Früher war das noch viel extremer, mittlerweile kann ich schon etwas besser damit umgehen." Großen Anteil daran hat zum einen seine Frau Nicole („Sie kennt mich inzwischen...") und natürlich seine beiden Kinder, Sohn David und Töchterchen Zoe Nicole. „Wenn ich heute nach verlorenen Spielen zu meiner Familie nach Hause komme, merke ich schnell, dass es außer Fußball noch andere Dinge im Leben gibt. Das hilft." Ein wenig zumindest, trotzdem: „Wenn ich auf den Platz gehe, will ich unbedingt gewinnen. Schaffen wir das nicht, dann ist dieser Tag für mich gelaufen, und der nächste auch", gibt er zu.

Und so war es eben auch nach jenem Doppelplack am 10. Spieltag, mit dem er im Grunde lediglich Ergebniskosmetik betrieb. Dabei waren diese zwei Treffer gegen Dynamo Dresden durchaus etwas Besonderes, denn es lag eine ganze Weile zurück, dass Daniel Bierofka ein eigenes Tor bejubeln durfte. Fast zweieinhalb Jahre genau genommen.

Es war der 15. Februar 2009, als er im Heimspiel gegen Rot Weiss Ahlen per Kopf nach Flanke von Stefan Aigner das 1:0 und damit sein letztes Löwentor erzielte. Mit diesem Treffer hatte er übrigens gewissermaßen Geschichte geschrieben, denn die Partie lief gerade einmal 21 Sekunden, als er einnetzte. Seit diesem Blitztor steht kein weiterer Eintrag in der persönlichen Statistik, was in erster Linie daran liegt, dass den ehrgeizigen Profi schon im darauffolgenden Spiel wieder einmal eine Verletzung für den Rest der Saison und weit darüber hinaus außer Gefecht setzte. Nach einem Sehnenriss im Adduktorenbereich stellten sich zunächst hartnäckige Probleme im Rücken-, Becken- und Leistenbereich ein. In der Folge wurde eine Schambeinentzündung diagnostiziert, vier Mal musste der Mittelfeldspieler deshalb einen operativen Eingriff über sich ergehen lassen. In der Saison 2009/2010 konnte er kein einziges Spiel bestreiten.

"Stehaufmännchen" der Löwen

Daniel Bierofka und die vielen Operationen - ein dickes Buch mit vielen Kapiteln und leider beständiger Begleiter einer beachtlichen Karriere. Zählt man den letzten Eingriff im März dieses Jahres dazu, bei dem ihm ein Fadengranulom im Oberschenkel als Folge einer zurückliegenden OP entfernt wurde, kommt man auf 19 Operationen. Oder doch 18? „Ich habe aufgehört zu zählen. Mich nervt inzwischen diese Zählerei. Für die Medien ist es natürlich super, irgendwann sind wir dann bei 30." Er habe vor allem damit ein Problem, dass so der Eindruck entsteht, es handele sich um 18 oder 19 unterschiedliche Verletzungen. „Bei meiner Knieverletzung waren es allein schon zehn OPs in einem Jahr", betont er und spricht damit das Horrorjahr an, das im Juni 2005 mit einem Knöchelbruch im linken Fuß seinen Lauf nahm.

Tatsächlich dürfte es nicht viele geben, die nach solchen Rückschlägen und Hiobsbotschaften immer wieder die Kraft aufgebracht hätten, aufzustehen. „Von zehn Leuten hätten sich bei dieser Leidensgeschichte mindestens neun unterkriegen lassen", sagte Cheftrainer Reiner Maurer gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Aber er hat einen äußerst großen Ehrgeiz, er ist ein unwahrscheinliches Stehaufmännchen." Auch Marek Mintal äußerste erst vor kurzem anlässlich des Gastspiels der Löwen bei Hansa Rostock seinen großen Respekt vor dem ehemaligen Nationalspieler: „Ich kann ihn nur bewundern. Er hatte unzählige Operationen und kam immer wieder zurück. Das ist toll, so einer ist ein echtes Vorbild für einen starken Willen."

Einen starken Willen hat er - unbestritten. Verbunden mit einer unbändigen Einsatzbereitschaft und Leidenschaft für seinen Beruf. Für die Löwen ist er deshalb mehr denn je eine Konstante. Neben Kevin Volland ist Fanliebling „Biero" übrigens der einzige Spieler, dessen Leistung vom kicker Sportmagazin im Notendurchschnitt bislang mit einer 2 vor dem Komma bewertet wird. 2,83 steht da schwarz auf weiß, er ist damit „Klassenbester". Dies ist umso bemerkenswerter, als er, bis dato als Inbegriff des Flügelläufers geltend, seit Beginn dieser Saison auf einer komplett neuen Position agiert.

Die 7 als neuer Sechser. Dabei war die Aussicht, überhaupt einen Platz in der Startelf zu erlangen, im Sommer eher bescheiden. Auf seiner eigentlichen Stammposition war mit Daniel Halfar und Stefan Aigner die Konkurrenz groß, die beiden nach den Leistungen der Vorsaison prinzipiell gesetzt. „Der Trainer hat mir vor der Saison klipp und klar gesagt, dass es für mich schwer wird zu spielen. Und ich selbst wusste ja nach den Verletzungen im letzten Jahr auch nicht, wie es läuft."

Bereits in der Vorbereitung durfte sich Daniel Bierofka in seiner neuen Rolle im defensiven Mittelfeld ausprobieren. Im Testspiel gegen den SSV Ulm zum Beispiel. Anders als auf der linken Abwehrseite, was Coach Reiner Maurer ebenfalls schon als Variante ausprobierte, lief das Experiment in der Zentrale recht ordentlich. „Anfangs habe ich mir keinen großen Kopf über die Position gemacht, sondern einfach locker drauf los gespielt", erzählt er. Im Liga-Alltag sah die Sache dann schon etwas anders aus. „Ich habe gewissermaßen Video-Fortbildung gemacht und mir viele Spiele und die Spieler, die auf dieser Position spielen, intensiv angeschaut." Und wie war das mit Bastian Schweinsteiger als Vorbild? Daniel Bierofka schüttelt den Kopf. „Das war auch so eine Sache, das war typisch Medienlandschaft. Ich habe gesagt, ich habe mir viele Spieler angeschaut, unter anderem Schweinsteiger. Wahrscheinlich hätte ich diesen Namen weglassen sollen."

Zwei Tore fürs Selbstvertrauen

Egal. Anschauungsunterricht benötigt er ohnehin nicht mehr. Nach inzwischen zehn von elf Spielen in der Mitte „habe ich verstanden, wie man spielt, wann ich richtig oder falsch stehe. Ich denke, dass die Qualitäten, die ich mir über die vielen Jahre angeeignet habe, mir auch als Sechser ganz gut zu Gesicht stehen. Außerdem weiß ich, welche Bälle die Außenspieler brauchen, und versuche, diese gut in Szene zu setzen. Das ist ein Vorteil." Es war auch nicht nötig, dass der Trainer ihn speziell auf die Defensivposition vorbereitete. Reiner Maurer habe vielmehr auf seine Erfahrung gesetzt und darauf vertraut, dass er die neue Aufgabe gut umsetzt. „Ich glaube, er wollte mich damit nicht noch belasten. Er hat einfach gesagt, geh rein und schau, dass du deine Sache so gut machst, wie du es kannst."

Er hat gezeigt, dass er es kann. Und er hat seinem Coach wieder einmal bewiesen, dass auf ihn hundertprozentig Prozent Verlass ist - weil er immer alles gibt und nie aufgibt. Seine beiden Tore, die das Dresden-Spiel aus Löwensicht zum Ende noch ein bisschen aufpoliert haben, sind bestes Beispiel dafür. Für den Schützen selbst bedeutet das persönliche Erfolgserlebnis aber noch etwas mehr. „Es war natürlich schön, das Gefühl wieder zu kennen, wie es ist, wenn man trifft. Im Nachhinein war es vor allem aber ein riesen Erfolg für mich selbst. Der erste Sieg war, dass ich überhaupt wieder spiele. Die Tore waren vielleicht jetzt der Lohn dafür, dass ich nie aufgegeben habe."

Seine Außenbahn vermisst er nicht mehr, und dass, obwohl er so lange Zeit, rund zwölf Jahre lang, die Linie links oder auch rechts entlang marschiert und gedribbelt ist. Seine Saisontreffer eins und zwei geben ihm zusätzlich Aufschwung und Selbstvertrauen. „Ich habe mich jetzt voll auf die neue Position eingelassen. Es macht mir richtig Spaß und ich bin froh, dass ich regelmäßig zum Einsatz komme. Ich bin ja auch schon 32...", sagt der Realist. Konkrete Pläne für die Zeit nach seiner aktiven Karriere muss er noch nicht schmieden.

Sein Vertag bei den Löwen läuft bis 2013, also noch eine weitere Saison. Im Januar, zu einem Zeitpunkt, als die finanzielle Zukunft des Traditionsvereins noch nicht gesichert war, hatte der gebürtige Münchner seinen auslaufenden Vertrag bei sofortiger Anpassung der Bezüge verlängert. Und damit auch ein Zeichen gesetzt. „Daniel hat damit einen substantiellen Beitrag für die Sanierung geleistet und große Solidarität gezeigt", lobte Geschäftsführer Robert Schäfer und stellte seine Vorbildfunktion auch in diesem Fall heraus. Dass er dem Fußball und auch den Löwen verbunden bleibt, ist mehr als wahrscheinlich. „Irgendwo im Jugendbereich", stellt er sich vor.

Wie das so ist mit dem Nachwuchs, kann er derzeit schon einmal in der eigenen Familie üben. Sein fünfjähriger Sohn David macht gerade seine ersten Schritte im Fußball. Beim SV Waldeck Obermenzing, direkt vor der Haustür der Bierofkas, spielt er in der G-Jugend. „Man sieht schon, dass er es gerne macht. Noch ist er der absolut Kleinste in seiner Mannschaft, da tut er sich schon noch ein bisschen schwer." Natürlich lässt der Papa es sich nicht nehmen, mit dem Sohnemann zu kicken. Im Sommer war David sogar einmal mit seiner Mannschaft zu Besuch an der Grünwalder Straße. Selbstverständlich gab es da auch eine extra Trainingseinheit mit dem „großen Vorbild". Doch auch Opa „Willi" Bierofka hat seine Freude daran, den Kleinen spielen zu sehen. Wie groß ist der Ehrgeiz in so einer eingefleischten Fußballerfamilie? „David hat da schon ein ziemlich schweres Los", lacht der Vize-Kapitän, „ich halte mich schon etwas zurück, der Opa ist ohnehin mit Leib und Seele dabei".

Der Anfang ist also gemacht. Ob der kleine David einmal die Bierofka-Tradition beim TSV 1860 fortsetzen wird? Man darf gespannt sein. Ein Herz für die Löwen hat er bereits. Bei jedem Heimspiel ist er in der Allianz Arena dabei und hat seine Trikots zu Hause. „Er kann sich schon mit dem Verein identifizieren und hat Spaß daran. So rutscht man halt in die Schiene mit rein. Das ist einfach so in der Familie. Wenn mein Vater bei Gladbach gespielt hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich Gladbach-Fan und David auch."

Gut, dass es dann doch so gekommen ist, wie es ist. Den Löwen würde ansonsten nämlich nicht nur eine echte Identifikationsfigur fehlen, sondern ihr wahrscheinlich allergrößtes Kämpferherz.

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Torschützenliste

Pl. Name Tore
1 Kevin Volland 14
2 Stefan Aigner 11
3 Benjamin Lauth 11
4 Daniel Bierofka 6
5 Djordje Rakic 5
6 Daniel Halfar 3
7 Guillermo Vallori 2
8 Necat Aygün 1
9 Manuel Schäffler 1
10 Kai Bülow 1
11 Dominik Stahl 1
12 Christopher Schindler 1
13 Sandro Kaiser 1
14 Stefan Buck 1
15 Dennis Malura 0
16 Collin Benjamin 0
17 Daniel Hofstetter 0
18 Bobby Wood 0
19 Markus Ziereis 0
20 Marcel Kappelmaier 0
21 Sebastian Maier 0
22 Phillipp Steinhart 0
23 Arne Feick 0
24 Antonio Rukavina 0
25 Benjamin Schwarz 0
26 Jonatan Kotzke 0
27 Maximilian Nicu 0
28 Gabor Kiraly 0
29 Timo Ochs 0
30 Vitus Eicher 0
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