Kauczinski: „Wir sind nicht in der Position, irgendwen zu unterschätzen!“

Löwen-Trainer Markus Kauczinski fordert von seiner Mannschaft, den Fokus auf das „hier und jetzt“ zu richten.
Auch vor dem Auswärtsspiel in Hannover konnte Löwen-Trainer Markus Kauczinski keine Entspannung beim Personal vermelden. Neben den langzeitverletzten Tunay Deniz und Max Christiansen fehlen weiterhin Sean Dulic, Samuel Althaus und Manuel Pfeifer. Das gilt auch für Jesper Verlaat, der am weitesten von den Rekonvaleszenten sei. „Er ist zum Teil im Training dabei, aber noch nicht einsatzfähig“, so der 55-Jährige, „wir bauen in behutsam auf, sind nach dem Rückschlag vorsichtig. Er ist zwar schmerzfrei, aber noch nicht komplett eingebunden und nicht in der Dynamik. Wir schauen von Woche zu Woche.“ Pfeifer sei knapp hinter dem 1860-Kapitän, bei Dulic und Althaus dauere die Rückkehr noch länger.
Verzichten muss Kauczinski auch auf Kevin Volland und Florian Niederlechner aufgrund ihrer 5. Gelben Karte sowie auf Youngster Loris Husic, der mit der österreichischen U19-Nationalmannschaft derzeit einen Lehrgang absolviert, am Dienstag in Lousada gegen Portugal spielte und mit 0:1 unterlag. Interessant wird vor allem werden, wer die Volland-Position übernimmt. Dabei denkt Kauczinski auch über eine Änderung in der Systematik nach. „Es gibt die Möglichkeit, ob wir mit einer Spitze spielen, zwei Zehnern, oder ob wir die Position eins zu eins ersetzen können.“ Als Kandidaten kämen Maximilian Wolfram, der gegen den VfB II zur Halbzeit eingewechselt wurde, und David Philipp in Frage. „Wir haben Jungs, die das können und die das in der Vergangenheit gut gemacht haben“, macht sich der Löwen-Trainer deshalb wenig Sorgen.
Überraschend legte sich Kauczinski frühzeitig bei den beiden Außenpositionen in der Fünferkette fest, wo er zuletzt immer wieder gewechselt hatte. Neben Clemens Lippmann, der sowohl rechts als auch links spielen kann („Er ist der Konstanteste!“), soll diesmal Tim Danhof seine Chance von Beginn an erhalten. „Tim hat das mit seinen Auftritten zuletzt verdient, weil er Einsatz gezeigt hat, mutig ist und immer wieder Flanken aus dem Halbfeld bringt“, begründete der Trainer seine Entscheidung.
Nicht ganz konnte Kauczinski die Ansicht von Präsident Gernot Mang teilen, der in einem Interview unter der Woche dem Team Kampf, Siegeswillen und Mentalität bei der 1:2-Auswärtsniederlage gegen den VfB Stuttgart II abgesprochen hatte. „Ich glaube, dass man schon Mentalität und diesen Willen zum Sieg gesehen hat. Wir haben gut angefangen, hatten Möglichkeiten zur Führung und die Dinge so weit im Griff. Uns verrutscht dann eine Phase, dann gibt's ein Doppelschlag und der hat uns kräftig durchgeschüttelt“, analysiert der Löwen-Coach. Das sei am Team nicht spurlos vorbeigegangen. „Du liegst dann plötzlich gegen eine spielstarke Mannschaft 0:2 zurück, obwohl du gut begonnen hast. Da solltest du die Nerven bewahren, was man auch erwarten kann, aber was uns nicht gelungen ist.“ Trotzdem habe man sich in der 2. Halbzeit zurückgekämpft. „Es war dann ein offenes Spiel!“ Kauczinski gibt aber zu, dass die VfB-Reserve immer wieder zu Chancen gekommen sei. „Wir hatten einfach Probleme mit den Offensivkräften der Stuttgarter. Das hat aber nichts mit Willen zu tun, sondern einfach damit, dass die gut waren und wir einen schlechten Tag hatten. Wir haben alles bis zum Schluss probiert, hätten einen Elfmeter bekommen müssen. Mit etwas Glück machen wir das 2:2, auch wenn der VfB das bessere Team in diesem Spiel war.“ Der Auftritt habe nichts mit Willen zu tun gehabt, sondern mit den Spielumständen. „Wir bekommen zu leichte Gegentore, machen zu viel Fehler. Insgesamt waren wir mit und gegen den Ball zu fehlerhaft – auch in unserer Struktur.“
Mittlerweile warten die Löwen seit fünf Spielen auf einen Sieg. „Das beschäftigt die Spieler und auch mich selbst“, gibt Kauczinski unumwunden zu. „Aber wir haben es die Woche geschafft, die Dinge abzuschütteln. Wir haben auch ordentliche Auftritte hingelegt, wo man mit ein bisschen Glück gewinnen kann. Dieses Glück konnten wir nicht auf unsere Seite ziehen.“ Es gelte jetzt, weiterzukämpfen, noch mehr Energie reinzulegen, einfach mehr „durchzuarbeiten“, um nicht diese Wechsel, diese Schwächephasen im Spiel zu haben. „Wir haben uns ein bisschen im Kreis gedreht, weil wir Dinge nicht durchziehen. Aber wir haben bereits gezeigt, dass wir das können. Daran gilt es wieder anzuknüpfen.“ Man müsse den Fokus wieder auf das hier und jetzt richten. „Das hat zuletzt gefehlt. Jeder einzelne muss sich zusammenreißen und seinen Job machen und dann gemeinsam noch mehr reinlegen“, fordert er.
Aufsteiger TSV Havelse belegt in der Tabelle den vorletzten Platz. Trotzdem sieht der Löwen-Trainer das Spiel keineswegs als Selbstläufer. „Wir müssen wirklich nur auf uns schauen, egal wer der Gegner ist, ob er mehr oder weniger Punkte hat als wir. Es kommt nur auf uns an!“ Havelse verfüge über eine spielstarke Mannschaft, die sich ihrer Lage bewusst ist. „Sie gelten vom ersten Tag an als Abstiegskandidat, können damit umgehen und machen ihr Ding.“ Sein Team sei nicht in der Position, „irgendwen zu unterschätzen. Wenn man die letzten Spiele nimmt, ist Havelse vom Punkteschnitt wahrscheinlich besser als wir. Deshalb fühlen wir uns nicht als super Favorit, sondern müssen das Glück erzwingen. Das Selbstbewusstsein holt man sich, indem man es anpackt, indem man einfach mehr investiert. Da ist der Gegner relativ egal“, lautet Kauczinskis Credo.
MÖGLICHE AUFSTELLUNGEN
HAV: 1 Opitz (Tor) – 15 Duah, 6 Belkahia, 4 Kolgeci – 22 Sommer, 14 Ilic - 8 J. Berger – 19 Boujellab, 10 Düker – 33 Rexhepi, 9 Paldino.
Ersatz: 29 Quindt, 40 Busse (beide Tor) – 3 Schleef, 5 Minz, 7 Aytun, 11 Jaeschke, 20 Schepp, 23 Müller, 28 Rufidis, 31 Oltrogge, 38 Svitek, 39 Riedel, 43 Polster.
Es fehlen: 16 Engelking, 24 Plume.
1860: 21 Dähne (Tor) – 37 Schifferl, 16 Reinthaler, 3 Voet – 2 Danhof, 26 Maier, 5 Jacobsen, 41 Lippmann – 8 Philipp – 34 Hobsch, 22 Haugen.
Ersatz: 12 Qela, 40 Bachmann (beide Tor) –9 Steinkötter, 17 Schröter, 18 Jakob, 23 Dordan, 29 Rittmüller, 30 Wolfram, 31 Volland, 33 Faßmann, 42 Klose, 43 Fuchs.
Es fehlen: 4 Verlaat, 7 Niederlechner, 13 Christiansen, 20 Althaus, 25 Dulic, 27 Pfeifer, 31 Volland, 36 Deniz, 44 Husic.
Schiedsrichterin: Fabienne Michel (Gau-Odernheim); Assistenten: Stefan Zielsdorf (Haselünne), Johannes Wagner (Ingolstadt); Vierter Offizieller: Tim Kohnert (Gerwisch).
