Manfred Paula: „Wir müssen bestimmte Dinge verändern, um erfolgreich zu sein!“

In der Liga geht nicht mehr viel für die Löwen, trotzdem ist es wichtig im Hinblick auf das Finale im Landespokal am 23. Mai 2026 bei den Würzburger Kickers, die Konzentration und Form beizubehalten. „Es wird darauf ankommen, dass wir in der Vorbereitung auf die einzelnen Spiele während der Trainingswoche den Spannungsbogen hochhalten. Das gelingt in erster Linie über Intensität im Training, über Emotionalität, die wir reinbringen wollen“, erklärt Paula. Schließlich wird nicht nur der Titel des Landespokalsiegers vergeben, sondern es geht auch um die Qualifikation für die Hauptrunde im DFB-Pokal 2026/2027, die mit Renommee und zusätzlichen Einnahmen verbunden ist.
Fehlen wird dort, wie auch gegen seinen Ex-Klub SSV Ulm 1846 am kommenden Samstag Philipp Maier wegen einer am letzten Spieltag zugezogenen Fußverletzung. „Das ist sehr, sehr bitter für Philipp, dem ich einen guten Genesungsprozess wünsche“, fühlt Paula mit dem Defensivspezialisten. „Wir haben in der letzten Reihe nicht mehr allzu viele Optionen“, hatte Maier doch in Saarbrücken in der Innenverteidigung ausgeholfen. „Was mich an der Stelle jedoch zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass Damjan Dordan gezeigt hat, dass er die Position gut ausfüllen kann. Insofern haben wir schon noch Möglichkeiten, für dieses Wochenende zu reagieren.“
Unabhängig vom aktuellen Tagesgeschehen laufen schon die Planungen für die kommende Spielzeit. Während Clemens Lippmann die Löwen auf eigenen Wunsch im Sommer verlassen wird, konnten die Verträge mit Torhüter Thomas Dähne und Mittelfeldspieler Tunay Deniz verlängert werden. „Tommy Dähne hat zuletzt eindrucksvoll bewiesen, dass er eine extrem wichtige Stütze für die Mannschaft ist, dass er sich als Führungsspieler der Verantwortung stellt“, freut sich Paula, dass es gelungen ist, den 32-jährigen Oberbayer mit Erstligaerfahrung weiter zu binden. Bei Tunay Deniz habe dessen spielerisches Potenzial den Ausschlag gegeben. „Er hat einen sehr positiven Rekonvaleszenzprozess durchlaufen und wir sind zuversichtlich, dass er wieder auf sein Niveau kommen wird, um der Mannschaft mit seinen spielerischen Möglichkeiten und seiner Kreativität zu helfen.“
Grundlage für die Planungen der kommenden Saison, so Paula, sein eine ausführliche Analyse der vergangenen Wochen durch die sportliche Leitung. „Durch die Bewertung der Ergebnisse sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir bestimmte Dinge verändern müssen“, erzählt der 61-Jährige. Selbst in Spielen, wo das Team drei Punkte holen konnte, sei man teilweise mit dem spielerischen Ansatz nicht zufrieden gewesen. „Da müssen wir besser werden, da haben wir als sportliche Leitung eine andere Vorstellung. Deswegen ist es für uns wichtig gewesen, aus der Analyse heraus Kriterien abzuleiten, die für uns in der kommenden Saison sportlich entscheidend sind.“
Im Vordergrund stehe deshalb, mit hohem Tempo nach vorne zu spielen und immer einen offensiv orientierten Ansatz zu wählen. „Dazu gehört vor allem, dass nach Ballgewinn sofort der erste Gedanke in Richtung gegnerische Hälfte geht. Wir wollen Ballsicherung nur dann betreiben, wenn es einfach keine Möglichkeit gibt, den ersten Pass nach vorne zu spielen, wenn es keine Anspielstationen in der Offensive gibt.“ Daraus, so Paula weiter, würden die Anforderungen an den künftigen Kader resultieren.
Neben den sportlichen Kriterien sei zudem wichtig, dass die Spieler „eine gewisse physische Resistenz oder auch Verfügbarkeit über die gesamte Saison hinweg gewährleisten können“, führt der Geschäftsführer aus. „Wir wissen alle, dass der beste Spieler der Mannschaft nicht helfen kann, wenn er über große Strecken der Saison nicht trainings- und spielfähig ist. Deswegen ist das auch ein wichtiges Kriterium in der Entscheidung.“
Unter diesen Prämissen habe sich der TSV 1860 München deshalb entschieden, die auslaufenden Verträge mit Maximilian Wolfram, David Philipp, Morris Schröter, Thore Jacobsen, Raphael Schifferl und Jesper Verlaat nicht zu verlängern. „Das ist im Einzelfall menschlich immer eine sehr schwere Entscheidung. Aber am Ende des Tages müssen wir sie treffen, um aus unserer Sicht in der kommenden Saison sportlich erfolgreich sein zu können“, begründet Paula die Entscheidungen, die ihm nicht leichtgefallen sind.
Dagegen ist Paula zuversichtlich, dass Sigurd Haugen auch in der kommenden Saison das weiß-blaue Trikot tragen wird. „Es ist klar, dass ein Spieler wie Siggi, der in dieser Saison glänzende Auftritte hingelegt hat, Begehrlichkeiten und Interesse anderer Vereine und höherklassiger Klubs weckt. Tatsache ist aber auch, dass er bei uns für die kommende Saison einen Vertrag hat und sich selbst dahingehend geäußert hat, dass er sich bei uns wohlfühlt und gerne den Weg mit der Mannschaft weitergehen möchte.“
Derzeit sind also sieben Abgänge aus dem aktuellen Kader fix. Spieler wie Simen Voet, Patrick Hobsch, Kevin Volland oder auch die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Sean Dulic oder Lasse Faßmann haben noch Verträge für die kommende Saison. Ansonsten laufen bereits seit der Winterpause Gespräche mit Spielern und ihren Beratern, wie Paula bestätigt, die gehalten werden sollen. „Wir loten die Möglichkeiten aus. Sobald wir irgendwo eine vertragliche Einigung erzielt haben, werden wir umgehend informieren. Ich halte aber wenig davon, eine Zeitschiene zu benennen. Das wäre nicht zielführend aus meiner Sicht.“
Analog zum Bestands-Kader schauen sich die Löwen auch nach potenziellen Neuzugängen um, die von ihrem Profil zur künftigen Spielausrichtung passen. „Allerdings gilt auch hier, dass wir erst dann informieren, wenn eine vertragliche Einigung erzielt worden ist“, stellt Paula klar. Am liebsten würde der in Aichach wohnende Geschäftsführer zum Trainingsauftakt den Kader für die Saison 2026/2027 weitgehend komplett beisammenhaben. „Es ist aber aus der Erfahrung heraus immer so, dass der ein oder andere Spieler, der von seinem Profil und seiner Persönlichkeit zu uns passen könnte, erst später interessant wird. Deshalb versuchen wir, uns Optionen offen zu halten.“