SECHZIGMÜNCHEN.
 

Interview Marco Haber: „Es ist für beide Klubs eine Art Endspiel!“

Marco Haber arbeitet seit letzten August für die Löwen, gewann 1991 als Spieler mit dem 1. FC Kaiserslautern die Deutsche Meisterschaft. 

Marco Haber arbeitet seit August 2020 beim TSV 1860 München. Der im pfälzischen Grünstadt geborene Ex-Profi debütierte mit 18 Jahren beim 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga, gewann eine Jahr später als Stammspieler mit dem FCK die Deutsche Meisterschaft. Insgesamt zehn Jahre trug er das Dress der Roten Teufel, später war er noch Teammanager der Lauterer Profis und Koordinator im Nachwuchsleistungszentrum. Mit dem 49-Jährigen unterhielt sich tsv1860.de im Vorfeld des Heimspiels der Löwen gegen den 1. FC Kaiserslautern am 4. Mai 2021 im Grünwalder Stadion.

Seit letztem Sommer arbeitest Du im NLZ „die Bayerische Junglöwen“. Was machst Du da genau?
Marco Haber:
Ich bin seit August hier und bin Leiter der Talentsichtung und Kaderplanung. Das Kerngebiet ist der Leistungsbereich, weil wir auch Koordinatoren für Grundlagen- und Aufbaubereich haben. In dieser Funktion unterstütze ich NLZ-Leiter Manfred Paula. Darüber hinaus, als es noch ging, war ich ins Schultraining eingebunden, um auf dem Platz die Schüler individuell zu verbessern. Leider war das aufgrund von Corona nicht lange möglich. Durch die Pandemie war der Einstieg bei den Löwen schwierig. Effektiv konnte ich nur sechs Wochen sichten.

Beim FCK wurdest Du Profi, hast 1991 die dritte von vier Deutschen Meisterschaft mit den Roten Teufeln gefeiert. Wie sehr schmerzt es Dich, was sich zuletzt auf dem Betzenberg abgespielt hat?
Marco Haber:
Ich habe viele Jahre meines Fußballer-Lebens in diesem Verein verbracht. Deshalb schmerzt es immer noch, auch wenn ich mich emotional davon etwas frei gemacht habe. Es war ein schleichender Prozess gewesen, der schon ein paar Jahre zuvor begonnen hat – mit unglücklichen und falschen Entscheidungen, vielleicht auch mit Fehleinschätzungen. Leider ist Lautern dadurch in eine Spirale gekommen, wo es schwer ist, wieder rauszukommen. Auf Traditionsvereine wie der FCK oder Sechzig werfen viele Leute einen Blick, sie stehen ständig im Fokus und sind mit viel Fan-Emotionen verbunden. Sie haben es wesentlich schwerer als andere Klubs, wenn der Erfolg ausbleibt und die Ziele nicht erreicht werden, weil die Erwartungshaltung im Umfeld entsprechend hoch ist.

Beide Teams brauchen am Dienstagabend die Punkte, Sechzig um die Aufstiegschance zu wahren, Lautern, um nicht wieder unten reinzurutschen. Fiese Frage: Wie ist Dein Tipp?
Marco Haber:
Ich finde, dass Sechzig eine Riesensaison spielt, sehr stabil ist und in den letzten Spielen gezeigt hat, dass sie unter dieser Drucksituation klarkommen und die drei Punkte einfahren können. Deshalb glaube ich, dass sie gegen Lautern gewinnen. Umgekehrt hat der FCK auch wieder mehr Stabilität, hat sich von den Abstiegsplätzen herausgekämpft. Es wird ein ganz, ganz enges Ding! Für beide Klubs ist es eine Art Endspiel darum, in welche Richtung es geht, ob Lautern wieder unten reinrutscht oder 1860 oben dranbleibt. Es ist Crunch time! Nach diesem Spieltag kann für eine der beiden Mannschaften die Chance kleiner sein, das anvisierte Ziel zu erreichen.

Seit dem Abstieg in die 3. Liga hat der FCK immer zu den Aufstiegsfavoriten gezählt. Wieso ist es aber nie gelungen, die zweifellos vorhandene Qualität konstant auf den Platz zu bringen?
Marco Haber: Ich kann das nur von außen betrachten, deshalb will ich mir nicht anmaßen, das zu bewerten oder zu begründen. Für eine Erklärung bin ich eigentlich zu weit weg. Offensichtlich ist aber, dass es von den Zusammenstellungen nicht gepasst hat, dass die erwartbaren Leistungen eigentlich nie erfüllt werden konnten. Dazu kamen immer wieder interne Probleme. Das ist eine Sache, die den Klub schon seit den Abstiegen verfolgt. Wirtschaftlich hat der FCK immer zu den Kadern in der 3. Liga gehört, die man ganz oben ansiedeln musste. Leider sind dabei nicht die entsprechenden Ergebnisse und Leistungen am Ende rausgekommen. Vielleicht haben auch die Charaktere gefehlt, die für so eine Truppe wichtig sind. Das Theater in der Führung und die Unruhe im Umfeld waren auch nicht förderlich für Mannschaft und Trainerteam, um zielorientiert zu arbeiten.

Die Fans beider Lager sind befreundet, zwischen beiden Klubs gibt es viele Parallelen. Eigentlich schade, dass sie sich gegenseitig die Punkte nehmen müssen.
Marco Haber: Es sind zwei Traditionsvereine, die eine lange Bundesliga-Geschichte mitbringen und eine unheimliche Strahlkraft haben, sich Sympathien erspielt und erarbeiten konnten – nicht nur in ihrer eigenen Region, sondern deutschlandweit. Beide haben ein großes Einzugsgebiet mit einer großen Fangemeinschaft, die auch eine Verbindung zueinander pflegt. Das habe ich als Spieler selbst miterlebt mit gemeinsamen Schals, Fahnen, Treffen und Austausch untereinander, aber auch mit gegenseitiger Unterstützung in wichtigen Spielen gegen Konkurrenten wie Waldhof oder den FC Bayern.

Deine Prognose: Wo landet Sechzig am Ende der Saison, wo der FCK?
Marco Haber:
Für mich ist es unvorstellbar, dass Lautern absteigt. Ich will es mir und kann es mir nicht vorstellen. Es wäre eine Katastrophe. Schon jetzt sind die Fans und Mitglieder am Rande der Verzweiflung. Aber ich glaube fest, dass sie es schaffen. Die Punkte wird der FCK holen, aber nicht am Dienstag. Denn für Sechzig ist ein Sieg wichtig, um weiter oben Druck auszuüben und die Chance zu wahren, am Ende aufzusteigen. Denn an diesem Spieltag treffen mit Ingolstadt und Rostock zwei direkte Konkurrenten der Löwen aufeinander. Bei drei Punkten hätte es Sechzig an den letzten drei Spieltagen selbst in der Hand. Ich sehe sie unter den Top Drei!

Wo schaust Du Dir das Spiel an?
Marco Haber: Um 18.60 Uhr bin ich am Dienstag in der Regel noch hier, weil wir uns zur Zeit in der heißen Phase befinden, was Probespieler im Training angeht. Ich muss mir die Jungs anschauen und Gespräche führen. Wahrscheinlich schaue ich mir das Spiel dann im NLZ an. Für mich ist das eine spannende und hochemotionale Sache mit der ganzen Konstellation…

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