SECHZIGMÜNCHEN.
 

Die Neuen: Ein Sixpack für die 3. Liga – Teil 3: SC Verl.

Der SC Verl ist ein absoluter Neuling in einer nationalen Liga. 

Zwei Absteiger, vier Aufsteiger: Die „beste 3. Liga“ bekommt in der Saison 2020/2021 ein neues Gesicht, hat aber an Attraktivität nichts eingebüßt und ist noch oberbayerischer geworden. Wir stellen Euch die sechs neuen Klubs – VfB Lübeck, 1. FC Saarbrücken, SC Verl, Türkgücü München, Dynamo Dresden und SV Wehen-Wiesbaden – nacheinander vor.

Verl zählt knapp über 25.000 Einwohner. Die Stadt liegt im ostwestfälischen Kreis Gütersloh. Eine unscheinbare Gegend, die zuletzt durch die Vorfälle um den Corona-Ausbruch bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, der Verler Nachbargemeinde, in den bundesweiten Fokus geriet. Ansonsten fristen die Gegend und der SC Verl ein eher unscheinbares Dasein.

Der Sportclub hat weder eine spektakuläre Vergangenheit, noch eine große Fangemeinde. Für die Traditionsvereine in der 3. Liga zählen die Partien in Verl sicher nicht zu den Höhepunkten, sind vielmehr leidige Pflichterfüllung. Doch genau darin wittert der Außenseiter, für den es im ersten Drittligajahr allein um den Klassenerhalt geht, seine Chance. Der SCV könnte als „Dorfverein“ die legitime Nachfolge der abgestiegenen SG Sonnenhof Großaspach antreten.

Das Ambiente von Bauernhöfen und Mastbetrieben, die einen Steinwurf vom Stadion an der Poststraße entfernt liegen, werden die Gästefans aber zunächst nicht mitbekommen. Gespielt wird vorerst in der Benteler-Arena in Paderborn. „Wir sind eine Kleinstadt“, sagt Präsident und Klubchef Raimund Bertels fast entschuldigend. Mit der Bezeichnung „Dorfklub“ könne er aber gut leben, solange sie nicht despektierlich gemeint sei. ,,Und wenn auch unsere Leistung gewürdigt wird.“

In der vergangenen Saison war diese absolut aufstiegstauglich, obwohl Verl in der Regionalliga West von Meister SV Rödinghausen profitierte, der keine Lizenz für die 3. Liga beantragt hatte. 51 erzielte Tore, 14 Gegentore und nur eine Niederlage in 22 Spielen ist trotzdem eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Auch wenn die Ostwestfalen nur Zweiter beim Abbruch waren, geschenkt bekamen sie den Aufstieg nicht. Schließlich mussten sie sich auch noch in der Relegation gegen den Meister der Regionalliga Nordost durchsetzen. Nach einem 2:2 im Hinspiel reichte Verl im Rückspiel gegen Lok Leipzig ein 1:1 in der Bielefelder Schüco-Arena.

Intern hatte sich das überragende Jahr nicht angedeutet, obgleich Trainer Guerino Capretti von Anfang an Optimismus verbreitete. Der Realschullehrer, der seit Sommer den Lehrgang zum Fußballlehrer besucht, steht für mutiges Angriffsspiel, hohes Pressing, riskante Vertikalbälle und einen extrem hohen läuferischen Aufwand. Genauso will der 38-Jährige auch eine Klasse höher weiterspielen. Neben der eigenen Unbekümmertheit hoffen die Ostwestfalen, dass sie auch dort von den Gegnern unterschätzt werden.

„Die Klubs, die unbedingt rauswollen aus der 3. Liga, werden es schwieriger haben als wir“, sagt Präsident Raimund Bertels. Bei den Transfers verzichtete man bewusst auf Drittliga erfahrene Spieler – das Geld hält der Sportclub typisch ostwestfälisch zusammen. ,,Spieler, die wir verpflichten“, so der 53-jährige Bertels, „scouten wir so intensiv, dass wir ihnen den Sprung in die höhere Liga voll und ganz zutrauen.“

Mit Geld kann er ohnehin nicht locken. Der Etat lag zuletzt bei etwa zwei Millionen Euro und dürfte nun um mindestens ein Drittel steigen. Man sei diesbezüglich dennoch wohl Schlusslicht in der Spielklasse, hat Bertels errechnet. In der Regionalliga kamen zuletzt im Schnitt 1.000 Zuschauer zu den Heimspielen des SCV. Ab Saisonbeginn weicht der Aufsteiger als Untermieter in die 15.000 Zuschauer fassende Paderborner Benteler-Arena aus. Das heimische Stadion an der Poststraße genügt mit einer Kapazität von 5.150 Plätzen nicht den DFB-Anforderungen, soll aber möglichst schnell ausgebaut werden.

Für den Sportclub ist die 3. Liga Neuland. In den fast 96 Jahren Vereinsgeschichte hat Verl noch nie Fußball auf nationaler Ebene gespielt. Einmal waren sie knapp daran. 1991 scheiterten die Schwarz-Weißen in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga und standen doch am sportlichen Höhepunkt: Der SCV hatte als Oberliga-Meister sowohl die ostwestfälischen Nachbarn Arminia Bielefeld und TuS Paderborn-Neuhaus, dem Vorgängerklub des SCP, hinter sich gelassen.

Kein Neuland ist die neue Spielklasse für Zlatko Janjic. Der Stürmer verlängerte vor kurzem seinen auslaufenden Vertrag bis Juni 2021. Der 34-Jährige war nicht nur in der Aufstiegssaison mit 15 Toren und fünf Vorlagen bester Scorer des Sportclubs, sondern wird in der kommenden Spielzeit der höchstplatzierte noch aktive Torjäger in der ewigen Drittliga-Rangliste sein. Insgesamt 67 Tore hat der Bosnier für den SV Wehen Wiesbaden, den MSV Duisburg und zuletzt die SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga bereits erzielt. Auf mehr Treffer kommen nur der in dieser Bilanz alles überragende Ex-Löwe Anton Fink (136 Tore), der vom Zweitligisten Karlsruher SC zum SSV Ulm in die Regionalliga gewechselt ist, sowie Marcel Ziemer (74), der seine Karriere beendet hat. ,,Den 2. Platz würde ich mir gerne noch schnappen“, verriet Janjic schon vor dem Verler Aufstieg.

DATEN & FAKTEN

Name Sportclub Verl von 1924 e.V.
Gründung 6. September 1924
Mitglieder 1.102 (Stand: 01.11.2019)
Vereinsfarben Schwarz-Weiß
Stadion Benteler-Arena Paderborn (15.000 Plätze)
Social Media Facebook: @SportclubVerl; Twitter: @SCVerl; Instagram: @scverl_1924
Trainer Guerino Capretti (seit 10.04.2017)
Letzte Saison 2. Platz Regionalliga West mit 53 Punkten aus 22 Spielen bis zum Abbruch (Torverhältnis: 51:14)
Bester Torschütze Zlatko Janjic (15 Treffer)
Bilanz SCV gegen Sechzig 2 Spiele, 0 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen, Torverhältnis: 1:5
Beide Begegnungen mit den Löwen fanden im DFB-Pokal statt, jeweils in der 1. Runde. Am 4. August 2007 gewann der TSV 1860 durch einen Dreierpack von Antonio Di Salvo mit 3:0 im Stadion an der Poststraße vor 4.000 Zuschauern. Drei Jahre später, am 14. August 2010, ging es knapper zu. Thomas Bertels brachte Verl in Führung (8.), Stefan Aigner sicherte mit einem Doppelpack (69. und 73.) vor 2.100 Besuchern den Einzug in die 2. Runde.

KURIOSES
Nach Verls Pokal-Coup gegen Holstein Kiel in der 2. Runde des DFB-Pokals 2019/2020 (8:7 im Elfmeterschießen) stand drei Tage später die Heimpartie gegen die U23 von Borussia Dortmund auf dem Programm. Dieses Duell wurde jedoch von der Stadt verschoben. Die kuriose Begründung: „Durch die andauernden Abbauarbeiten, unter anderem der Fernsehsender nach dem Pokalspiel, sind notwendige Pflegearbeiten am Spielfeld des Hauptplatzes derzeit nicht möglich“, ließ die Kommune wissen. Die Regionalliga-Konkurrenten vermuteten jedoch eine Absprache zwischen Klub und Stadt. Oberhausens Präsident Hajo Sommers sagte kurz und knapp: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...“ Diese Anschuldigungen ließ Verl-Präsident Raimund Bertels im Reviersport nicht unkommentiert: „Es ist echt dreist, uns etwas zu unterstellen. Wir reißen uns hier den Arsch auf und werden bespuckt. Ich finde, dass das die unterste Schublade ist.“ Trotzdem war im Achtelfinale gegen Union Berlin für das Überraschungsteam Schluss. Ein spätes Gegentor besiegelte beim 0:1 das Aus. In der 1. Runde hatten die Ostwestfalen den FC Augsburg mit 2:1 besiegt.

TRANSFERS (Stand: 04.08.2020)
Zugänge:
Barne Pernot (Holstein Kiel II), Lasse Jürgensen (FC Augsburg II), Sascha Korb (1. FC Schweinfurt 05), Julian Schwermann (Borussia Dortmund II), Till Brinkmann (SC Paderborn), Maxim Bairamov (Arminia Bielefeld U19), Fabian Brosowski (SV Lippstadt 08)
Abgänge: Hendrik Lohmar (SC Wiedenbrück), Anton Heinz (SV Lippstadt 08), Cinar Sansar (SV Lippstadt 08), Ron Schallenberg (SC Paderborn), Jannik Schröder (FC Gütersloh), Christopher Schepp (BW Lohne), Exaucé Andzouana, Jan Schöppner, Philip Semlits, Luis Klante (alle Ziel unbekannt)

Die Neuen: Ein Sixpack für die 3. Liga – Teil 1: VfB Lübeck.

Die Neuen: Ein Sixpack für die 3. Liga – Teil 2: 1. FC Saarbrücken.

Die Neuen: Ein Sixpack für die 3. Liga – Teil 4: Türkgücü München.

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