SECHZIGMÜNCHEN.
 

Blick zurück: Saison 1978/1979.

Das Löwen-Team in der Saison 1978/1979, hinten (v. li.): Alfred Kohlhäufl, Franz Gerber, Klaus Vöhringer, Herbert Scheller, Alfred Herberth, Wunder, Masseur Springer. Mitte (v. li.): Trainer Heinz Lucas, Wolfgang Metzler, Hans Fischl, Ahmet Glavovic, Hans Haunstein, Neumann, Beppo Hofeditz, Georg Schneider, Manager Hans Ettlinger. Vorne (v. li.): Anton Nachreiner, Dieter Agatha, Willy Bierofka, Manfred Eiben, Bernhard Hartmann, Jan-Hoiland Nielsen, Rudolf Sturz und Georg Metzger. 

Dem Bundesliga-Abstieg folgte in der Spielzeit 1978/1979 der sofortige Wiederaufstieg. Trotzdem erlebten die Löwen wieder eine turbulente Saison. Einen Tag vorm Weihnachtsfest entließ Präsident Erich Riedl Aufstiegstrainer Heinz Lucas. Nachfolger wurde Eckhard Krautzun, der aus Worms Torhüter Thomas Zander und Stürmer Niels Povlsen mitbrachte. Am Ende der Saison stand die erhoffte Aufstiegsfeier auf dem Marienplatz. 

Die Konsolidierung war vorerst abgeschlossen, die Bundesliga-Saison im Jahr zuvor brachte trotz des Abstiegs ein finanzielles Plus. Dazu kam die Ablöse für Jimmy Hartwig, der zum HSV gewechselt war. Entsprechend scheute Präsident Erich Riedl keine Kosten, seinem Trainer Heinz Lucas eine ambitionierte Mannschaft zu finanzieren. Franz Gerber und Rudi Sturz kamen vom FC St. Pauli, Sepp Stering von Wacker Innsbruck.

Die Sechzger gingen als Favorit in die Zweitliga-Saison. Doch zum Liga-Auftakt gab es gleich eine 1:3-Heimniederlage gegen die SpVgg Bayreuth. Bei Waldhof Mannheim am 2. Spieltag reichte es nur zu einem 1:1 und viele Fans sahen sich an vergangene Zeiten erinnert, wo das Team mit dem „Aufstiegsdruck“ einfach nicht zurechtkam. Dem ersten Sieg, ein 4:0 zu Hause gegen den FC Augsburg, folgte gleich wieder eine Auswärtsniederlage in Baunatal. Dann folgte eine Serie von vier Siegen. Doch auch danach fehlte die Konstanz.

Nach der 1:3-Niederlage am letzten Vorrunden-Spieltag in Saarbrücken lag das Lucas-Team nur auf Tabellenrang sieben mit 23:15-Punkten und fünf Zählenr Rückstand auf das Führungsduo Wormatia Worms und Karlsruher SC mit jeweils 28:10-Punkten. Zudem hatten die Löwen in den letzten fünf Vorrundenspielen keinen einzigen Sieg einfahren können. Dazu kamen schwere Differenzen zwischen Lucas und einigen Spielern (allen voran Neuzugang Franz Gerber), der ins Auge gefasste Wiederaufstieg geriet immer mehr in Gefahr.

Also entließ einen Tag vorm Weihnachtsfest Präsident Erich Riedl seinen Trainer schweren Herzens. Die Verabschiedung von Lucas fiel dann aber recht stilvoll aus. Der geschasste Coach flog am 27. Dezember nach München, wo man ihm zu Ehren im Ratskeller eine kleine Abschiedsfeier arrangiert hatte. Riedl betonte noch einmal, dass er Lucas nicht als „gefeuerten Trainer“ betrachte, sondern seine gesamte Arbeit beim TSV sehe, die als Erfolg gewertet werden müsse: „In die Zeit von Heinz Lucas fiel der Aufstieg in die Bundesliga und die Entschuldung des Vereins.“

Auch Kapitän Alfred Kohlhäufl hielt noch eine kurze Rede und gestand, „dass mir der Trainerwechsel wirklich nicht passt“ und bedankte sich bei Lucas herzlich für die Zusammenarbeit der letzten drei Jahre. Bei der Feier nicht dabei war Kassier Karl Müller, ein Intimfeind des Trainers und derjenige, der die Entlassung auch forciert hatte. Nach der Verabschiedung von Lucas knöpfte sich Riedl die Mannschaft vor und teilte den Spielern mit, dass ab sofort ein anderer Wind wehe: „Ich habe mich von einem Trainer getrennt, mit dem mich eine tiefe Freundschaft verbindet. Deshalb werde ich mich auch nicht davor scheuen, mich von einigen Spielern zu trennen. Auch vor fristlosen Entlassungen schrecke ich nicht mehr zurück!“

Nachfolger wurde Eckhard Krautzun, der Coach vom Ligakonkurrenten Worms. Überraschend hatte er das Team aus der Nibelungenstadt ganz nach oben geführt. Mit Torhüter Thomas Zander und Stürmer Niels Povlsen brachte der 37-Jährige gleich seine beiden besten Spieler mit.

Unter dem jungen Krautzun ging es steil nach oben. Und am 24. März, nach einem 3:0 gegen Karlsruhe, stand der TSV 1860 endlich wieder an der Tabellenspitze und gab diese Position bis zum Ende der Saison nicht mehr ab. Von den 19 Punktspielen ging nur eins verloren, am vorletzten Spieltag mit 1:2 in Fürth, was die ganze Angelegenheit nochmal spannend machte. Denn vor dem letzten Spieltag, zu Hause gegen Saarbrücken, lagen die Sechziger nur um einen Punkt vor der SpVgg Bayreuth. 1860 ließ aber nichts mehr anbrennen, gewann vor 40.000 Zuschauern mit 3:1 (Bayreuth siegte mit 5:1 in Neunkirchen) und feierte den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Allerdings beileibe nicht in dem Ausmaß wie zwei Jahre zuvor. Damals erschien der Aufstieg wie ein Geschenk des Himmels, diesmal war er mehr oder weniger eine Pflichterfüllung.


KURIOSES

Roter Golf & Privatjet
Mit der Verpflichtung des 37-jährigen Trainers Eckhard Krautzun schlug Präsident Erich Riedl gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen war man auf der Suche nach einem neuen Mann schnell fündig geworden, zum anderen schwächte man Tabellenführer Wormatia Worms. Die Erwartungen, die von den Löwen-Fans in den neuen Trainer gesetzt wurden, waren riesig. 2.500 Kiebitze fanden sich am 28. Dezember auf dem Trainingsplatz an der Grünwalder Straße ein, aber Krautzun ließ zunächst auf sich warten. Der Lotse, der ihn an der Autobahnausfahrt Obermenzing zum Trainingsgelände leiten sollte, hatte sich verspätet. Dann endlich fuhr Krautzun vor. In einem roten Golf GTI, der bis unters Dach mit Bettwäsche vollgepackt war. Einer der Zaungäste unkte: „Der nimmt se ois Löwen-Trainer ned amoi a Wohnung und schlaft liaber im Auto. Wer woaß, wann eahm da Riedl wieder ‘naushaut …“ Krautzun allerdings kreuzte mit großen Erwartungen beim TSV 1860 auf. Angeblich soll er gefragt haben: „Wo steht eigentlich das Privatflugzeug des Vereins?, erntete dafür aber nur ratloses Kopfschütteln. Nachdem er erfahren hatte, dass kein Jet vorhanden war, schlug Krautzun später mal vor, den Bus bei Auswärtsspielen mit bunten Vorhängen und Lampions zu schmücken, um auf Reisen die Stimmung bei den Spielern zu heben.

Hacki, der Musterprofi
Vor dem letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Saarbrücken versuchte Erich Riedl noch einmal alles, um Kapitän Alfred Kohlhäufl auch weiterhin beim TSV 1860 zu halten. Vergebens. Die Bemühungen des Präsidenten blieben erfolglos, auch ein enorm verbessertes Vertragsangebot ließ „Hacki“ nicht ins Grübeln geraten. Für ihn stand fest: Er würde nach Straubing zurückkehren, in seine niederbayerische Heimat, wo er noch in der Amateurliga spielen und Lehrer an der Berufsschule werden wollte. Dass Riedl auf Kohlhäufl trotz seiner 33 Jahre noch lange nicht verzichten wollte, leuchtete jedem ein: Er war ein absoluter Musterprofi, einer, der auf dem Platz alles gab und dem Starrummel höchst zuwider war. Er brauchte keinen Porsche als Statussymbol, wie der ein oder andere Mannschaftskollege, Kohlhäufl fuhr mit einem verbeulten VW ins Training und kam auch immer rechtzeitig an.

Glavo, der Stürmerschreck
Neben Alfred Kohlhäufl verließ im Sommer 1979 ein weiterer Publikumsliebling die Löwen: Ahmet Glavovic, der als Libero drei Jahre lang den gegnerischen Angreifern Angst und Schrecken eingejagt hatte. Wenn der „Glavo“ hinlangte und die Stürmer fällte – intelligenterweise stets kurz vor dem Strafraum –, dann blieb kein Auge trocken. Sage und schreibe 17 Gelbe Karten kassierte Glavovic, der für 75.000 Mark Ablöse von Velez Mostar zu den Löwen gestoßen war, in der Saison 1976/1977. Und wenn die Schiris dann „gelbes Karton“ (Originalton Glavovic) gezogen hatten, stand er verwundert da und sagte mit seinem gebrochenen Deutsch: „Ich Rätsel.“ Der jugoslawische Bürgerkrieg veränderte Anfang der 1990er Jahre das Leben von Glavovic dramatisch. Sein Vater wurde von den Serben ermordet, Ahmet verlor sein gesamtes Hab und Gut (Haus und Café), und seine Frau starb nach schwerer Krankheit. Deshalb floh er damals mit seinem Sohn zurück nach München.


INTERVIEW MIT ERHARD „BEPPO“ HOFEDITZ

Erhard „Beppo“ Hofeditz ging bei den Löwen in die Geschichtsbücher als der Mann ein, der Karl-Heinz Rummenigge provozierte. Der torgefährliche Mittelfeldspieler kam 1977 zum TSV 1860, absolvierte bis 1980 insgesamt 54 Erstligaspiele (14 Tore) und 33 Partien (8) in der 2. Liga sowie acht Spiel im DFB-Pokal (1). Später spielte er noch für den 1. FC Kaiserslautern, Karlsruher SC und Kickers Offenbach. Seine Karriere ließ er bei seinem Heimatklub KSV Baunatal ausklingen, für den er über 300 Pflichtspiele absolvierte.

Sie sind mit den Löwen aus der Bundesliga abgestiegen und in der Saison 1978/79 gleich wieder aufgestiegen. Wie sind Ihre Erinnerungen an diese Spielzeit?
Erhard Hofeditz: Zu Beginn lief es nicht wie geplant. In der Sommerpause war kräftig in die Mannschaft investiert worden, aber es herrschte totale Unruhe im Verein. Es war ein grausames Jahr, bis Eckhard Krautzun als Trainer Heinz Lucas ablöste.

Was machte Krautzun anders als sein Vorgänger Lucas?
Hofeditz: Krautzun war im Gegensatz zu Lucas ein moderner Trainer. Er hat alle überrascht, machte aus uns eine richtige Mannschaft, formte uns zu einer Einheit. Unter ihm legten wir eine Riesenserie hin, blieben von 21 Spielen 19 ungeschlagen. Krautzun hat gemerkt, dass der Fußball in eine andere Richtung geht, legte zum Beispiel Wert auf richtige Ernährung. Zudem machte er ein Riesentraining, was wir alle bis dahin nicht gekannt hatten.

Sie spielten insgesamt drei Jahre für die Löwen. Wieso verließen Sie den Verein in Richtung 1. FC Kaiserslautern.
Hofeditz: In den ersten beiden Jahren in München hatten meine Familie und ich eine wunderschöne Zeit. Das änderte sich, als Jupp Kapellmann zu den Löwen kam. Danach war es das reinste Chaos. Obwohl ich kurz vor der Vertragsunterzeichnung stand, bin ich weggegangen. Mir herrschte einfach zu viel Unruhe.

Als Nordhesse ist der Spitzname „Beppo“ reichlich ungewöhnlich, zumal Sie mit Vornamen Erhard heißen. Erhielten Sie diesen in Ihrer Münchner Zeit?
Hofeditz: Nein, Beppo werde ich schon seit meiner Jugendzeit gerufen. Den Spitznamen habe ich beim VfL Kassel bekommen. Ich war als Kind immer ein Pummelchen gewesen, und irgendeiner hat mir dann den Namen verpasst. Warum genau, das weiß ich nicht mehr.

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Statistik 1978-1979

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