SECHZIGMÜNCHEN.
 

Blick zurück: Saison 1980/1981.

Das Löwen-Team in der Saison 1980/1981, hinten (v. li.): Wolfgang Metzler, Rolf Grünther, Wolfgang Sidka, Walter Hainer, Harry Ellbracht, Viorel Nastase, Rudi Völler, Dirk Schröter, Horst Wohlers. Mitte (v. li.): Trainer Carl-Heinz Rühl, Co-Trainer Raubal, Hans Klinkhammer, Jürgen Strack, Herbert Scheller, Hans-Dieter Seelmann, Jupp Kapellmann, Masseur Springer, Präsident Dr. Erich Riedl, Betreuer Hans Ettlinger. Vorne (v. li.): Rudolf Sturz, Christian Werner, Ivica Senzen, Thomas Zander, Norbert Kleider, Hermann Bitz, Horst Raubold, Alfred Herberth. 

Erneut mussten die Löwen nach der Saison 1980/1981 den bitteren Weg in die Zweite Liga antreten, obwohl für 2,5 Millionen Mark, die ein privater Sponsor bezahlte, Wolfgang Sidka, Christian Werner, Hans Klinkhammer und Rudi Völler verpflichtet worden waren. Der junge Völler war jedoch einer der wenigen Lichtblicke in dieser Spielzeit und sorgte gleich für Furore im 1860-Trikot. Jupp Kapellmann zog sich bereits in der Vorrunde einen Kreuzbandriss zu. Nach einem kurzen Comeback-Versuch wurde der in der Mannschaft nicht sonderlich beliebte Ex-Bayern-Spieler Manager bei den Löwen.

Erneut sollte die Mannschaft verstärkt werden. Doch nach der kostspieligen Vorsaison fehlten die monetären Mittel, zumal der DFB dem inzwischen wieder hoch verschuldeten Verein verbot, neue Spieler zu kaufen. Also sprang ein privater Finanzier in Person von Roland Holly, Immobilienmakler und Besitzer der Bekleidungsfirma Hedos, ein. Holly kaufte sich, sozusagen privat, vier Spieler für insgesamt 2,5 Millionen Mark – und verlieh sie anschließend an die Löwen zu sechs Prozent Zinsen.

Bei den Spielern handelte es sich um Wolfgang Sidka und Christian Werner, die von Hertha BSC kamen, sowie Hans Klinkhammer (Borussia Mönchengladbach) und Nachwuchstalent Rudi Völler (Kickers Offenbach). Dazu verpflichtete der TSV 1860 Walter Hainer aus Landshut, Dirk Schröter aus Hüsten und den Rumänen Viorel Nastase. Gerne hätte Trainer Carl-Heinz Rühl auch noch einen Torjäger verpflichtet. Ganz oben auf seiner Wunschliste stand Frank Mill, für den Präsident Erich Riedl 1,3 Millionen Ablöse dem Zweitligisten Rot-Weiß Essen geboten hatte. Doch Mill gab den Löwen einen Korb, wollte nicht wechseln.

Der Saisonbeginn war von vielen Verletzungsproblemen überschattet. Libero Horst Wohlers musste in den ersten vier Spielen aussetzten. Die Löwen holten nur ein Remis und lagen mit 1:7-Punkten auf einem Abstiegsplatz. Nach dem ersten Sieg am 5. Spieltag, ein 2:1 zu Hause gegen den 1. FC Köln, folgte eine Woche später der nächste Rückschlag. Bis vier Minuten vor Schluss führten die Löwen mit 1:0 bei Eintracht Frankfurt und unterlagen noch mit 1:2. In diesem Spiel verloren die Sechzger auch Jupp Kapellmann, der sich einen Kreuzbandriss zuzog und später, nach einem kurzen Comeback-Versuch, seine Karriere beendete und Manager beim TSV 1860 wurde. Auch Neuzugang Klinkhammer ereilte dieses Schicksal, musste seine Karriere ein Jahr später als Sportinvalide beenden. Trotzdem lag der TSV 1860 nach der Vorrunde mit 14:20-Punkten auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Trotz der angespannten Finanzlage wurde im Winter mit Uwe Schreml von der SpVgg Bayreuth für 400.000 Mark noch ein Verteidiger verpflichtet. Bis zum drittletzten Spieltag standen die Löwen über dem Stich. Doch schon vorher hatten die Löwen einige Möglichkeiten, den Worst Case zu vermeiden. Sa am 30. Spieltag, als sie gegen den direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld eine völlig unnötige Niederlage kassierten. Bis zwei Minuten vor dem Ende führten sie auf der Alm durch Tore von Viorel Nastase mit 2:1 und verloren in der Schlussphase noch mit 2:3. Aber es wäre auch nochmal gegangen, hätte Nastase im letzten Heimspiel (0:0 gegen den HSV) nicht einen Elfmeter vergeben.

So musste am letzten Spieltag, dem 13. Juni 1981, mindesten ein Punkt beim Karlsruher SC her, um den dritten Abstieg des TSV 1860 aus der Bundesliga zu verhindern. Doch mit Pauken und Trompeten gingen die Löwen beim Karlsruher SC mit 2:7 unter.

Fast die gesamte Mannschaft ließ in diesem Spiel Kampf und Einsatz vermissen, ein Spieler erzählte später einmal, dass einige Kollegen „mit Absicht“ abgestiegen seien. Es sah auf alle Fälle verdächtig danach aus. Präsident Riedl, der die Mannschaft schon zur Halbzeit, als es noch 1:1 stand, zusammengestaucht hatte („Bei dieser Bezahlung kann ich verlangen, dass jeder bis zum Umfallen kämpft“), schüttelte nach dem Debakel nur noch erschüttert den Kopf: „Unsere Leute sind herumgelaufen wie Urlauber auf Mallorca, die Karlsruher dagegen, für die es um gar nichts mehr ging, haben gekämpft, als wären sie vom Abstieg bedroht.“

Besonders sauer war Riedl auf Wolfgang Sidka: „Mit seinem dilettantischen Fehler zum 1:2 hat er unseren Abstieg entscheidend vorbereitet. Das erste und zweite Tor hätte ja ich noch verhindert, wenn ich gesunde Knochen hätte.“ Und dann verlor der Löwen-Boss völlig die Fassung: „Unsere ganzen Einkäufe waren Fehlentscheidungen!“

Wie auch immer. Dümmer als sich die Löwen in dieser Saison anstellten, ging’s wirklich nimmer. Auch der Trainer hatte die Nase voll, gab nach dem letzten Saisonspiel seinen Abschied bekannt. Und Riedl unkte: „So wie wir heute gespielt haben, droht uns sogar der Abstieg aus der 2. Liga!“ Vielleicht hatte der Präsident damals schon eine Vorahnung …


KURIOSES

Nastis Nachtleben
Mit 14 Toren durfte sich Viorel Nastase als erfolgreichster Torschütze beim TSV 1860 in der Bundesliga-Saison 1980/1981 feiern lassen. Aber um ein Haar hätte der Rumäne, der nach der Flucht aus seiner Heimat erst mal ein Jahr gesperrt war, kein einziges erzielt. Denn wenige Tage vor dem Bundesligastart stand „Nasti“ vor dem Rauswurf. Zum wiederholten Mal war der Stürmer in angetrunkenem Zustand um zwei Uhr nachts in einer Bar entdeckt worden. Für Trainer Carl-Heinz Rühl war der Fall sogar schon erledigt. „Ich will mit Nastase nichts mehr zu tun haben“, knurrte er, gab Viorel dann aber doch nochmal eine Chance zur Bewährung. Die übrigen Spieler waren auf Nastase ebenfalls nicht gut zu sprechen. Wegen dessen Eskapaden wurden auch sie strenger kontrolliert als zuvor.

Diebe in der Kabine
Doppeltes Pech für die Löwen beim Auswärtsspiel in Duisburg am 19. August 1980. Zuerst verloren sie durch ein Tor von Herbert Büssers in der 89. Minute mit 0:1 und hinterher stellten sie fest, dass ihnen insgesamt 1.660 Mark aus der Umkleidekabine geklaut worden waren. Die Duisburger Spieler hatten schon zur Halbzeit gemerkt, dass ein Dieb sie um 1.000 Mark erleichtert hatte und warnten die Löwen noch kurz vor dem Wiederanpfiff. Da die Spieler keine Zeit mehr hatten, um nachzuschauen, blieb Zeugwart Poldi Bauer die gesamte 2. Halbzeit über in der Kabine. Umsonst, wie sich dann rausstellte. Die Diebe hatten auch die Sechzger bereits vor der Pause heimgesucht. Und der Poldi hatte eine Dreiviertelstunde lang eine bereits ausgeraubte Kabine bewacht!

Anfänge eines Weltstars
Als Rudi Völler im Sommer 1980 zu den Löwen kam, war er erst mal fix und fertig. Der gerade 20 Jahre gewordene Stürmer war körperlich völlig ausgelaugt, weil er eine harte Zweitliga-Saison mit den Offenbacher Kickers und eine strapaziöse China-Reise mit der U-21-Nationalmannschaft in den Knochen hatte. So erschrak Löwen-Trainer Carl-Heinz Rühl fast ein wenig, als er den spindeldürren Rudi zum Saisonauftakt erblickte. Aber als Völler darum bat, vom Trainingslager im Taunus verschont zu bleiben, um sich noch etwas erholen zu können, schüttelte Rühl den Kopf: Völler musste mit, brauchte allerdings die ersten drei Tage nicht mit zu trainieren. Er sollte sich erst mal wieder ein paar Pfunde anfuttern. Die Eingewöhnungszeit in der Bundesliga dauerte nicht lange. Seinen ersten Treffer erzielte Völler im vierten Saisonspiel beim 2:3 in Kaiserslautern, vier Tage später schoss er beide Tore zum 2:1-Sieg über den 1. FC Köln. Aber sein größter Auftritt im Löwen-Dress fand am 25. Oktober 1980 statt. Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Trainer war Otto Rehhagel) lagen die Sechziger zur Halbzeit schon mit 0:3 zurück, gewannen aber am Ende noch mit 4:3. Und Völler war der Held des Tages. Drei Treffer gingen allein auf sein Konto. Damit hatte der Rudi nach elf Spieltagen schon acht Tore erzielt und lag in der Bundesliga-Schützenliste ganz oben. In den restlichen 23 Partien gelang ihm jedoch nur noch ein Tor – die Bundesligaverteidiger hatten spitz gekriegt, was für ein gefährlicher Stürmer da plötzlich in München heranwuchs und schenkten Völler mehr Aufmerksamkeit. Außerdem machte sich bei dem jungen Löwen-Stürmer der Kräfteverschleiß bemerkbar.


INTERVIEW MIT RUDI VÖLLER

Rudi Völler hat so ziemlich alle wichtigen Titel im Fußball gewonnen, die es zu gewinnen gibt: Weltmeister und Champions-League-Sieger. Der Hesse hätte bei den Löwen in die Fußstapfen eines Rudi Brunnenmeier treten können, wäre nicht 1982 der Lizenzentzug dazwischen gekommen. So schoss der Torjäger nach 37 Treffern in der Zweitligasaison 1981/1982 fortan seine Tore für Werder Bremen. Der heutige Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen absolvierte 33 Bundesliga-Partien für 1860 (9 Tore) und 37 Zweitliga-Einsätze (37) sowie vier Spiele im DFB-Pokal (3).

Vielen Dank, dass Sie sich bei Ihrem dicht gedrängten Terminplan zum Interview Zeit genommen haben.
Rudi Völler: Das mach’ ich doch gern. Sie wissen doch: Einmal Löwe, immer Löwe!

Es geht um die Saison 1980/1981. Welche Erinnerung haben Sie daran?
Völler: Das ist schon ein paar Jahre her. Anders kann man das nicht sagen. Da merkt man erst, dass man schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.

Sie kamen zur Saison 1980/1981 von Zweitligist Kickers Offenbach zu den Löwen, waren nach einer strapaziösen Länderspielreise mit der U21-Nationalmannschaft nach China vorm Trainingsauftakt körperlich etwas angeschlagen.
Völler: Ja, das kann man so sagen. Berti Vogts war unser U21-Trainer gewesen. Als ich nach München kam, war ich nur ein halbes Hemd, habe aber in den zwei Jahren bei den Löwen unheimlich viel Krafttraining gemacht und mich körperlich so entwickelt, um danach eine große Karriere starten zu können. Für mich war die Erfahrung in den zwei Jahren für später ganz, ganz wichtig. Schließlich habe ich mit 20 Jahren mein Debüt in der Ersten Liga gegeben, davor hatte ich in Offenbach nur in der Zweiten Liga gespielt.

Zunächst lief es für Sie toll. In den ersten elf Spielen schossen Sie acht Tore, danach nur noch eins…
Völler: Auch wenn es Rückschläge gab, habe ich eine tolle Vorrunde gespielt und relativ viele Tore gemacht. Dann kam aber der große Einbruch. Es lief auch in der Mannschaft nicht so gut, und letztlich sind wir auch abgestiegen. Übrigens, der einzige Abstieg in meiner Laufbahn! Trotzdem war Sechzig ganz wichtig in meiner Karriere, auch wegen der Herzlichkeit. Ich habe gemerkt, was der Klub für eine Bedeutung für die Menschen in München und für viele Fans in ganz Deutschland besitzt. Selbst die Begeisterung im Jahr darauf in der Zweiten Liga war großartig. Das war mein Jahr gewesen. Leider sind wir nicht aufgestiegen. Es folgte der Zwangsabstieg. Sechzig bekam keine Lizenz mehr und die Mannschaft brach auseinander.

Nominell war das Team gut besetzt. Warum trotzdem der Abstieg?
Völler: Es war eine ganz enge Geschichte, wir sind erst am letzten Spieltag abgestiegen. Natürlich hatten wir eine Mannschaft, die nicht unbedingt absteigen musste. Aber es war immer klar, dass wir zu den sechs, sieben Teams gehören würden, die es erwischen kann. Leider waren wir am Ende dabei. Es gab Phasen, wo wir dachten, dass wir’s packen. Trotzdem hat es am Ende nicht gereicht. Schade, denn es war eine ordentliche Mannschaft.

Gibt es noch Kontakte zu Spielern aus dieser Zeit?
Völler: Wenig, vor allem aus dieser Saison. Danach – aus dem Zweitliga-Jahr – schon. Vor allem zu Herbert Waas, der damals dazu kam. Er, als 17-Jähriger, und ich erzielten zusammen in der Zweiten Liga über 50 Tore in einer Saison. Wir beide gaben einen Bomben-Sturm ab!

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