SECHZIGMÜNCHEN.
 

Blick zurück: Saison 1995/1996.

Das Löwen-Team in der Saison 1995/1996, hinten (v. li.): Thomas Miller, Thomas Schmidt, Daniel Borimirov, Holger Greilich, Jens Keller, Thorsten Messinger, Olaf Bodden, Elvis Brajkovic, Alexander Kutschera, Bernhard Winkler. Mitte (v. l.): Trainer Werner Lorant, Co-Trainer Roland Kneißl, Masseur Hans Hodrius, Guido Erhard, Manfred Burghartswieser, Jens Jeremis, Jens Dowe, Marek Lesniak, Timur Yanyali, Betreuer Hugo Hackl, Masseur Jens Graalher. Vorne (v. li.): Rene Rydlewicz, Manfred Schwabl, Gerhard Schmidt, Christian Holzer, Bernd Meier, Rainer Berg, Peter Nowak, Miroslav Stevic, Bernhard Trares, Horst Heldt. 

Die Spielzeit 1995/1996, die zweite nach der Bundesliga-Rückkehr, verlief bis auf den Auftakt und die beiden Derby-Niederlagen überaus erfolgreich für die Löwen. Nach dem 3:0 über Hansa Rostock im April 1996 stand das Team von Werner Lorant sogar auf einem UEFA-Pokal-Platz. Für den internationalen Wettbewerb reichte es zwar nicht, aber Platz acht in der Endabrechnung war mehr, als man erwarten konnte. Darüber hinaus gewannen die Löwen am 28. Januar 1996 mit dem Hallen-Masters in Dortmund einen nationalen Titel. 

Für die zweite Saison nach dem Wiederaufstieg rüstete man beim TSV 1860 kräftig auf. Mit dem bulgarischen Nationalspieler Daniel Borimirov sowie Horst Heldt vom 1. FC Köln und Marek­Lesniak aus Wattenscheid wurden drei erfahrene Offensivkräfte an Land gezogen. Außerdem sicherten sich die Löwen mit Holger Greilich und Jens Jeremies noch zwei vielversprechende Talente, an denen auch andere Vereine interessiert waren. Und Jeremies, der aus Dresden kam, wurde zum absoluten Shooting-Star in der Bundesliga. Wieder mal bewahrheitete sich, dass Gutes nicht immer teuer sein muss. Nur ganze 100.000 Mark hatten die Sechzger für Jeremies an Ablöse löhnen müssen, schon nach einigen Monaten stieg der Preis für den Mittelfeldspieler um ein Vielfaches.

Aber trotz der Verstärkungen, die durch den erneuten Umzug ins Olympiastadion finanziert worden waren: Der Start in die neue Saison ging, wie auch im Jahr zuvor, kräftig in die Hose. Dabei hatte Lorant zuvor noch getönt: „Wir werden auf keinen Fall einen so schlechten Saisonstart erwischen wie im Jahr zuvor.“ Nach fünf Spieltagen befand man sich mit einem kümmerlichen Pünktchen auf dem letzten Platz, weit weg vom durch den Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser ausgegebenen Platz zehn in der Endabrechnung. Und erneut standen drei Platzverweise bei den Löwen zu Buche.

Die Löwen-Führung behielt jedoch die Ruhe, schenkte Trainer Lorant weiterhin das Vertrauen, was sich am Ende der Saison wieder auszahlen sollte. Schon am 6. Spieltag feierte das Team zu Hause einen 2:1-Erfolg über den 1. FC Köln. Es folgte ein 1:1 auf Schalke und ein 2:1 im Olympiastadion gegen Düsseldorf. Nach der Hinrunde stand der TSV 1860 zwar auf Platz elf, doch nur zwei Zähler von einem Abstiegsplatz entfernt.

Die Sechzger kamen glänzend aus der Winterpause mit drei Siegen, ein 2:0 zu Hause gegen St. Pauli, ein 3:2-Erfolg beim VfB Stuttgart, was den ersten Sieg bei den Schwaben in der Bundesliga-Geschichte bedeutete, und ein 3:1-Sieg gegen Frankfurt. Damit stand man nach 20 Spieltagen auf Platz sieben mit neun Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Mit dem Selbstvertrauen aus der Siegesserie ging’s ins Derby gegen die Bayern. Doch es setzte erneut eine Niederlagen. Nach dem 0:2 in der Vorrunde verloren die Löwen das Auswärtsspiel mit 2:4. Die Bayern führten bereits nach 26 Minuten mit 4:0 und die Löwen-Fans mussten ein Debakel für ihre Mannschaft befürchten. Dann jedoch brachten Olaf Bodden (der nach einer Rangelei mit Oliver Kahn ebenso wie der Bayern-Keeper kurz vor der Pause vom Platz flog) und Bernhard Winkler die Sechzger auf 2:4 heran. Am Ende wäre fast sogar noch ein Punktgewinn drin gewesen. Im Löwen-Lager war man sich einig: „Wäre Daniel Borimirovs Pfostenschuss zehn Minuten vor dem Schlusspfiff im Tor gelandet, hätten wir auch noch ein 4:4 geschafft!“

Nur langsam erholte sich der TSV 1860 von der Derby-Niederlage. Nach vier weiteren sieglosen Spielen besiegten die Löwen den Hamburger SV am Ostersamstag 1996 mit 5:0. Es war der höchste Bundesliga-Sieg seit 28 Jahren! Ein überzeugendes 3:0 beim F.C. Hansa Rostock führte die Mannschaft drei Spieltage später Sogar auf den 5. Tabellenplatz. Selbst die Qualifikation für den UEFA-Cup-Wettbewerb schien möglich. Vor allem das Sturmduo mit Winkler und Bodden mit zehn bzw. 14 Treffern sorgten für Furore und der junge Bernd Meier. Der Torhüter wurde als erster Löwe seit Ferdinand Keller in den erweiterten Kader der Nationalmannschaft berufen.

Doch gegen Ende der Saison ging den Löwen etwas die Luft aus. Lediglich fünf Punkte aus den letzten fünf Spielen bedeuteten am Ende Platz acht. Immerhin wurde das gesteckte Ziel von Präsident Wildmoser übererfüllt.


KURIOSES

Löwen als Hallenkönige
Der Flieger wackelte bedenklich, als die Löwen am 28. Januar 1996 nach Marbella ins Wintertrainingslager reisten. An Bord wurde nämlich kräftig gefeiert. Stunden zuvor war der TSV 1860 beim Masters in Dortmund Deutscher Hallen-Meister geworden – hatte im Endspiel den Hamburger SV mit 6:3 weggefegt. Peter Nowak und Horst Heldt tricksten, dass es eine wahre Freude war, aber auch der sogenannte „Monsterblock“ mit Olaf Bodden und Thomas Miller bewies ungeahnte technische Fähigkeiten. Eine Woche zuvor hatten die Löwen auch schon das Turnier in der Münchner Olympiahalle gewonnen, mit dem sie sich für das Masters in Dortmund qualifizierten. Herausragend hierbei: Der 9:1-Kantersieg über Werder Bremen.

Platzverweis für Lorant
Tatort Bremer Weserstadion am 8. September 1995: Mitte der 2. Halbzeit wird Werner Lorant von Schiedsrichter Geor Dardenne auf die Tribüne geschickt. Folge eines lautstarken Disputs zwischen dem Löwen-Coach und dem Unparteiischen aus Nettersheim. Lorant und seine Mannschaft hatten sich krass benachteiligt gefühlt. Zum einen sah Bernd Trares nach zwei Fouls, die alles andere als aufregend waren, die Gelb-Rote Karte, zum anderen waren die Löwen durch einen lächerlichen Hand-Elfer (Libero Thomas Schmidt war klar angeschossen worden) in Rückstand geraten. Nach dem 0:2 verlorengegangenen Spiel war Lorant immer noch auf hundert. „Der Schiedsrichter kann froh sein, dass ich ihn nicht geohrfeigt habe“, fauchte der Löwen-Coach und löste damit eine Welle der Empörung bei allen Unparteiischen in Deutschland aus. Für kurze Zeit weigerten sich die Schiris bei Spielen in München vom TSV 1860 betreut zu werden. Markus Merk verpasste damit leider auch eine Einladung zum Oktoberfest eine Woche später beim Heimspiel gegen Köln. Danach beruhigten sich beide Seiten wieder. Lorant allerdings wurde vom DFB-Sportgericht noch zu einer Geldstrafe von 5.000 Mark verdonnert.

Lesniaks Tränen
Ein Löwe kauert todtraurig im Schnee. Marek Lesniak verbrachte noch mehrere Minuten, nachdem die Partie gegen Rostock am 4. November 1995 abgepfiffen war, im Mittelkreis des Olympiastadions und haderte mit dem Schicksal. In der 76. Minute hatte der polnische Stürmer eine hundertprozentige Chance zum 2:0 vergeben. „Ich habe dieses Spiel verloren“, nahm Lesniak hinterher alle Schuld auf sich, er realisierte nicht einmal, dass die Partie 1:1 ausgegangen war. „Es war die schlimmste Szene in meiner Laufbahn“, er und schämte sich seiner Tränen nicht. An diesem Abend sprach Marek auch erstmals davon, dass er den TSV 1860 gern verlassen würde. Nicht wegen der versiebten Chance, sondern weil er die Trennung von seiner Familie (Frau und Kinder wohnten in der Nähe von Leverkusen) schwer verkraften könne. Zwei Monate später war’s dann soweit. Lesniak wechselte nach Uerdingen, an seiner Stelle verpflichtete der TSV 1860 Harald Cerny.

Ersatztorwart und Vizepräsident
Für einen Bundesliga-Einsatz hat es bei Christian Holzer als dritter Torwart hinter Rainer Berg und Bernd Meier nicht gereicht. Nach der Saison wechselte er ins Reserveteam. Später studierte er Sportwissenschaften und BWL. 2013, mittlerweile Vorstand der Cairos AG, die über ihre Tochter impire Fußballdaten anbietet, gab er als Vizepräsident bei den Sechzger ein kurzes Gastspiel. Doch im April vorgestellt, trat er bereits im Mai wieder nach der Nicht-Bestätigung von Präsident Hep Monatzeder durch die Delegiertenversammlung zurück. Seine Begründung: „Mein Rücktritt erfolgt in erster Linie aus beruflichen Gründen“. Aber auch „auf Grund der Ungewissheit“, wer auf Monatzeder nachfolgen würde. „Wir hatten nicht die Möglichkeit, unsere Vorhaben umzusetzen, dabei hatten wir gute Pläne“, so Holzer.


INTERVIEW MIT OLAF BODDEN

Olaf Bodden kam 1994 vom F.C. Hansa Rostock zum TSV 1860 München. Der 1,92 m große Angreifer stand kurz vor der Berufung in die Nationalmannschaft, als er 1996 am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte und zunächst mehrere Monate pausieren musste. Im Frühjahr 1997 gab er im Trikot der Löwen sein Bundesliga-Comeback und schoss in seinem zweiten Spiel nach der Pause am 10. Mai 1997 drei Tore gegen Arminia Bielefeld. Kurze Zeit später erlitt er einen Rückfall und musste im Dezember 1997 schließlich seine aktive Karriere beenden. In 67 Bundesligaspielen für die Löwen erzielte der Stürmer 25 Tore, dazu absolvierte er fünf Einsätze im DFB-Pokal (1), zwei im UEFA-Cup und drei im UI-Cup (5). Bodden ist am Chronischen Erschöpfungssymptom (CFS) erkrankt und permanent auf Therapiemaßnahmen angewiesen.

Was ist Ihnen aus der Spielzeit 1995/1996 noch in Erinnerung?
Olaf Bodden: Es war persönlich meine beste Saison bei Sechzig, obwohl ich in diesem Jahr zwei Rote Karten kassierte. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich Torschützenkönig geworden. Leider haben wir am Ende der Saison als Achter knapp die Qualifikation für den UEFA-Pokal verpasst, spielten im UI-Cup.

Der Start ging aber ziemlich in die Hosen, obwohl mit Daniel Borimirov, Horst Heldt, Marek Lesniak, Holger Greilich und Jens Jeremis die Mannschaft gut verstärkt worden war. Nach fünf Spielen stand gerade mal ein Zähler auf der Habenseite. Woran lag‘s?
Bodden: Das war bei uns öfters der Fall, weil wir unter Trainer Werner Lorant eine extreme Vorbereitung absolvierten. Und dann brauchten wir eben etwas länger, um fit zu wurden. Aber je länger die Saison lief, umso mehr zahlte es sich aus.

In dieser Saison gab es ein außergewöhnliches Derby. Nach 26 Minuten lagen die Löwen bereits 0:4 zurück. Am Ende wäre beim 2:4 sogar ein Punkt drin gewesen.
Bodden: Klar, an dieses Spiel kann ich mich gut erinnern. Bayern ist viermal aufs Tor gelaufen und hat viermal getroffen, davon zweimal aus abseitsverdächtiger Position. Wir waren die erste halbe Stunde völlig von der Rolle. Dann haben wir uns gefangen, und ich habe das 1:4 gemacht.

Und kurz vor der Pause flogen sie gemeinsam mit Oliver Kahn vom Platz. Was war genau geschehen?
Bodden: Es kam eine Flanke von rechts, ich hab‘ ihn ein bisschen an der Hose gezogen und beim Aufstehen hat er mir sein Knie in den Unterleib gerammt. Kahn bekam dafür Rot. Danach haben Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann Schiedsrichter Jürgen Jansen so lange belabert, bis auch ich Rot gesehen habe. Das war ein Foul und Freistoß für Bayern, aber weder Gelb noch Rot. Der Schiri stellte mich nur vom Platz, um die Gemüter der Bayern zu beruhigen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Die Probleme mit den Schiedsrichtern zogen sich wie ein roter Faden durch die Spielzeiten. Woran lag das?
Bodden: Ja, über einen langen Zeitraum war das der Fall. Wir haben häufig unberechtigte Gelbe und Rote Karten kassiert. Vielleicht lag es daran, dass wir eine sehr aggressive Mannschaft waren, die sehr hart in die Zweikämpfe gegangen ist.

In dieser Saison wurden sie mit den Löwen Deutscher Hallenmeister, schlugen im Finale den HSV mit 6:3. Ihr größter Erfolg mit Sechzig?
Bodden: Zumindest der einzige Titel, weil wir weder Pokal noch Meisterschaft gewannen. Die Qualifikation für den UEFA-Cup in der folgenden Saison war für 1860 aber sicher genauso wichtig.

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